Mondfinsternis fotografieren: Einstellungen für den Blutmond

Mondfinsternis fotografieren: die richtigen Einstellungen für helle Phasen und den Blutmond in der Totalität, Teleobjektiv, Fokus, Stativ und Termin-Planung.

Mondfinsternis fotografiert mit 300mm

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Fotograf & Fachinformatiker · Rheinhessen

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Eine Mondfinsternis zu fotografieren ist eines der dankbarsten Himmelsereignisse überhaupt – vorausgesetzt, du kennst den einen entscheidenden Unterschied zum normalen Vollmond. Während der Vollmond eine konstante, helle Lichtquelle ist, wird der Mond in der Totalität um ein Vielfaches dunkler und färbt sich kupferrot: der berühmte Blutmond. Genau dieser Helligkeitseinbruch macht die Belichtung knifflig – und genau dafür bekommst du hier zwei klare Rezepte. Mein Beitragsbild oben habe ich selbst mit 300 mm aufgenommen und die folgenden Einstellungen stammen aus der Praxis mit langen Telebrennweiten.

Warum eine Mondfinsternis fotografieren anders funktioniert als Vollmond

Mondfinsternis fotografieren: Einstellungen für den Blutmond 1
In Photoshop kombinierte Aufnahme der Mondfinsternis vom September, bei der ich mehrere Belichtungen übereinander gelegt habe

Den vollen, hellen Mond belichtest du wie eine kleine, sonnenbeschienene Landschaft: kurze Zeiten, niedriger ISO. Sobald der Erdschatten den Mond aber verschluckt, bricht die Helligkeit um mehrere Blendenstufen ein. Was eben noch bei 1/250 Sekunde korrekt belichtet war, braucht in der Totalität plötzlich eine Sekunde oder länger. Wer das nicht einplant, steht mit einem weißen Fleck oder einem schwarzen Bild da.

Die Lösung ist, von Anfang an mit zwei getrennten Belichtungs-Szenarien zu rechnen und während der Finsternis laufend nachzuziehen. Wenn du die allgemeine Mondfotografie schon beherrschst, ist das der logische nächste Schritt – nur dynamischer.

Damit du direkt die richtigen Kameraeinstellungen für ein Foto einer totalen Mondfinsternis hast, nutzt du am besten meinen Belichtungszeitrechner:

Die richtige Ausrüstung: Teleobjektiv ab 300 mm

Mondfinsternis fotografieren: Einstellungen für den Blutmond 2

Willst du den Mond formatfüllend einfangen, brauchst du Brennweite. Als Minimum gelten rund 200 mm an APS-C, besser sind 300 bis 600 mm (Kleinbild-äquivalent). Ein APS-C-Gehäuse hilft hier übrigens doppelt: Der Crop-Faktor verlängert deine Brennweite effektiv. Mehr Brennweite heißt größerer Mond – aber auch, dass die Erdrotation schneller sichtbar wird (dazu später mehr). Dazu kommt, dass die Luftverwirbelungen in der Atmosphäre bei langen Brennweiten deutlich stärker sichtbar sind. Dadurch wird dein Mondfoto sehr schnell unscharf. Starte also am besten mit einer Brennweite zwischen 200 und 400mm.

Pflicht ist für ein gutes Foto vom Blutmond außerdem ein stabiles Stativ plus Fern- oder Selbstauslöser. Den Bildstabilisator schaltest du auf dem Stativ aus, sonst kann er gegen ein nicht vorhandenes Wackeln „arbeiten“. Für die weite Variante mit Landschaft reicht dagegen fast jedes Objektiv – dort ist der Mond nur ein kleiner, aber stimmungsvoller Punkt.

Den Termin planen: ohne App geht nichts

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Eine Mondfinsternis ist bis auf die Minute planbar – nutze das. Mit einer App wie Sky Tonight, Stellarium oder PhotoPills siehst du Datum, Uhrzeiten der einzelnen Phasen sowie die Höhe und Richtung des Mondes über dem Horizont. Das ist wichtig, denn steht der Mond tief, brauchst du freie Sicht Richtung Horizont und einen passenden Vordergrund.

