Bildauswahl in Lightroom – Workflow um die besten Fotos auszuwählen

Fotos selektieren – Bildauswahl in Lightroom: Sich gegen viele Fotos und letztendlich für wenige, oder gar eines zu entscheiden ist nicht leicht. Als Fotograf weiß ich, wie schwierig es besonders am Anfang ist, aus einer Vielzahl an Fotos, die während einer Session entstehen, die besten auszuwählen. Der heutige Beitrag soll dir dabei helfen, wie du einen Workflow dafür entwickeln kannst, deine Fotos in Lightroom zu selektieren.

Gerade auf Hochzeiten entstehen bei mir im Verlauf von zehn Stunden gerne einmal 2000 – 3000 Fotos die schlussendlich auch gesichtet werden müssen. Aber auch im Urlaub, auf Reisen oder ganz privat, mache ich lieber ein paar Fotos mehr als zu wenig.

Bis vor zwei Jahren war die Bildauswahl bei mir ein großer Zeitfresser. Daher habe ich mir einen Workflow angeeignet, der mir dabei hilft, aus all den geschossenen Fotos nach dem Import in Lightroom die Besten möglichst zeitsparend zu selektieren. Und: Ich selektiere (fast) nie direkt nach dem Import!

Das mache ich zumindest bei Portrait-Fotos und bei der Hochzeitsfotografie so. Ich lasse immer erst einen Tag bzw. eine Nacht vergehen, bevor ich aussortiere. Damit versuche ich die emotionale Bindung von den entstandenen Fotos erst einmal zu lösen.

Denn oft ist man noch zur Hälfte mit dem Kopf beim Shooting und betrachtet dann die Fotos nicht objektiv.

Die große Ausnahme bilden hierbei jedoch Fotos, die der Kunde noch am gleichen Tag oder einen Tag später braucht. Das ist aber die Ausnahme.

Grundeinstellungen für die Bildauswahl in Lightroom

Bis Ende 2018 habe ich die Bildauswahl ausschließlich mit Photomechanic vorgenommen. Seit 2019 nutze ich hierfür aber nur noch Lightroom, da meine Hauptkamera eine Canon EOS R ist und deswegen der Fokus in 95% der Fälle sitzt. Ich brauche also keine extrem großen Vorschaubilder, um die Schärfe zu beurteilen.

Daher mache ich meine Bildauswahl komplett in Lightroom und hier arbeite ich zu 99% in der Bibliotheksansicht. Ich blende alle Leisten aus und Stelle die Miniaturansicht so ein, dass ich maximal drei Fotos in einer Zeile sehe.

Bildauswahl in Lightroom
Ich nehme die Bildauswahl im Bibliotheksmodul in Lightroom vor. Dafür benutze ich die Miniaturansicht in einer 3er-Reihe.

Ja, diese Bildgröße reicht in der Regel aus, um die Schärfe bereits einigermaßen richtig zu beurteilen. Seit dem wir spiegellos fotografieren, sind sowieso 95% aller Fotos auch bei Offenblende exakt fokussiert.

Bildauswahl in Lightroom: Die erste Runde – gelungene Fotos selektieren

Die erste Auswahl ist bei mir immer etwas gröber, als die Feinauswahl. Ich betrachte dazu jedes Foto in einer 3er-Reihe und bewerte für mich im Kopf jedes Motiv nach diesen Kriterien:

  • Versteht man das Foto, ohne dabei gewesen zu sein oder braucht man Hintergrundwissen? Gute Fotos funktionieren immer auch ohne Kontext!
  • Ist das Hauptmotiv gut getroffen (Blinzeln etc.)
  • Erzählt das Foto eine spannende Geschichte?
  • Sind Emotionen sichtbar oder werden Emotionen ausgelöst?
  • Sind auf dem Foto für den Kunden wichtige Personen zu sehen?
  • Passt das Foto zu meinem fotografischen Stil?
  • Ist es technisch in Ordnung (Fokus, Belichtung)?
  • Gibt es das Motiv schon in der bisherigen Auswahl noch nicht?
Bildauswahl Lightroom - Bildinhalt und Komposition bewerten
Hier habe ich mich für das Motiv in der Mitte entschieden, da hier der Brautstrauß das Hauptmotiv darstellt und das Lächeln der Braut zusätzlich etwas Emotion in das Foto bringt.

Beantworte ich den Großteil dieser Fragen mit ja, dann markiere ich dieses Foto, indem ich die 1 auf dem Nummernpad drücke und das Foto demnach mit einem Stern bewerte (Für euer Ego könnt ihr auch die 5 nehmen). Dann navigiere ich mittels Cursortasten zu den nächsten Fotos, bzw. zur nächsten 3er-Reihe und selektiere nun weiter.

Nach einer Weile entwickelt man ein Gespür für gute Fotos und wählt dann deutlich schneller aus Serien aus. Das ist wie beim Autofahren – irgendwann schaltet man automatisch und denkt nicht mehr darüber nach.

