Komet fotografieren: wie man Neowise und andere Kometen fotografiert

Komet fotografieren: Im heutigen Beitrag will ich dir zeigen, wie du mit einfachen Mitteln einen Komet fotografieren kannst.

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Komet NEOWISE fotografieren: Hier habe ich den Schweifstern mit einem Sigma Art 20mm 1.4 am 23.07.2020 gegen 0:30 Uhr fotografiert

Da gerade der Komet NEOWISE (C/2020 F3) sichtbar ist, zeige ich dir, welche Ausrüstung du benötigst um diesen Komet zu fotografieren.

Natürlich erfährst du auch, wie du den Komet Neowise überhaupt findest, welche Einstellungen für ein Foto richtig sind und was du beim Komet fotografieren beachten musst.

Wichtig: Der Beitrag Komet fotografieren ist ein Tutorial, dass sich an Einsteiger richtet.

Das heißt: Im Beitrag geht es nicht darum, den Komet NEOWISE mittels Tracking und mit langen Belichtungszeiten oder sogar durch ein Teleskop zu fotografieren, Bilder zu Stacken oder andere fortgeschrittene Techniken zu nutzen.

Die Fotos vom Komet Neowise dürfen ruhig auch etwas rauschen. Denn das schönste Foto von einem Kometen ist immer das, dass man selber gemacht hat!

Alle im Beitrag „Komet fotografieren“ mit Sternchen (*) versehenen Links zum Equipment sind sogenannte Provision-Links.
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So findest du den Kometen NEOWISE

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Komet Neowise – fotografiert mit 180mm bei Blende 2.8 an einer Canon EOS R. ISO 800, 180mm f/2.8, 2 Sekunden

Willst du den Komet Neowise fotografieren, dann hast du Ende Juli nach Sonnenuntergang im Nord-Westen ab 23 Uhr die besten Chancen dazu.Aber auch Anfang August ist der Komet noch zu sehen – jedoch ist er dann schon deutlich dunkler. Der Komet steht in der Nähe (unterhalb) des großen Wagens und bewegt sich täglich etwas weiter nach Westen.
Diese Grafik zeigt dir die Position des Kometen Neowise für Juli und August.

Um den Komet Neowise schnell zu finden, ist natürlich auch eine Astronomie-App wie Starwalk 2 oder Stellarium Plus empfehlenswert. In der App musst du nach dem Objekt C/2020 F3 suchen und dir wird die Position von Komet NEOWISE in Echtzeit angezeigt.

Komet fotografieren: Equipment

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Du kannst auch mit einfachem Equipment einen Komet fotografieren: Dieses Foto entstand mit einem doch eher lichtschwachen 70-300mm Canon Teleobjektiv, das es gebraucht schon oft für 50€ gibt. Ja, es ist kein sonderlich gutes Foto, denn es ist stark verrauscht – Aber trotzdem sieht man bereits, den geraden Plasmaschweif des Kometen. Die maximale Belichtungszeit wurde hier überschritten und man sieht deutlich, dass die Sterne nicht mehr punktförmig sind. Einstellungen: ISO 6400, 300mm, f/5,6, 8 Sekunden

Den Komet Neowise zu fotografieren ist gar nicht so schwer. Du benötigst dafür nur folgendes Fotografie-Equipment:

Mehr brauchen wir erstmal nicht um einen Komet zu fotografieren.

Tipp: Wenn du den Komet fotografieren willst und noch nach einer passenden Anfänger-Kamera suchst, ist mein Beitrag Kamera für Anfänger vielleicht noch genau richtig für dich.

Welches Objektiv brauche ich, um einen Komet zu fotografieren? Am besten nimmst du dafür ein lichtstarkes Objektiv. Die Brennweite ist tatsächlich erst einmal nebensächlich. Bei kürzeren Brennweiten bis 50mm kannst du aber längere Belichtungszeiten nutzen – allerdings ist der Komet NEOWISE dann deutlich kleiner auf dem Foto. Am besten nutzt man kurze Telebrennweiten ab 85mm um Kometen zu fotografieren. Bis ca. 200mm kann man einen Komet noch sinnvoll ohne Nachführung fotografieren.

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Ein Foto vom Komet 46/P Wirtanen, das ich mit einem 135mm f/2.0 Teleobjektiv im Dezember 2018 aufgenommen habe. Dieser Komet war deutlich (!) lichtschwächer als NEOWISE.