Merk dir vor allem drei Zeitpunkte: Beginn der partiellen Phase, Beginn der Totalität und die Mitte der Finsternis. Damit du keine Finsternis verpasst, findest du hier die nächsten Termine:

  • 20./21. Februar 2027: Halbschatten-Mondfinsternis, kaum sichtbar
  • 12. Januar 2028: Partielle Mondfinsternis, nur ein kleiner Teil des Mondes verdeckt
  • 6. Juli 2028: Partielle Mondfinsternis am Abend
  • 31. Dezember 2028: Totale Mondfinsternis („Silvester-Blutmond“), besonders eindrucksvoll

Wichtig: Plane genug Vorlauf vor Ort ein, um Ausrüstung, Fokus und Ausschnitt in Ruhe einzurichten, bevor es mit der Mondfinsternis losgeht.

Fokus und Stativ: einmal scharfstellen, dann nicht mehr anfassen

Mond scharf abgebildet – manueller Fokus über Live-View

Stell früh scharf, solange der Mond noch hell ist: Im Live-View maximal in den Mondrand hineinzoomen und manuell fokussieren, bis die Kraterkante knackig steht. Danach schaltest du auf manuellen Fokus und fasst den Ring nicht mehr an oder kontrollierst regelmäßig, falls es große Temperaturschwankungen gibt. Einige Objektive verziehen sich minimal. Das ist dieselbe Sorgfalt wie beim Sterne fotografieren: einmal sauber scharfstellen zahlt sich die ganze Nacht aus.

Einstellungen 1: der helle Mond vor der Totalität

Heller Mond mit kurzer Belichtungszeit aufgenommen

Solange der Mond noch hell ist – also in den frühen partiellen Phasen – belichtest du ihn wie einen normalen Vollmond. Ein bewährter Startpunkt im Modus M:

Prüfe das Histogramm und die Überbelichtungswarnung: Der helle Rand darf nicht ausbrennen. Wenn Blende, Zeit und ISO für dich fremde Begriffe sind, empfehle ich dir einen Blick in meinen Beitrag zum Belichtungsdreieck.

Einstellungen 2: der Blutmond in der Totalität

Mondfinsternis fotografieren: Einstellungen für den Blutmond 4

Jetzt kommt der Teil, der die Mondfinsternis-Fotografie ausmacht. In der Totalität ist der Mond dramatisch dunkler – du musst deutlich mehr Licht sammeln. Ein typischer Ausgangspunkt:

  • ISO 800 bis 1600 (bei Bedarf höher)
  • Blende weit öffnen, etwa f/4 bis f/5.6
  • Belichtungszeit rund 1/4 s – ohne Nachführung nicht viel länger

Taste dich mit einer Belichtungsreihe an das beste Ergebnis heran, denn die Helligkeit ändert sich während der Totalität weiter. Höhere ISO bringt mehr Rauschen – das lässt sich in der Nachbearbeitung oder per KI-Entrauschung gut auffangen. Wichtiger ist, dass du die kupferrote Färbung überhaupt sauber einfängst.

Das Erdrotations-Problem: warum der Mond verwischt

Der Mond steht nicht still – beziehungsweise die Erde dreht sich unter ihm weg. Bei langen Brennweiten wird diese Bewegung in Sekundenbruchteilen sichtbar und der Mond verwischt. Deshalb ist in der Totalität eine zu lange Belichtungszeit riskant: Als grobe Faustregel solltest du mit Teleobjektiv ohne Nachführung bei etwa 1/4 Sekunde oder kürzer bleiben.

Willst du länger belichten, brauchst du eine Nachführung (eine motorisierte Montierung, die der Himmelsbewegung folgt). Alternativ hebst du einfach den ISO-Wert weiter an, um die Zeit kurz zu halten. Das Prinzip kennst du vom Berechnen der Belichtungszeit für die Milchstraße – nur dass der Mond im Tele noch empfindlicher reagiert.

Bildideen: Sequenz, Weitwinkel und Vorher-Nachher

Die formatfüllende Teleaufnahme ist nur eine Möglichkeit. Weitere Ideen, die mehr erzählen:

  • Phasen-Sequenz: alle 5 bis 10 Minuten eine Aufnahme aus identischer Position, später zu einer Reihe montiert – der Finsternisverlauf in einem Bild.
  • Weitwinkel mit Landschaft: der kleine Blutmond über einer markanten Silhouette, Skyline oder einem Berg.
  • Vorher-Nachher: heller Vollmond neben dem dunkelroten Mond – zeigt den Helligkeitsunterschied eindrucksvoll.