Wichtig: markiert nur die guten Fotos. Bewertet keine schlechten Fotos geringer, bzw. wertet schlechte Fotos ab. Das ist reine Zeitverschwendung und kann sich negativ auch auf euer fotografisches Selbstbewusstsein auswirken. Denn wenn du den Großteil deiner eigenen Fotos nur negativ bewertest, wird dich das nicht glücklich stimmen.

Sollten mal 15 sehr gleiche Fotos (Serienmodus bei schnellen Bewegungen) zu sehen sein, wähle ich dann aus allen Fotos nur eines aus, dass ich vom Motiv am besten finde.

Hier helfen folgende Ansätze:

  • Ist die Bildkomposition stimmig (Motiv im goldenen Schnitt, bei Personen: richtig angeschnitten)?
  • Gibt es eine spannende Blickführung, die das Foto interessanter machen?
  • Gibt es keine (bewusst erzwungene) Bewegungsunschärfe?

Mit den Antworten auf diese Fragen, findet man dann auch bei Serienbildern das eine Motiv raus, dass passt.

Bildauswahl Lightroom Serienfotos
Bei dieser Serienfotos wähle ich in Lightroom das erste Foto aus, da hier die Gesamtkomposition am stimmigsten ist. Zudem wollte ich das Brautpaar genau mittig haben.

Bin ich mit der groben Bildauswahl fertig, dann pausiere ich wieder und mache die Feinauswahl erst, wenn ich alles einen Tag in Ruhe gelassen habe.

Bildauswahl in Lightroom: die zweite Runde, Fein-Selektion der Fotos

Starte ich die zweite Runde, der Bildauswahl, dann sortiere ich die Fotos noch einmal deutlich kritischer. Zuerst lasse ich mir nur die bewerteten Fotos anzeigen und dann arbeite ich mich wieder von oben an durch.

In erster Linie frage ich mich nun aber:

  • Bringt dieses Foto einen Mehrwert für den Portraitierten bzw. das Brautpaar mit?

Das ist erst einmal mein Hauptkriterium. Kann das Foto dem nicht standhalten, wird es mit einer Null wieder aus der Selektion geworfen. Achtung, das Argument: „Dann hat der Kunde ein Foto mehr.“, ist kein Mehrwert!

  • Ist die Sammlung auch ohne dieses Foto stimmig?

Beantworte ich diese Frage mit ja, fliegt das Foto aus der Auswahl heraus. Das mache ich, weil Qualität immer über Quantität siegen wird. Hat man einfach zu viele ähnliche Fotos die man dem Kunden übergibt mag es anfangs den „Wow – so viele Fotos“-Effekt geben, der jedoch schnell in Langeweile oder Gleichgültigkeit umschlägt.

Und wir wollen doch niemanden mit Fotos langweilen, oder?

Daher ist die Bildauswahl eines der wichtigsten Dinge, die ein guter Fotograf bei der Abgabe der Fotos berücksichtigen muss.

Zusatz-Tipp: Bildauswahl für das Fotobuch

Bildauswahl Fotobuch
Weniger ist mehr: Fotos, die über eine komplette Doppelseite gehen, wirken besonders eindrucksvoll in einem Fotobuch!

Wenn du schon mal ein Fotobuch gestaltet hast, dann kennst du das Problem sicherlich: Oft fällt es schwer, die richtigen Motive dafür auszuwählen.

Aber auch hier gibt es ein paar Tipps, die bei der Gestaltung helfen. So wie ich meine Bildauswahl meiner Fotojobs mache, kann man nach einem ähnlichen Muster die Fotos für ein Fotobuch heraussuchen:

In erster Linie empfehle ich, die Fotos so auszuwählen und anzuordnen, das anschließend im Fotobuch eine Geschichte erzählt wird. Wähle dazu am besten wichtige Schlüsselmomente und Fotos aus, die dir etwas bedeuten.

Damit du bei der Gestaltung des Buches nicht abgelenkt wirst, würde ich immer zuerst aus all den vielen Fotos meine Lieblingsbilder auswählen und in einen separaten Ordner kopieren.

Diesen Ordner nutze ich dann als Grundlage für das Fotobuch. Empfehlenswert ist auch, pro Seite nicht zu viele Fotos zu wählen, da sonst die Bilder nicht mehr wirken können und es schwer fällt, alle Motive zu erfassen. So erhältst du ein stimmiges Fotobuch.

Zusatz-Tipp: Private Urlaubsfoto für den Druck auswählen

Und für alle die ihre Urlaubsfotos groß ausdrucken möchten habe ich noch einen Tipp:
Das EINE Foto für das Wohnzimmer, das man groß ausdrucken möchte, ist genau das Motiv, dass dich sofort in den Moment zurückbringt, dein Herz höher schlagen lässt und dich mit Freude erfüllt.

Egal ob es technisch perfekt ist oder nicht – denn die Emotion schlägt immer die Perfektion!

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