In diesem Fototutorial zur Milchstraßenfotografie bekommst du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du die Milchstraße fotografierst, erhältst neben den richtigen Kamera-Einstellungen auch Objektiv-Tipps und erfährst, wie du deine Milchstraßenfotos bearbeiten kannst. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!
Kurz & knapp: die wichtigsten Einstellungen
Fotografiere die Milchstraße mit einem lichtstarken Weitwinkel bei Offenblende, hoher ISO und rund 10–20 Sekunden Belichtung in einer klaren, mondlosen Nacht an einem möglichst dunklen Ort.
- Objektiv: Weitwinkel 14–24 mm (Vollformat) bzw. 10–16 mm (APS-C)
- Blende: f/2.8 oder offener (ideal f/1.4–f/2.0)
- ISO: 3200–6400 (Richtwert 3200)
- Belichtungszeit: 10–20 s nach 500er-/NPF-Regel
- Fokus: manuell, per Live-View auf einen hellen Stern
- Format: RAW – der Look entsteht in der Bearbeitung
- Stabilität: stabiles Stativ + Fernauslöser oder 2-s-Timer
- Zeitpunkt: Neumond, galaktisches Zentrum sichtbar (Feb–Okt)
- Ort: wenig Lichtverschmutzung, Bortle 1–4
Das erwartet dich im Fototutorial Milchstraßenfotografie
Ich verstehe, wenn du keine ewig langen Tutorials zur Astrofotografie lesen möchtest. Dennoch empfehle ich dir den ganzen Beitrag zu lesen, da du dadurch lernst, noch bessere Fotos von der Milchstraße anzufertigen und mehr aus meinem „Basisrezept für die Milchstraßenfotografie“ herausholst. Du lernst hier, wie du den richtigen Zeitpunkt für solche Aufnahmen wählst und bekommst einiges an KnowHow in der Milchstraßenfotografie vermittelt. Und das komplett kostenlos. Warum ich das mache? Nun, die Milchstraße und die Astronomie faszinieren mich schon seit meiner Kindheit vor über 30 Jahren. Heute blicke ich auf hunderte Stunden mit meiner Kamera unter der Milchstraße zurück. Die Faszination ist geblieben und ich möchte anderen Sternguckern dabei helfen, bessere Fotos von der Milchstraße zu machen.

So kannst du die Milchstraße heute am besten finden und fotografieren
Die Milchstraße musst du erstmal finden, bevor du sie fotografieren kannst. Hier helfen dir einfache Astronomie Apps, mit denen du dein Shooting auch planen kannst. Die Milchstraße findest du in unseren Breitengraden im Sommer immer grob in der Himmelsrichtung Süden bis Westen. Im Winter findest du die Milchstraße im Westen bis Norden.
Das helle Zentrum der Milchstraße (im Sternbild Schütze) ist von Deutschland aus nur einen Teil des Jahres und immer flach im Süden zu sehen. Die Tabelle zeigt Monat für Monat, ob und wann sich eine Aufnahme lohnt – für Deutschland-Mitte (ca. 50° N), Uhrzeiten in lokaler Zeit inkl. Sommerzeit. Fotografiere immer in einer mondlosen Nacht rund um Neumond.
| Monat | Kern sichtbar? | Bestes Zeitfenster (lokale Zeit) | Richtung | Höhe im Fenster* | Neumond 2026 (ca.) | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar | Praktisch nein – Kern geht erst in der Morgendämmerung auf | — | Südost (Horizont) | < 3° | 18. Jan. | ✗ nicht praktikabel |
| Februar | Sehr knapp, kurz vor der Morgendämmerung tief im Südosten | ca. 05:45–06:30 | Südost | 3–6° | 17. Feb. | ✗ nur für Geduldige |
| März | Ja – Saisonstart, in den Stunden vor Sonnenaufgang | ca. 04:30–05:45 | Südost | 5–9° | 19. März | △ eingeschränkt |
| April | Ja – Kern steigt, längeres Fenster vor der Dämmerung | ca. 03:00–05:00 | Südost → Süd | 8–11° | 17. April | ○ gut |
| Mai | Ja – gutes Fenster in der zweiten Nachthälfte | ca. 01:30–04:00 | Südost → Süd | 9–12° | 16. Mai | ○ gut (ab Mitte Mai keine astron. Nacht mehr im Norden) |
| Juni | Kern gut platziert, aber keine astronomische Dunkelheit in weiten Teilen Deutschlands | ca. 00:30–02:30 | Süd | 10–12° | 15. Juni | △ nur Dämmerungshimmel (Alpenraum besser) |
| Juli | Ja – Kern kulminiert im Süden, höchste Jahreshöhe; astron. Nacht kehrt ab ca. 20.–25. Juli zurück | ca. 23:30–02:00 | Süd | 11–13° | 14. Juli | ● sehr gut (ab letztem Julidrittel) |
| August | Ja – bester praktischer Monat: volle Dunkelheit, angenehme Zeiten, Perseiden um den 12.8. | ca. 21:30–00:30 | Süd → Südwest | 10–12° | 12. Aug. | ● sehr gut |
| September | Ja – gutes Früh-Abend-Fenster direkt nach der Dämmerung, Kern sinkt zunehmend | ca. 20:30–22:30 | Südwest | 6–9° | 11. Sept. | ○ gut (Anfang/Mitte des Monats) |
| Oktober | Nur Anfang Oktober kurz nach Einbruch der Dunkelheit tief im Südwesten – dann Saisonende | ca. 19:30–20:30 (nur erste Woche) | Südwest (Horizont) | 3–6° | 10. Okt. | △ → ✗ Saisonende |
| November | Nein – Kern steht tagsüber am Himmel | — | — | — | 9. Nov. | ✗ nicht sichtbar |
| Dezember | Nein – Kern steht tagsüber am Himmel | — | — | — | 9. Dez. | ✗ nicht sichtbar |
- ● sehr gut – dunkler Himmel + gute Höhe + praktikable Uhrzeit (Juli-Ende bis September)
- ○ gut – lohnt sich klar, mit Abstrichen bei Uhrzeit oder Höhe
- △ eingeschränkt – nur für Ambitionierte (Dämmerungslicht, sehr flach oder späte/frühe Uhrzeit)
- ✗ – Kern nicht bzw. nicht sinnvoll fotografierbar; jetzt eignen sich Sternspuren, Wintermilchstraße (blass) oder Polarlicht
* Höhe des galaktischen Zentrums über dem Horizont während des angegebenen Fensters, für ca. 50° N. Mehr als rund 13° erreicht der Kern von Deutschland aus nie – ein freier Blick nach Süden ist deshalb Pflicht. Uhrzeiten sind Richtwerte inkl. Sommerzeit (MESZ 29.03.–25.10.2026) und verschieben sich je nach Standort und Datum um bis zu ~1 Stunde. Neumond- Termine ca.-Angaben – für die genaue Planung PhotoPills oder Stellarium nutzen.
