Teleobjektiv
Ein Teleobjektiv ist ein Objektiv mit einer Brennweite, die deutlich länger ist als die Diagonale des Sensors. Es hat einen engen Bildwinkel und bildet weit entfernte Motive groß ab. An einer Vollformatkamera spricht man ungefähr ab 70 mm von einem Teleobjektiv. Eingesetzt wird es in der Tier-, Sport- und Porträtfotografie, aber auch für Landschaften, wenn ein Ausschnitt aus der Ferne herausgegriffen werden soll.
Das erwartet dich im Beitrag
Einteilung nach Brennweite
Die Grenzen sind nicht fest definiert. Bezogen auf Vollformat ist diese Einteilung üblich:
| Bereich | Brennweite (Vollformat) | Typische Motive |
|---|---|---|
| Kurzes Tele | ca. 70 bis 135 mm | Porträts, Details, Veranstaltungen |
| Mittleres Tele | ca. 135 bis 300 mm | Sport, Hochzeiten, Landschaftsausschnitte |
| Langes Tele / Supertele | über 300 mm | Vögel, Wildtiere, Stadionsport, Mond |
An Kameras mit kleinerem Sensor wirkt dieselbe Brennweite durch den Cropfaktor länger. Ein 200-mm-Objektiv zeigt an einer Micro-Four-Thirds-Kamera den Ausschnitt eines 400-mm-Objektivs an Vollformat.
Bauweise
Im engeren optischen Sinn bezeichnet „Tele“ eine Konstruktion, bei der das Objektiv kürzer ist als seine Brennweite. Ein vorderes Sammelglied und ein hinteres Zerstreuungsglied machen das möglich. Ohne diesen Trick wäre ein 600-mm-Objektiv rund 60 Zentimeter lang. Weitere Bauarten, um Länge und Gewicht zu sparen, sind:
- Spiegelobjektive: sehr kompakt, mit fester Blende und ringförmigem Bokeh
- Diffraktive Elemente: bei Canon als DO, bei Nikon als PF (Phase Fresnel) bezeichnet, deutlich kürzer und leichter
- Lichtschwächere Konstruktionen: etwa das Canon RF 800 mm f/11 mit fester Blende, das durch die geringe Lichtstärke klein und günstig bleibt

Bildwirkung
- Enger Bildausschnitt: Unwichtiges bleibt außen vor.
- Geringe Schärfentiefe: Motive lassen sich gut vom Hintergrund lösen.
- Verdichteter Raum: Hintereinanderliegende Objekte wirken näher zusammengerückt. Dieser Effekt entsteht genau genommen durch den großen Aufnahmeabstand, den ein Teleobjektiv nötig macht, nicht durch die Brennweite selbst.
- Schmeichelnde Proportionen: Bei Porträts verzerren Nase und Gesicht nicht, weil der Abstand zur Person größer ist.
Herausforderungen
Lange Brennweiten vergrößern jede Bewegung der Kamera. Als grobe Faustregel für scharfe Bilder aus der Hand gilt eine Belichtungszeit von 1 geteilt durch die Brennweite, an Kameras mit kleinerem Sensor zusätzlich multipliziert mit dem Cropfaktor. Bildstabilisatoren erlauben deutlich längere Zeiten. Bei großen Distanzen können außerdem Dunst und Hitzeflimmern die Schärfe verringern. Lichtstarke Supertele-Objektive sind groß, schwer und teuer.
Verwandte Begriffe
- Telezoom
- Telekonverter
- Brennweite
- Bildwinkel
- Normalobjektiv
- Weitwinkelobjektiv
- Bildstabilisator
Fazit
Ein Teleobjektiv hat eine lange Brennweite und einen engen Bildwinkel. Es holt entfernte Motive nah heran, stellt sie gut frei und lässt Bildebenen dichter zusammenrücken. Dafür braucht es kurze Belichtungszeiten oder einen Stabilisator.
« Zum Fotografie LexikonDer Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
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