Man kann natürlich auch längere Tele-Brennweiten nutzen, um Kometen zu fotografieren und deutlich größer abzubilden – beispielsweise ein 300mm Tele-Zoomobjektiv wie das Tamron 70-300mm* . Allerdings verkürzt sich die Belichtungszeit bei einem langen Teleobjektiv sehr schnell und du musst das ISO hochdrehen.

Dadurch wird dein Kometen-Foto leider schnell rauschen. Aber: nimm‘ lieber ein verrauschtes Foto, als gar keines 🙂

Anleitung & Einstellungen: Komet fotografieren

Komet fotografieren - NEOWISE
Komet fotografieren: Hier habe ich den Komet Neowise kurz nach Sonnenuntergang fotografiert. Objektiv: Sigma Art 50mm* (8 Sekunden für die Landschaft) und 135mm (20 Sekunden Belichtungszeit für den Komet – gestackt) an einer Canon EOS 6D

Die folgende Anleitung zeigt dir, mit welchen Kamera-Einstellungen du den Komet NEOWISE fotografieren kannst:

  • Die Sonne sollte untergegangen und der Himmel wolkenfrei sein
  • Kamera auf den Bereich ausrichten, in dem sich der Komet befindet
  • Automatikmodus ausstellen und in den manuellen Modus gehen
  • Fokus manuell auf unendlich stellen (10-fach Vergrößerung und sehr hohes ISO hilft beim fokussieren, ggf. einen hellen Stern als Fokussierhilfe nehmen)
  • Für das Foto vom Kometen empfehle ich dann einen ISO Wert um die 800 bis 6400 – je nach Lichtstärke des Objektivs
  • größtmögliche Blende einstellen (zum Beispiel 1.8 beim 50mm)
  • Belichtungszeit von 25 bis 2 Sekunden – längere Brennweiten benötigen kürzere Belichtungszeiten (einfach den Rechner unten nutzen)
  • Funkauslöser, Spiegelvorauslösung oder Timer helfen, Vibrationen beim Auslösen zu vermeiden
  • Foto vom Komet machen, zur Kontrolle einzoomen, Fokus prüfen und ggf. ISO bzw. Belichtungszeit anpassen
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Komet fotografieren: So sieht ein Foto vom Komet Neowise aus, das mit einer günstigen, mechanischen Nachführung (Omegon Minitrack*) gemacht wurde, um die Erdrotation auszugleichen. Das Foto vom Kometen hat eine Gesamtbelichtungszeit von 3 Minuten. Canon 135mm 2.0 L USM*, ISO 800, Blende 2.0 an einer Canon EOS R

Tipp: Fotografiere den Komet Neowise am Besten im RAW Format, denn dann kann man in der Nachbearbeitung noch mehr aus den Fotos herausholen. Das ist aber keine Pflicht 🙂

Extratipp: Auch mit einem guten Smartphone kann man den Komet Neowise fotografieren (Achtung – nicht aus der freien Hand!) – das geht aber nur mit hochwertigen Smartphones, die eine manuelle Belichtung und lange Belichtungszeiten ermöglichen.

Mit dem Huawei Mate 20 Pro konnte ich zum Beispiel ganz unkompliziert ein Foto von Komet Neowise machen. Wenn du kein Stativ für dein Smartphone* hast, nimmst du einfach deine Smartphonehalterung aus dem Auto und klebst sie mit Panzertape beispielsweise an einen Stuhl. Fertig ist dein selbstgebasteltes Smartphonestativ und du kannst den Komet fotografieren.

Komet fotografieren: maximale Belichtungszeit ausrechnen

Du kannst in diesem Formular die maximale Belichtungszeit für das Fotografieren eines Kometen ausrechnen:

Nun wünsche ich dir viel Spaß dabei, dein erstes Foto von einem Kometen zu machen! Ich hoffe, dass mein Beitrag für dich hilfreich war und du jetzt weißt, wie du den Komet fotografieren kannst. Lass´ mir doch einen Kommentar da, und erzähle mir, ob du den Komet fotografieren konntest. Hat alles geklappt? Gab es Schwierigkeiten? – Ich antworte bestimmt 🙂

Übrigens findest du hier mein großes Tutorial zum Thema Milchstraße und Sterne fotografieren. Und wenn du Lust hast, gemeinsam mit anderen Interessierten den Sternenhimmel zu fotografieren, dann ist vielleicht mein Foto-Workshop Sterne und Milchstraße fotografieren etwas für dich!

Galerie – Komet Neowise fotografieren: Hier kannst du dir alle meine Fotos vom Komet aus dem Beitrag noch einmal in kompletter Größe anschauen:

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6 Kommentare zu Komet fotografieren: wie man Neowise und andere Kometen fotografiert

  1. Marit Juli 22, 2020 at 5:19 am

    Hallo Stephan, vielen Dank für den Artikel!