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Die Milchstraße wirst du mit deinen eigenen Augen nur sehen, wenn du in einer Gegend bist, die frei von Lichtverschmutzung ist und sich deine Augen bereits eine halbe Stunde an die Dunkelheit angepasst haben. Je länger sich die Augen an die Dunkelheit anpassen können, desto besser. Nur dann wirst du das zarte Band der Milchstraße durch deine Augen sehen! Diesen Vorgang nennt man übrigens Adaptation und es ist super interessant, was da im Auge passiert!
Ich empfehle dir für die nächtliche Fototour unter den Sternenhimmel eine Sternkarte mitzunehmen, damit du dich zurecht findest. Die Sternkarte darf gerne in digitaler Form als App auf dem Smartphone sein. So findest du Sterne bzw. Milchstraße schneller und hast mehr Freude daran den Sternenhimmel zu fotografieren. Wenn du mit einer Sternenhimmel App in der Astrofotografie arbeiten willst, empfehle ich dir den Nachtmodus am Smartphone zu aktivieren, um die Adaptation des Auges nicht durch das blaue Smartphone-Display zu stören.
Gute Sternenhimmel Apps
Gute Apps für den Sternenhimmel gibt es in den App-Stores für Android und iOS einige. Ich empfehle dir für die Astrofotografie besonders diese drei Apps:
- Photopills: Mit dieser App kannst du an jedem Standort dein Foto von der Milchstraße auf die Sekunde genau planen. Du kannst vor Ort im VR-Modus sogar die Milchstraße einblenden, um zu schauen wo sie zu einer bestimmten Uhrzeit steht. Diese App nutze ich wirklich sehr oft und sie ist auch für Landschaftsfotografen eine der besten Planungs-Apps.
- Stellarium Plus: Eine Echtzeit-Sternenkarte in der du einen riesigen Katalog an Sternen und Deep-Space-Objekten und auch die Milchstraße findest. Eignet sich dadurch auch super zur Planung für die Astrofotografie.
- Starwalk 2: Starwalk ist eine Alternative zu Stellarium und du erhältst bei besonderen Astronomie-Ereignissen eine Benachrichtigung. Auch hier kannst du die Milchstraße sehr schnell ausfindig machen.
Auch wenn diese drei Sternenhimmel Apps ein paar Euro kosten, kann ich sie besonders empfehlen. Denn so findest du blitzschnell heraus, ob sich die Milchstraße im gewünschten Bildausschnitt befinden wird. Stellarium gibt es zudem als kostenlose Software für Windows, OS X, Linux und als Online App. Stellarium eignet sich perfekt für die Planung von Astrofotos oder einen Fotoausflug zur Milchstraße!
Es gibt auch einiges an kostenlosen Sternenhimmel Apps. Leider sind diese oft in der Funktionalität stark eingeschränkt und mit Werbung zugepflastert. Gebt daher lieber die paar Euro für eine vernünftige Sternenhimmel App aus. Damit unterstützt du auch die gute Arbeit der Entwickler.
Die richtige Fotoausrüstung um die Milchstraße zu fotografieren
In der Milchstraßenfotografie, ist gutes Kameraequipment wichtig, um wirklich beeindruckende Ergebnisse zu erzielen. Ich zeige dir kurz ein paar Fotos, die ich mit sehr gutem Equipment hier in Deutschland aufnehmen konnte. Und das trotz starker Lichtverschmutzung:
Die Fotos von der Milchstraße habe ich alle mit einem lichtstarken 20mm Objektiv an einer Vollformatkamera fotografiert.
Für den Einstieg in die Milchstraßenfotografie brauchst du neben der Kamera jedoch erstmal nur ein gutes, stabiles Stativ und ein Weitwinkelobjektiv. Um wirklich gute Aufnahmen zu bekommen, lohnt sich die Investition in eine moderne Vollformatkamera und ein sehr lichtstarkes Weitwinkelobjektiv.
Damit es hier nicht zu zu sehr um Kameras und Objektive geht, habe ich den Beitrag aufgeteilt. Wenn du mehr über die besten Kameras, bzw. Objektive für die Milchstraßenfotografie erfahren möchtest, schaust du dir die entsprechenden Beiträge an:
- Kamera für Milchstraße und Sterne: Die Besten DSLR & DSLM für die Astrofotografie
- Objektiv für die Milchstraße: Die besten Astrofotografie-Objektive für DSLR & DSLM
Ich möchte dir nur kurz die besten Objektive für die Milchstraße für die meistgenutzten Kamerasysteme vorstellen. Klicke einfach auf deinen Objektivanschluss um das entsprechende Objektiv anzuzeigen.
empfehlenswerte Objektive für die Milchstraßenfotografie
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Canon EF
- Kategorie A-Art. Verwendungszweck: Reisen, Landschaft, Hochzeit & Events, Natur & Wildlife
- Weltweit erstes F1,4 Ultra-Weitwinkel-Objektiv für Vollformat-DSLR's
- Größter Abbildungsmaßstab 1:7,1
- Naheinstellungsgrenze: 27,6 cm
- Lieferumfang:Objektiv;Köcher;Rückdeckel;Frontstülpdeckel LC907-01;Garantiekarte;Bedienungsanleitung
- sehr scharfes Objektiv
- Offenblende 1.4
- kaum Verzeichnung
- Vignettierung
- Coma in den Ecken
- teuer
- extrem lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
- Weltweit erstes F1,4 Ultra-Weitwinkel-Objektiv für Vollformat
- Top Abbildungsleistung
- Naheinstellungsgrenze: 27,6 cm
- Für Milchstraße, Reisen, Landschaft, Hochzeit & Events, Natur & Wildlife
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Canon RF
Das RF 20mm f/1.4 L VCM ist ein echtes Leichtgewicht – nur 519 g – und steckt trotzdem voll mit Funktionen. Die Schärfe? Top – selbst bei Offenblende. Damit lässt sich die Milchstraße richtig gut einfangen. Aber auch für Landschaft, Architektur oder Reportage ist die Brennweite super geeignet.
- Knackscharf, selbst bei f/1.4
- Kaum Farbsäume
- Klein, leicht, kompakt
- Wetterfest
- F1.4 für super Low-Light-Performance
- Extrem schneller & leiser Autofokus
- Einheitliche Größe mit anderen RF-Hybriden
- Der Preis: 2.099 € UVP – kein Schnäppchen
- Blendenring im Fotomodus nur eingeschränkt nutzbar
- RAWs sind ohne Profilkorrektur stark vignettiert und verzerrt (aber dazu später mehr)
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Canon EF-S (APS-C)
- Lichtstarkes Weitwinkelobjetiv für Canon APS-C DSLR
- Gute schärfe
- Offenblende gut nutzbar
- Vignettierung
- Nur manueller Fokus
Das beste Milchstraßen-Objektivefür Canon EF-M
- scharfes Objektiv
- sehr lichtstark
- vergleichsweise günstig
- nur für APS-C
- Staub- und spritzwassergeschützt
- Eines der besten APS-C Weitwinkelobjektive derzeit
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Sony E-Mount
Eines der Besten Objektive für die Milchstraßenfotografie. Es bildet auch an den Rändern scharf ab und verzerrt die Sterne an den Rändern nicht.