Ein fairer Hinweis: Montierst du mehrere Aufnahmen zu einer Sequenz oder einem Komposit, solltest du das transparent kennzeichnen. Für die weite Variante lohnt ein Blick in die Nachtfotografie-Grundlagen.

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Häufige Fehler bei der Mondfinsternis

  • Gleiche Einstellung über die ganze Finsternis: Der Helligkeitseinbruch zur Totalität zwingt dich zum Nachregeln. Zwei Rezepte bereithalten.
  • Zu lange Belichtung im Tele: Die Erdrotation verwischt den Mond. Kurz bleiben oder nachführen.
  • Autofokus im Dunkeln: findet keinen Halt. Früh manuell scharfstellen und fixieren.
  • Kein Stativ / Stabilisator an: beides kostet Schärfe bei langen Brennweiten.
  • Erst am Finsternisabend üben: Teste Ausrüstung und Ablauf vorher am normalen Vollmond.

Fazit: dein Ablauf für die nächste Mondfinsternis

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Eine Mondfinsternis fotografieren heißt vor allem: vorbereitet sein. Termin und Mondstand per App planen, Teleobjektiv ab 300 mm aufs Stativ, früh manuell scharfstellen und fixieren – und dann mit zwei Belichtungs-Rezepten arbeiten: kurze Zeit bei ISO 100 für den hellen Mond, deutlich mehr ISO und längere Zeit für den Blutmond in der Totalität. Belichtungsreihen und ein Blick aufs Histogramm fangen den Rest ab.

Übe am besten einmal am normalen Vollmond, damit Fokus und Handgriffe sitzen. Die Grundlagen dafür findest du in meiner Anleitung zum Mond fotografieren, und welche Kamera sich für solche Tele-Motive eignet, klärt die Kameraempfehlung.

Welche Einstellungen brauche ich, um eine Mondfinsternis zu fotografieren?

Plane zwei Szenarien im Modus M: Für den hellen Mond vor der Totalität etwa ISO 100, f/8 und 1/250 s. Für den Blutmond in der Totalität ISO 800 bis 1600, Blende offen (f/4 bis f/5.6) und rund 1/4 s. Fotografiere in RAW und arbeite mit Belichtungsreihen, da sich die Helligkeit laufend ändert.

Welches Objektiv und welche Brennweite eignen sich?

Für einen formatfüllenden Mond brauchst du mindestens rund 200 mm an APS-C, besser 300 bis 600 mm Kleinbild-äquivalent. Ein APS-C-Gehäuse verlängert die Brennweite durch den Crop-Faktor. Für weite Aufnahmen mit Landschaft reicht dagegen fast jedes Objektiv.

Braucht man für eine Mondfinsternis einen Filter?

Nein. Anders als bei einer Sonnenfinsternis ist eine Mondfinsternis völlig ungefährlich für Auge und Kamera, du brauchst keinen Spezialfilter. Du kannst direkt fotografieren.

Wie fotografiere ich den Blutmond in der Totalität?

Der Mond ist dann mehrere Blendenstufen dunkler. Erhöhe den ISO-Wert (800 bis 1600 oder mehr), öffne die Blende und verlängere die Belichtungszeit auf etwa 1/4 s. Länger solltest du mit Teleobjektiv ohne Nachführung nicht belichten, sonst verwischt der Mond durch die Erdrotation.

Kann man eine Mondfinsternis mit dem Smartphone fotografieren?

Für eine weite Szene mit Landschaft oder Skyline ja. Für einen formatfüllenden, detailreichen Mond ist ein Smartphone ungeeignet, weil der Digitalzoom keine echten Details liefert. Dafür brauchst du ein Teleobjektiv an einer Kamera.

Warum wird der Mond auf meinem Foto unscharf?

Meist durch die Erdrotation: Bei langer Brennweite verwischt der Mond schon bei Belichtungszeiten über etwa 1/4 s. Verkürze die Zeit und hebe stattdessen den ISO-Wert an, oder nutze eine nachführende Montierung. Prüfe außerdem den manuellen Fokus und schalte den Bildstabilisator auf dem Stativ aus.

Stephan Forstmann - Fotografie Experte

Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.

Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.

In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.

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