    Ich wollte nun letzte Nacht auch den Kometen mit meiner Canon EOS 750D fotografieren. Es ist fast schon traurig, dass ich trotz meiner Vorliebe vor Landschaften und Städte noch kein Geld in ein lichzstarkes Weitwinkelobjektiv investiert habe…
    Aber gut, ich habs dennoch mit einem Standart-Objektiv (18-55mm) probiert. Die blende ging höchstens bis f4 auf, also 30 Sekunden belichten, um überhaupt was zusehen. War schon nervig, das fokussieren fiel mir auch absolut schwer. Vor allem als ich versuchte, nur den Kometen scharf zu bekommen, wurde es einfach nur blurry und ich hab probiert und probiert – vergebens 🙁 hast du für solches fokussieren einen Tipp?

    Meine Bilder sind trotzdem ok geworden, aber leider haben sie einen totalen Orange-Stich, wahrscheinlich von der Sonne? Es war round-about 0 Uhr, als ich fotografierte…

    Zu deinem tollen Kometen-Bild eine Frage: Was meinst du mit „gestackt“?

    Danke für eine Antwort!
    Viele Grüße aus dem Erzgebirge
    Marit

    1. Maxim (Stephan Forstmann) Juli 22, 2020 at 6:05 am

      Hallo Marit,

      ich kann das Fokus-Problem mit dem Kit-Objektiv durchaus nachvollziehen, da es keine Fokusskala gibt, die beim fokussieren hilft. Das korrekte fokussieren ist auch mit Abstand da Schwierigste.

      Bei sehr weitwinkligen Objektiven musst du immer im Live-View mit der 10fach Vergrößerung arbeiten und manuell fokussieren. Am Besten stellst du dafür dein ISO so hoch es geht und stellst die Belichtungszeit möglichst lang ein. Suche dir dann einen sehr hellen Stern. Das wird dir beim Fokussieren helfen. Dann musst du einfach nach und nach ganz vorsichtig mit kleinen Schritten am Fokusring drehen. Richtig fokussiert heißt: Der Stern ist so klein abgebildet, wie es nur geht.

      Das Fokussieren ist einfach nur Übungssache und man wird von mal zu mal besser! Versuche es – sofern das Wetter stimmt – heute einfach nochmal 🙂

      Zum Orange-Stich: Das ist nur ein falscher Weißabgleich. Der ist wahrscheinlich auf automatisch gestellt und liegt einfach ein paar tausend Kelvin daneben 🙂

      Das kann man in der Nachbearbeitung schnell ändern, wenn man den Weißabgleich etwas kühler zieht.

      Zum Stacken:
      Grob gesagt, ist das eine Technik, bei der man aus sehr vielen Einzelbildern, mit Hilfe von bestimmter Software ein Summenbild macht.

      Aus 20 Einzelaufnahmen mit 2 Sekunden Belichtungszeit wird dann ein Foto mit 40 Sekunden Belichtungszeit.

  2. Nicola Del Franco Juli 23, 2020 at 12:08 pm

    Vielen Dank für die Tips, werde es heute nochmals versuchen.

  3. Walter Reichelt August 15, 2020 at 1:25 pm

    Super Beitrag, besten Dank! Leider erst jetzt gefunden und nicht schon am 13.8.20.
    Nun bietet Rollei Astro-Klar-Filter an.
    Was ist davon zu halten? Sind doch ca. 70€ inkl.Versand für den 100mm Rechteeckfilter.
    Über einen Tipp würde ich mich freuen .
    PS: Machte bisher hauptsächlich Hochzeiten und Firmenevents deshalb habe ich auf diesem Gebiet keinerlei Erfahrung.
    Canon R & 17mm/4,0(Tonika), EF 50/1,4, EF 70-200/4,0 L IS, EF 100/2,8 Makro L IS …
    * Eigenartig, behauptet meine Webseite ist ungültig http://www.happydays-photoservice.de was natürlich nicht stimmt.

    1. Maxim (Stephan Forstmann) August 17, 2020 at 2:15 pm

      Hallo Walter,

      mit Filtern habe ich leider keine Erfahrungen.
      Aber ich denke, dass ich da wohl demnächst Mal einen solchen Filter testen muss.

      Wenn wirklich die größten Anteile der Lichtverschmutzung gefiltert werden, dann wäre das einen lohnenswerte Investition.

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