Meine absolute top Empfehlung für die Milchstraße, wenn du mit Sony oder dem L-Mount arbeitest.
- Scharf bis in die Ecken bei Blende 1.4
- fast kein Coma
- kleiner und leichter als das Vorgängermodell
- 15 Sekunden Belichtungszeit ohne Sternwischer möglich
- Blende 1.4
- schneller, geräuscharmer Autofokus
- Ideales Objektiv für die Milchstraßen-Astrofotografie, Reisen & Landschaft
- Clip in Filterhalter
- Spritzwassergeschützt
Das beste Milchstraßen-Objektive für Sony E-Mount (APS-C)
- scharfes Objektiv
- sehr lichtstark
- vergleichsweise günstig
- nur für APS-C
- Staub- und spritzwassergeschützt
- Eines der besten APS-C Weitwinkelobjektive derzeit
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Panasonic und Olympus Micro 4/3
- Sehr lichtstark
- Super Bildqualität
- Sehr günstig zu bekommen
- Nur manueller Fokus
Das beste Milchstraßen-Objektiv für Nikon F
Extrem gute Abbildungsleistung und sehr hohe Lichtstärke, extrem scharf bei Blende 1.4, lange Belichtungszeit möglich
- sehr scharfes Objektiv
- Offenblende 1.4
- kaum Verzeichnung
- Vignettierung
- Coma in den Ecken
- teuer
- extrem lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
- Weltweit erstes F1,4 Ultra-Weitwinkel-Objektiv für Vollformat
- Top Abbildungsleistung
- Naheinstellungsgrenze: 27,6 cm
- Für Milchstraße, Reisen, Landschaft, Hochzeit & Events, Natur & Wildlife
Natürlich gibt es noch viel mehr richtig gute Objektive, die für die Milchstraßenfotografie geeignet sind. Ich stelle sie dir hier ganz genau vor:
Stative
Nutze unbedingt ein stabiles Stativ, lass die Finger von dem ganzen Billigkram im Netz. Mit stabil meine ich, dass das Stativ die Last problemlos tragen kann und auch einen Windstoß dämpfen kann.
Idealerweise sollte das Stativ auch von dir in absoluter Dunkelheit einfach aufzubauen und zu bedienen sein. Leider wird auf dem Stativ-Markt wirklich viel Schrott angeboten und viele Einsteiger machen den Fehler ein extrem günstiges Stativ zu kaufen, dass nichts taugt. Stative unter 75€ kannst du für die Kombi DLSM oder DSLR + lichtstarkes Objektiv komplett vergessen. Wenn du trotzdem nicht gleich mehrere hundert Euro für ein ordentliches Stativ für Fotos vom Sternenhimmel ausgeben möchtest, dann schaue dir doch einmal folgende Stative an. Diese Stative eignen sich perfekt für Fotos der Milchstraße:
- einfaches, aber dennoch stabiles Stativ
- Kugelkopf
- günstiges Carbonstativ
Fernauslöser / Kamera-Apps
Um Erschütterungen durch das Betätigen des Auslösers zu vermeiden, solltest du die Kamera immer extern auslösen. Ein Fernauslöser ist nützlich, aber nicht unbedingt notwendig (Ausnahme BULB-Belichtung mit der DSLR). Schließlich kann inzwischen jede moderne Kamera mittels App ausgelöst werden.
Tipp: Arbeitest du mit einem Fernauslöser, dann gib ihm einen festen Platz in der Kameratasche oder binde den Beutel ans Stativ. Ich habe schon auf mancher Tour unter dem Sternenhimmel den Fernauslöser im Fotoschrank vergessen und mich vor Ort darüber geärgert.
Zusatztipp: Oft gibt es eine App, mit dem du die Kamera auch fernsteuern kannst, was in der Milchstraßenfotografie enorm hilft, da du dort auch die Schärfe der Bilder sehr genau prüfen kannst. Bei Canon ist das zum Beispiel Camera Connect. Bedenke aber, das durch die Bluetooth oder WLAN-Verbindung mit der Kamera die Akkulaufzeit verringert wird.
Auch wichtig: Für deinen Ausflug unter die Milchstraße solltest du immer eine kleine LED-Taschen- oder Stirnlampe mit einpacken. Idealerweise leuchtet diese Rot oder ist mit roter Folie beklebt, um nicht die Adaptation zu stören. Die Lampe hilft dir beim Aufbauen des Equipments sehr.
Kameraeinstellungen für die Milchstraße
- Kameramodus: die Milchstraße fotografiere ich immer im manuellen Modus.
- RAW: Ich nutze ausschließlich das RAW Format für maximale Bildinformationen.
- Weißabgleich: Um mir die Bildbearbeitung, besonders für das Stacking, zu erleichtern stelle ich diesen auf einen festen Wert ein. Ich nutze in der Regel 3200 Kelvin.
- Stabilität: Ich nutze immer ein stabiles Stativ und arbeite mit zeitgesteuertem Auslöser bzw. Fernauslöser oder App.
- Objektiv: Ich nutze ausschließlich lichtstarkes Weitwinkelobjektive (14mm –
35mm ) mit mindestens Blende 2.8.um die Milchstraße zu fotografieren. - Blende: Ich fotografiere die Milchstraße so offenblendig wie es geht, mindestens Blende 2.8 aber meist sogar mit 2.0 oder 1.4.
- ISO: Ich starte immer bei ISO 1600 und nutze auch gerne mal höhere Werte bis 6400.
- Fokus: ich fokussiere immer manuell auf unendlich, dafür nutze ich den Live-View mit 10-facher Vergrößerung.
- Belichtungszeit: Je nach Brennweite arbeite ich mit einer Belichtungszeit von 10 – 25 Sekunden. Bei kurzen Brennweiten kann ich länger belichten, als bei langen. Ich orientiere mich an der „500er“ oder „300er Regel“, die ich weiter unten ganz genau erkläre.
Das Ergebnis dieser Einstellungen ist ein Foto von der Milchstraße, auf dem das zarte Band unserer Heimatgalaxie schon sehr schön zu erkennen ist. Besonders spannend wird dein Foto, wenn du nicht nur die Milchstraße fotografierst, sondern auch einen interessanten Vordergrund mit in das Foto nimmst.
Du wirst schnell merken: Den Sternenhimmel zu fotografieren, ist technisch anspruchsvoll, macht aber extrem viel Spaß. Fotos von der Milchstraße sind immer beeindruckend. Denn deine Kamera wird dir Details der Milchstraße zeigen, die mit dem bloßen, menschlichen Auge gar nicht sichtbar sind. Je hochwertiger die Ausrüstung dabei ist, desto einfacher wird es, die Milchstraße detaillierter und schöner zu fotografieren.
Suche dir einen Ort mit einem spannenden Vordergrund und plane dein Foto so, dass die Milchstraße genau so steht, wie du das möchtest. Fahre rechtzeitig an deinen Fotospot und plane Zeit für Aufbau von Stativ und Kamera und vor allem das manuelle Fokussieren ein.
Wann ist die Milchstraße am besten zu fotografieren?

Mein Tipp: Mach´ deine Fotos von der Milchstraße Ende Frühjahr, im Sommer oder Anfang Herbst. Die Milchstraße ist in unseren Breitengraden im Sommer besonders gut mit dem galaktischen Zentrum zu sehen. Im Winter dagegen siehst du nur einen winzigen Teil, der nicht sehr spektakulär ist.
Was ist, wenn der Mond scheint?
Als Anfänger solltest du ausschließlich die Milchstraße fotografieren wenn Neumond ist, oder der Mond unter dem Horizont steht, da sonst kaum etwas von der Milchstraße sichtbar ist. Meist sind die Fotos sogar überbelichtet und unbrauchbar. Wenn du etwas Erfahrung gesammelt hast, kannst du als geübter Milchstraßenfotograf auch Aufnahmen erstellen, bei denen der Mondschein die Landschaft beleuchtet. Das ist aber nur durch viel Planung möglich, denn der Mond darf nur knapp am Horizont stehen. Für solche Aufnahmen hast du dann gerade mal 10 Minuten Zeit.
Ich verrate dir noch ein paar nützliche Tipps für noch bessere Fotos von der Milchstraße:
- Zusammen mit der App „Photopills“ lässt sich ein Foto von der Milchstraße an einem bestimmten Standort bis auf die Sekunde genau planen.
- Bist du südlich des Äquators im Urlaub, kannst du spektakuläre Fotos von der Milchstraße und den Begleitgalaxien – der großen und kleinen Magellanschen Wolke machen.
- Milchstraße fotografieren wie ein Profi: Wenn du noch bessere, detailliertere Milchstraßenfotos machen wollt, dann brauchst du eine Nachführung, die die Erdrotation ausgleicht. Empfehlenswert ist für weitwinklige Aufnahmen beispielsweise die Omegon LX Mini Track* mit der ich selbst relativ oft arbeite.
In den folgenden Punkte erkläre ich dir ganz genau, warum die oben genannten Kamera-Einstellungen für Fotos von Milchstraße unumgänglich sind.
Kameramodus
Bei der Sternen- und Milchstraßenfotografie fotografierst du prinzipiell im manuellen oder im BULB-Modus (Bei BULB brauchst du jedoch zwingend einen Fernauslöser, bzw. steuerst du die Kamera via App). Warum manuell? Die Kamera befindet sich in einer schwierigen Lichtsituation und brauchst die komplette Kontrolle über die Belichtung, da die Umgebung für die (Halb-)Automatik zu dunkel ist.
Blende
Grundsätzlich sind Sterne punktuelle Lichtquellen, die ihr Licht in alle Richtungen abstrahlen. Aufgrund der großen Entfernungen jedoch trifft das Licht parallel auf den Kamerasensor. Eine größere Blendenöffnung ermöglicht dir daher, dass eine größere Menge Licht in derselben Zeit auf den Sensor fällt, als bei einer einer kleinen Blendenöffnung.
Fotografiere daher so offenblendig, wie es nur geht (kleine Blendenzahl). Ich empfehle eine Blende von mindestens 2.8. Ein lichtstarkes Objektiv mit Blende 2.0 oder sogar 1.4. Die offene Blende sorgt dafür, dass du soviel Licht einfängst wie nur möglich. Glaub mir, du möchtest jedes einzelne Photon mit dem Sensor einfangen, dass von den Sternen der Milchstraße ausgestrahlt wurde.
Bildstabilisator
Einen eventuellen Bildstabilisator (IS, VC, VR, etc.) am Objektiv oder in der Kamera solltest du deaktivieren. Auf einem Stativ kann ein Bildstabilisator kontraproduktiv wirken. Eigentlich gibt es auch keine Bewegung, die du ausgleichen musst.
Sterne der Milchstraße korrekt fokussieren
Um die Sterne perfekt scharf zu bekommen, musst du unbedingt manuell fokussieren und den Autofokus ausschalten. Der Autofokus wird dir in der Dunkelheit nicht helfen und die Kamera wird Probleme dabei haben, etwas scharf zu stellen. Daher machst du das einfach selbst.
Der schwerste Part ist eigentlich die Fokussierung auf Unendlich. Manche Objektive haben am Fokussierring den Fokus für Unendlich ( ∞ ) eingezeichnet, was die Sache wesentlich einfacher macht – zumindest grob. Denn wenn du Sterne perfekt fokussieren willst, wirst du um eine Feinjustage nicht herumkommen.
Meine Tipps um die perfekte Schärfe zu bekommen
- Suche am Nachthimmel einen besonders hellen Stern (Vega im Sommer, Sirius im Winter) oder einen hellen Planeten wie Jupiter
- Richte Kamera und Objektiv auf diesen hellen Stern aus
- Der helle Stern sollte sich idealerweise genau in der Mitte im Sucher befinden, da hier die Schärfe besonders gut zu beurteilen ist
- Aktiviere den LiveView auf dem Display
- Zoome bis zur maximalen Vergrößerung in den LiveView herein
- Stelle nun den Stern durch feine Justagen am Fokusring in kleinen Schritten nach und nach perfekt scharf
- Die Schärfe hast du perfekt eingestellt, wenn der Stern exakt punktförmig und so klein wie möglich abgebildet wird
- Du kannst dein Kameradisplay noch weiter vergrößern, wenn du dir eine kleine Lupe mitnimmst und vor das Display hältst.
Fast alle spiegellosen Kameras unterstützen das sogenannte Fokus-Peaking, was das manuelle Scharfstellen wesentlich einfacher macht.
Eine weitere Hilfe: Alternativ kannst du tagsüber auf unendlich fokussieren und markierst gut sichtbar am Objektiv den Fokusstand. Das geht natürlich nur bei Objektiven, bei denen sich der Fokusring nicht unendlich weit drehen lässt. Aber Achtung – gibt es im Verlauf des Tages große Temperaturunterschiede, wird das nicht funktionieren.
Erstell nach dem Fokussieren immer eine Probeaufnahme! Zoome komplett ins Bild rein und kontrolliere die Schärfe ausschließlich in der Bildmitte. Nichts ist ärgerlicher, als nach einer 3 Stunden-Session festzustellen, dass alle Bilder leicht unscharf sind! Beachte auch, dass du bei großen Temperaturveränderungen im Verlauf der Nacht gelegentlich nachfokussieren musst. Kontrolliere dazu am besten regelmäßig, ob die Sterne auch noch scharf abgebildet werden!
ISO
Hab keine Angst vor hohen ISO Werten. Unter ISO 1600 werden die Fotos nur unspektakulär.
Der ISO-Wert sollte in der Stern- und Milchstraßenfotografie je nach Rauschverhalten der Kamera und dem gewünschten Motiv zwischen 1600 und 6400 liegen. Die vorhandene Lichtstärke des Objektivs aber auch die Lichtverschmutzung vor Ort ist hierfür ausschlaggebend. Prinzipiell solltest du den Sensor in der Empfindlichkeit so weit hinaufsetzen wie es geht, jedoch ohne das Bild komplett zu verrauschen.
Bei modernen APS-C Kameras von Sony, Nikon und Canon ist ISO 3200 auch noch locker nutzbar. Immerhin gibt es für etwas mehr Rauschen gleich die doppelte Menge an Licht. Ich würde grundsätzlich immer lieber ein verrauschtes Bild mitnehmen, als gar keines.
Milchstraße fotografieren: richtige Belichtungszeit

Beim Sterne fotografieren hängt die Belichtungszeit vom gewünschten Motiv und der Brennweite ab.
Da sich die Erde dreht, bekommst du ab bestimmten Belichtungszeiten Sternspuren und die Milchstraße wird unscharf. Wenn du die Milchstraße fotografierst und eine zu lange Belichtungszeit für dein Objektiv wählst, wird die Milchstraße auf den Fotos sehr schnell verwaschen und undeutlich dargestellt sein. Denn bei der Belichtungszeit gibt je nach der Brennweite feste Grenzwerte, bei denen die Erdrotation sichtbar wird. Grundsätzlich gilt für die Belichtungszeit in der Astrofotografie ohne Nachführung folgendes:
- Je weitwinkliger dein Objektiv ist, desto länger kannst du den Sternenhimmel fotografieren.
- Je näher der Bildausschnitt in Richtung Polarstern zeigt, desto länger kannst du belichten, ohne sichtbare Sternspuren zu bekommen.
- Fotografierst du Sterne auf Horizont-Höhe, solltest du deine Verschlusszeit etwas kürzer halten.

Wenn die gewählte Kombination aus Belichtungszeit und Blende nicht ausreicht, schwache Strukturen wie die Milchstraße deutlich und scharf aufzunehmen, kannst du das erst einmal mit höheren ISO-Werten ausgleichen. Oder du nutzt ein noch lichtstärkeres Objektiv um die Milchstraße zu fotografieren.
Eine letzte Option, länger zu belichten, ist die angesprochene Astro-Nachführung, welche die Erdrotation ausgleicht. Wenn du merkst, dass du richtig viel Freude daran hast, die Milchstraße zu fotografieren, dann ist solch eine Astro-Nachführung eine wirklich lohnenswerte Anschaffung. Neben der vergleichsweise günstigen Nachführung, der Omegon LX Mini Track gibt es noch Profivarianten, die auch sehr schwere und große Kameras problemlos und extrem exakt nachführen:
- Günstige Einsteiger-Astronachführung
- klein und leicht, perfekt für Reisen
- rein mechanisch, keine Batterien nötig
- Ideal um die Milchstraße zu fotografieren
- Mit schwereren Objektiven nicht mehr gut nutzbar und ungenau
- Profi-Nachführung mit hoher Traglast
- sehr lange Belichtungszeiten möglich
- Einnorden durch beleuchteten Polsucher sehr einfach
- Auto-Guiding-Anschluss vorhanden
- teuer
maximale Belichtungszeit berechnen
Zum Glück dreht sich die Erde mit gleichbleibender Geschwindigkeit und du kannst die maximale Belichtungszeit mit der Formel (gern als 300er Regel bezeichnet) ganz einfach ausrechnen:
300er Regel
300 / (Cropfaktor der Kamera * Brennweite) = max. Belichtungszeit
Rechenbeispiel APS-C Kamera: An einer Canon M50 Mark II (Cropfaktor 1,6) zusammen mit dem Objektiv Sigma 16mm 1.4 Contemporary ergibt folgenden Wert:
300 / (1,6 * 16) = 11.71 Sekunden
Rechenbeispiel Vollformatkamera: Würde ich eine Vollformatkamera – zum Beispiel die Canon EOS R6 – (Cropfaktor 1) nehmen und dazu ein 16mm Objektiv nutzen, wäre das Ergebnis dieser Formel:
300 / (1 * 16) = 18,75 Sekunden
Rechenbeispiel Micro Four-Thirds: Ich nehme eine Panasonic Lumix G-81 (Cropfaktor 2) und ein 12mm Objektiv:
300 / (2 * 12) = 12,5 Sekunden
500er Regel
Wenn du nicht unbedingt die perfekte Bildqualität haben möchtest und dir punktförmige Sterne nicht extrem wichtig sind, bekommst du mit der „500er Regel“ mehr Licht. Dafür musst du in der Formel statt 300 den Wert 500 einsetzen. Die Ergebnisse sind zwar nicht perfekt, trotz längerer Belichtungszeit aber durchaus noch brauchbar!
Rechner für maximale Belichtungszeiten der Milchstraße
Liste: maximale Belichtungszeit für Fotos von der Milchstraße nach Brennweite
Hier bekommst du von mir noch zusätzlich eine Übersicht über die maximalen Belichtungszeiten für gängige Brennweiten in Tabellenform, um die Milchstraße ohne Sternspuren zu fotografieren. Und hier siehst du auch, warum eine Vollformat Kamera am besten geeignet ist, da du bei gleicher Brennweite ca. 1/3 länger belichten kannst.
| Brennweite | Vollformat (KB) | APS-C | MFT |
|---|---|---|---|
| 10mm | 30s | 18,75s | 15s |
| 12mm | 25s | 15,62s | 12,5s |
| 14mm | 21,4s | 13,39s | 10,7s |
| 16mm | 18,75s | 11,71s | 9,37s |
| 20mm | 15s | 9,37s | 7,5s |
| 24mm | 12,5s | 7,81s | 6,25s |
| 28mm | 10,71s | 6,69s | 5,35s |
| 30mm | 10s | 6,25s | 5s |
| 35mm | 8,57s | 5,35s | 4,28s |
| 40mm | 7,5s | 4,68s | 3,75s |
| 50mm | 6s | 3,75s | 3s |
| 70mm | 4,2s | 2,6s | 2,1s |
| 85mm | 3,52s | 2,2s | 1,76s |
| 105mm | 2,85s | 1,78s | 1,425s |
Aufnahmeformat
Idealerweise fotografierst du die Milchstraße ausschließlich im RAW-Format.
Warum RAW und nicht JPG? Wenn wir Sterne und Milchstraße fotografieren, dann wollen wir so viele Details wie möglich aufnehmen und die Bilder höchstwahrscheinlich digital nachbearbeiten. Jedes Bild, das als JPG gespeichert wird, ist ein komprimiertes Bild und hat nur noch 8bit Farbinformationen. Zusätzlich gehen bei einer Komprimierung immer Bilddetails verloren. Nimm lieber die 14bit RAW Dateien und glaub mir, die Nachbearbeitung eines Milchstraßenfotos im RAW-Format wird dir einiges an zusätzlichen Details bescheren.
Weißabgleich
Der Weißabgleich ist erstmal egal, solange du die Milchstraße im RAW-Format fotografierst. In unserer Bildbearbeitung kannst du ja nachträglich den Weißabgleich verändern, daher brauchst du dir darum keinen Kopf zu machen. Aber als Richtwert kannst du, je nach Lichtverschmutzung, Werte von 3700 bis 4000 Kelvin im Hinterkopf behalten.
Individualfunktionen der Kamera
Willst du die Milchstraße mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren, empfehle ich die Spiegelvorauslösung einzuschalten. Bei einer DSLR klappt beim Auslösen der Spiegel runter, damit Licht auf den Sensor fällt.
Diese kleine Bewegung erzeugt eine Vibration, die (besonders auf sehr billigen Stativen) für mehrere Sekunden Schwingungen verursacht. Dadurch können Bewegungsunschärfen in das Foto kommen. Spiegellose Kameras haben beim Milchstraße fotografieren einen kleinen Vorteil, da eine Einstellung weniger vorgenommen werden muss und es dort keinen Spiegelschlag gibt.
Wenn du dich fragst, welche Kamera für die Milchstraßenfotografie besonders geeignet ist, dann kannst du dir meinen ausführlichen Beitrag zum Thema „Beste Kameras für Fotos von der Milchstraße“ anschauen.
Ebenso habe ich mich ausführlich mit dem Thema Objektive für die Milchstraßenfotografie befasst und findest die besten Objektive für die Milchstraße in diesem Artikel.
Milchstraße fotografieren: Planung und Vorbereitung
Lass mich dir zuerst ein wichtiges Learning aus vielen Jahren in der Astrofotografie geben: Plane deinen nächtlichen Ausflug unter den Sternenhimmel und nimm ausreichend Zeit mit. Geh‘ nicht einfach planlos raus und knipse drauflos – das wird schnell dazu führen, dass dich die Ergebnisse deiner Milchstraßenfotos absolut enttäuschen. Überlege dir vorher, wie du die Milchstraße fotografieren willst und wo du die Fotos machen wirst.
Kleidung & Verpflegung
Zieh‘ dich warm an – nicht nur im Winter, ganz nach dem Motto: „Lieber schwitzen als frieren!“. Sterne zu fotografieren macht nämlich null Spaß, wenn die Finger eingefroren sind oder die Zehen blau werden. Ganz abgesehen davon, dass die Bedienung der Kamera dann ewig dauert. Erkälten willst du dich ja auch nicht! Warme und feste (Hand-) Schuhe, warme Sachen & eine Kanne Tee sind nie verkehrt! Der Körper kühlt verdammt schnell aus wenn man sich nicht bewegt.
Checke auch nochmal deinen Kamera-Akku, schaue dass deine Objektive keinen Dreck auf der (Rück-) Linse haben und ob eine Speicherkarte, mit ausreichend Platz, in der Kamera ist. Und vergiss auf gar keinen Fall die Stativplatte! Das ist mir schon ein paar Mal passiert und ist verdammt ärgerlich.
Wetter & Umgebung
Lichtverschmutzung meiden
Dein großer Gegner in der Milchstraßenfotografie heißt: Lichtverschmutzung. Die Lichtverschmutzung ist nichts anderes als unerwünschte oder übermäßige Beleuchtung durch künstliche Lichtquellen, die besonders bei Nacht sichtbar wird. Dieses Phänomen tritt vor allem in städtischen Gebieten auf, wo zahlreiche Straßenlampen, Beleuchtungen von Gebäuden, Werbetafeln und andere Lichtquellen die Nacht zum Tag machen. Diese Lichtquellen sind auch noch deutlich am Horizont zu sehen, selbst wenn du nicht mehr in städtischem Gebiet bist.
Wenn du die Milchstraße fotografieren willst, suche dir also einen möglichst dunklen Ort fernab der Städte. Hier hast du weniger Lichtverschmutzung, die sonst viele Sterne überstrahlt.
In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und den Bayerischen Alpen hat man übrigens die besten Bedingungen, um der Lichtverschmutzung in Deutschland aus dem Weg zu gehen und eindrucksvolle Aufnahmen der Milchstraße zu machen. Nutze zur schnellen Locationsuche diese interaktive & aktuelle Karte mit sehr dunklen Standorten. Natürlich gibt es auch eine Übersichtskarte für die Lichtverschmutzung als kostenlose App für Android
Um möglichst viele Sterne und feinste Strukturen der Milchstraße zu fotografieren, brauchst du unbedingt einen klaren und unbewölkten Himmel. Wolken versperren nicht nur den Blick auf die Sterne, sondern sie reflektieren sehr viel Umgebungslicht. Dadurch wird die Lichtverschmutzung zusätzlich verstärkt und die feinen Details der Milchstraße sind schnell überstrahlt.
Die besten Locations um die Milchstraße zu fotografieren

Und wo kannst du die Milchstraße besonders gut sehen und fotografieren? Bei einem Ausflug in einen Sternenpark! Das lohnt sich, da dort extrem wenig Lichtverschmutzung vorherrscht. Natürlich gibt es in Deutschland auch Orte, an denen es kaum Lichtverschmutzung gibt und die Milchstraße besonders gut zu sehen ist. Diese Locations sind in Deutschlands besonders empfehlenswert:
- Nationalpark Eifel – übrigens auch am Tag sehr sehenswert! Leider inzwischen ein paar Windräder sichtbar.
- Biosphärenreservat Rhön
- Sternenpark Winklmoos-Alm
- Westhavelland
- Pfälzer Wald
- Alpen
- Harz
Mond meiden
Dein zweitgrößter Feind in der Milchstraßenfotografie ist neben der Lichtverschmutzung der Mond. Besonders der Vollmond überstrahlt den Sternenhimmel so stark, dass keine sinnvollen Aufnahmen der Milchstraße möglich sind. Idealerweise fotografierst du also bei Neumond oder wenn der Mond tief unter dem Horizont steht. Apps wie Stellarium oder diverse Mondkalender helfen dir hier weiter. Alternativ kannst du auch in meiner Tabelle hier die Neumondphasen raussuchen. Die fettgedruckten Termine sind die besten Möglichkeiten, gute Aufnahmen von der Milchstraße zu machen.
Tabelle Neumond 2026: beste Termine um die Milchstraße zu fotografieren
| Monat | Datum |
|---|---|
| Neumond Januar | 18.1.2026 |
| Neumond Februar | 17.2.2026 |
| Neumond März | 19.3.2026 |
| Neumond April | 17.4.2026 |
| Neumond Mai | 16.5.2026 |
| Neumond Juni | 15.6.2026 |
| Neumond Juli | 14.7.2026 |
| Neumond August | 12.8.2026 |
| Neumond September | 11.9.2026 |
| Neumond Oktober | 10.10.2026 |
| Neumond November | 9.11.2026 |
| Neumond Dezember | 9.12.2026 |
Milchstraßenfotos in Lightroom bearbeiten
Wenn du deine Milchstraßenfotos im Kasten hast, geht es an die Bildbearbeitung. Ich arbeite gerade an einem ausführlichen Tutorial dafür und will dir daher nur ein paar einfache Schritte zeigen, wie deine Fotos mehr „Pepp“ bekommen.
- Starte damit, die Farbtemperatur und den Weißabgleich anzupassen. Ein optimaler Wert liegt oft zwischen 2700 und 4000 Kelvin – abhängig vom Umgebungslicht.
- Hebe die Belichtung an, so dass du im Histogramm keine Überbelichteten Stellen bekommst.
- Ich reduziere in der Regel den Kontrast und füge etwas Struktur hinzu.
- Weiß – erhöhe ich bis maximal 50 um Sterne noch sichtbarer zu machen
- Dynamik erhöhen -> Dadurch kommen die farbigen Teile der Milchstraße noch besser heraus
- Fotos mit höherem ISO sind immer entsättigt – erhöhe also die Sättigung leicht.
- Um Sterne deutlicher zu machen, erhöhe behutsam die Lichter und verringere zugleich die Tiefen und die Schwarzanteile.
- Verwende die Funktion „Dunst entfernen“ minimal bis ca. 15, um die Sterne etwas hervorzuheben.
- H/S/L Regler – Möchtest du bestimmte einzelne Farben verstärken und abmildern, eignet sich diese Funktion ideal. Aquamarin verschiebe ich immer in Richtung Blau
- Gradationskurve – Eine Hochkontrastkurve erstellen, sie leicht S-förmig aussieht um den Kontrast weiter zu steigern
- Korrekturpinsel – Mit dem Pinsel kann man wunderbar selektiv Bereiche durch Kontrasterhöhung verstärken und zudem noch den Weißabgleich der Milchstraße an sich etwas verändern. Dadurch „poppt“ die Milchstraße noch deutlicher heraus!
Denke dran: Bildbearbeitung ist in der Milchstraßenfotografie sehr individuell – und auch wenn ich meine Einstellungen gefunden habe und immer ähnlich arbeite, heißt das noch lange nicht, dass das auf deinem Bildstil ebenfalls anwendbar ist. Probiere einfach ein bisschen in Lightroom herum und speichere dir deine Einstellungen als Preset ab.
Keine Lust auf ewig lange Bearbeitung? Kein Problem! Hier findest du meine Presets, die ich für meine Milchstraßenfotos in Lightroom nutze: Zum Preset Paket Milchstraße
Die folgende Galerie zeigt dir, was du mit der Bearbeitung aus deinen Milchstraßenfotos herausholen kannst:
Bessere Milchstraßenfotos mit Stacking
Stacking ist eine geniale Technik in der Astrofotografie um Bildrauschen zu minimieren. Dabei werden mehrere Langzeitbelichtungen desselben Motivs kombiniert, um das Rauschen zu reduzieren, Details zu betonen und die Qualität des Bildes deutlich zu verbessern. Durch das Stapeln von mehreren Aufnahmen wird auch die Helligkeit und Farbgebung verbessert, um ein beeindruckenderes und ansprechenderes Bild der Milchstraße zu erhalten. Um Belichtungen erfolgreich zu kombinieren oder zu „stacken“, müssen alle Fotos identisch sein, was kein Problem ist, wenn du nach meiner Anleitung arbeitest, und im manuellen Modus fotografierst.
Eine einfache Methode ist es, die Belichtungen in festgelegten Intervallen durchzuführen, ähnlich wie bei einem Zeitraffer. Viele Kameras verfügen über eine eingebaute Funktion dafür; falls nicht, gibt es spezielle Auslöser oder eine Kamera für jedes Kamerasystem. Ich empfehle immer mindestens 5 bis 10 Fotos zu stacken – allerdings erhöht sich dadurch die Zeit, die du für deine Fotos aufbringen musst enorm.
Wenn du einen Windows-PC benutzt, kannst du die kostenlose Software Sequator ausprobieren, die sehr sehr mächtig und zudem kostenlos ist. Mac Nutzer müssen im APP Store ein paar Euro für den Starry Landscape Stacker bereithalten.
Hier findest du meine Anleitung zum Stacken von Milchstraßenfotos
Häufige Fragen zur Milchstraßenfotografie
Was sind häufige Anfängerfehler beim Sterne fotografieren?
Am häufigsten werden zu kurze Belichtungszeiten, zu niedrige ISO-Werte oder zu lichtschwache Objektive genutzt.
Meine Milchstraßenfotos zeigen nicht so viele Details wie deine. Warum ist das so?
Ich bearbeite meine Fotos nach und nutze dabei Techniken wie das Stacking um das Rauschen zu reduzieren. In der RAW Entwicklung kommen dann die ganzen Details zum Vorschein.
Wann ist die Milchstraße in Deutschland am besten zu sehen?
Das helle galaktische Zentrum ist in Deutschland von etwa Ende Februar (am frühen Morgen) bis Anfang Oktober (am Abend) sichtbar. Die besten Chancen hast du von Mai bis August, wenn das Zentrum hoch genug über den Horizont steigt. Fotografiere in einer mondlosen Nacht rund um Neumond und erst, wenn es vollständig dunkel ist. Also nach dem Ende der astronomischen Dämmerung.
Welche ISO soll ich für die Milchstraße einstellen?
Als Richtwert ISO 3200, je nach Kamera und Objektiv zwischen ISO 1600 und 6400. Mit lichtstarker Blende (f/1.4–f/2.0) reichen meist ISO 1600–3200, bei f/2.8 brauchst du eher ISO 3200–6400. Lieber eine etwas höhere ISO und ein sauber belichtetes Histogramm als ein zu dunkles Bild – Rauschen lässt sich per Bearbeitung oder Stacking reduzieren, fehlende Lichtinformation nicht.
Welche Blende und Belichtungszeit brauche ich?
Blende so weit offen wie möglich, mindestens f/2.8, besser f/2.0 oder f/1.4. Die Belichtungszeit liegt je nach Brennweite bei etwa 10–25 Sekunden. Die längste Zeit ohne sichtbare Strichspuren berechnest du mit der 500er-Regel: 500 / (Cropfaktor × Brennweite). Beispiel: 20 mm an Vollformat → 500 / 20 = 25 Sekunden. Nutze dafür auch den Rechner für maximale Belichtungszeiten weiter oben.
Brauche ich eine Vollformatkamera, oder reicht APS-C?
APS-C reicht für schöne Milchstraßenfotos völlig aus, gerade mit einem lichtstarken Objektiv wie dem Sigma 16 mm f/1.4. Vollformat hat Vorteile: weniger Rauschen bei hohen ISO-Werten und rund ein Drittel längere mögliche Belichtungszeit bei gleicher Brennweite. Wichtiger als der Sensor sind ein stabiles Stativ, ein lichtstarkes Weitwinkel und ein wirklich dunkler Standort.
Wie fokussiere ich nachts auf die Sterne?
Der Autofokus funktioniert im Dunkeln nicht zuverlässig. Also stell das Objektiv auf manuellen Fokus. Aktiviere Live-View, suche einen hellen Stern (im Sommer Vega, im Winter Sirius) oder ein weit entferntes Licht, zoome in der Vergrößerung maximal hinein und drehe den Fokusring, bis der Stern der kleinste, schärfste Punkt ist. Kontrolliere die erste Aufnahme in der 100-%-Ansicht und fixiere den Fokusring danach gegebenenfalls mit Gaffer-Tape.
Kann ich die Milchstraße mit dem Handy fotografieren?
Ja, aber nur mit Einschränkungen. Aktuelle Smartphones mit Nachtmodus oder Pro-/Manuell-Modus (RAW, 10–30 Sekunden, ISO 1600–3200) und einem kleinen Stativ zeigen die Milchstraße erkennbar. An die Detailtiefe, das geringe Rauschen und den Dynamikumfang einer Kamera mit lichtstarkem Weitwinkel kommt ein Handy aber nicht heran. Für erste Versuche und zur Planung reicht es, für Prints oder Posts in den sozialen Medien lohnt sich eine „richtige“ Kamera.
Welches Objektiv ist das beste für die Milchstraßenfotografie?
Ein lichtstarkes Weitwinkel mit 14–24 mm an Vollformat bzw. 10–16 mm an APS-C und Offenblende f/1.4–f/2.8. Bewährt sind zum Beispiel das Sigma 20 mm f/1.4 DG DN Art (Sony E / L-Mount), das Sigma 16 mm f/1.4 für APS-C, Das Canon RF 14mm F/1.4 L und das Canon RF 20 mm f/1.4 L. Achte auf gute Randschärfe und wenig Koma, lichtschwache Kit-Objektive mit f/3.5–5.6 sind für die Milchstraße kaum geeignet. Mehr dazu im Abschnitt: Empfehlenswerte Objektive für die Milchstraßenfotografie.
Kann man die Milchstraße bei Mondlicht fotografieren?
Nur bei sehr schmaler Sichel oder wenn der Mond noch unter dem Horizont steht. Schon ein Halbmond überstrahlt den Himmel so stark, dass die Milchstraße kaum noch durchkommt. Plane deine Tour rund um Neumond oder für das Zeitfenster, in dem der Mond an dem Abend noch nicht auf- bzw. schon untergegangen ist. Eine App wie PhotoPills zeigt dir das.
Warum sind meine Sterne zu kurzen Strichen geworden?
Die Belichtungszeit war zu lang für deine Brennweite. Die Erddrehung zieht die Sterne dann sichtbar in die Länge. Rechne mit der 500er-Regel (500 / (Cropfaktor × Brennweite)) oder für punktförmigere Sterne mit der strengeren 300er-Regel. Bei längeren Brennweiten hilft nur eine kürzere Belichtung (und dafür höhere ISO) oder ein Star-Tracker.
Soll ich in RAW oder JPEG fotografieren?
Immer in RAW. Die Milchstraße lebt von der Bearbeitung: Kontrast, Farben und Details holst du erst in Lightroom oder Darktable aus der Datei heraus, und das geht mit einer 14-Bit-RAW-Datei ohne sichtbare Qualitätsverluste. Bei JPEG sind diese Reserven bereits verworfen. Der Weißabgleich ist bei RAW zunächst zweitrangig (Richtwert 3700–4000 Kelvin).
Was ist Stacking und brauche ich das?
Beim Stacking kombinierst du mehrere identische Aufnahmen (5–10 oder mehr) mit einer Software wie Sequator (Windows) oder Starry Landscape Stacker (Mac). Das Programm mittelt das Bildrauschen heraus, sodass du deutlich mehr Details und sauberere Farben bekommst. Pflicht ist es nicht und ein einzelnes gut belichtetes RAW reicht für den Anfang, aber es ist der größte Qualitätssprung nach der richtigen Belichtung.
Wie finde ich einen dunklen Ort ohne Lichtverschmutzung?
Nutze eine Lichtverschmutzungskarte wie lightpollutionmap.info und suche eine Gegend mit Bortle-Stufe 1–4. In Deutschland zum Beispiel Teile der Alpen, der Eifel, der Mecklenburgischen Seenplatte, des Bayerischen Walds oder der Schwäbischen Alb. Schon 30–60 Autominuten Abstand zur nächsten Großstadt machen einen großen Unterschied. Richte die Kamera möglichst nach Süden, weg von den Lichtglocken der Städte.
Deine Milchstraßenfotos und Erfahrungen
Nun interessiert mich, ob du schon die Milchstraße fotografiert hast und was dabei herausgekommen ist.
Fiel es dir schwer, Bilder von Sternen und der Milchstraße zu machen? Nutze hierfür einfach die Kommentarfunktion unter dem Post! Ich freue mich immer über Kommentare, Anregungen und Bilder!
Und falls du wissen willst, wie du den Mond fotografierst, dann ist mein Beitrag Mond fotografieren: Einstellungen, Kameras, Objektive und Tipps genau richtig für dich!
Fotokurs Milchstraßenfotografie
Fotografiere mit mir gemeinsam den Sternenhimmel. Du lernst alles Schritt für Schritt. Dabei gehe ich auf deine individuellen Fragen und Bedürfnisse ein, helfe dir bei Problemen oder gebe Hilfestellung.
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen und Veranstaltungen zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen und erstelle Tutorials, in denen ich meine Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
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