Belichtungszeit für die Milchstraße berechnen: Rechner, 500er- & NPF-Regel

Alles über die richtige Belichtungszeit in der Milchstraßenfotografie + Rechner und Planer

In diesem Tutorial zeige ich dir, wie du die maximale Belichtungszeit für die Milchstraße berechnest: schnell mit der 500er-Regel, genauer mit der 300er-Regel und am präzisesten mit der NPF-Regel. Damit du nicht rechnen musst, habe ich dir einen Belichtungszeitrechner eingebaut. Ich erkläre dir aber auch, was hinter den Zahlen steckt, denn nur so verstehst du, warum deine Kamera manchmal kürzer belichten muss, als die Faustregel sagt.

Kurz & knapp: So berechnest du die Belichtungszeit für die Milchstraße

  • Schnell (500er-Regel): 500 ÷ (Cropfaktor × Brennweite)
  • Sicherer (300er-Regel): 300 ÷ (Cropfaktor × Brennweite)
  • Genau (NPF-Regel, vereinfacht): (35 × Blende + 30 × Pixelabstand in µm) ÷ Brennweite
  • Richtwert: 20 mm an Vollformat ergibt je nach Kamera etwa 10–15 Sekunden für punktförmige Sterne
  • Faustregel: Je höher die Auflösung deiner Kamera, desto kürzer musst du belichten

Rechner: maximale Belichtungszeit für die Milchstraße

Gib einfach deine Brennweite, die Blende und dein Kameramodell bzw. den Pixelabstand ein. Der Rechner zeigt dir die Werte nach allen drei Regeln an. Mein Tipp: Nimm den NPF-Wert als Startpunkt, mach eine Probeaufnahme und kontrolliere sie in der 100-%-Ansicht.

Warum du die Belichtungszeit überhaupt begrenzen musst

Die Erde dreht sich einmal in knapp 24 Stunden um sich selbst. Für uns sieht es deshalb so aus, als ob der Sternenhimmel langsam über uns hinwegzieht. Das merkst du mit bloßem Auge nicht, deine Kamera aber sehr wohl. Belichtest du zu lange, wandert das Licht eines Sterns über mehrere Pixel deines Sensors und aus einem Punkt wird ein Strich.

Belichtungszeit für die Milchstraße berechnen: Rechner, 500er- & NPF-Regel 1

Bei der Milchstraße ist das besonders ärgerlich: Die feinen Strukturen und Dunkelwolken verwischen, das Band wirkt matschig und das Foto verliert genau die Details, für die du nachts rausgefahren bist. Gleichzeitig willst du aber so lange wie möglich belichten, weil jede Sekunde mehr Licht auf den Sensor bringt. Die richtige Belichtungszeit ist also immer ein Kompromiss zwischen so viel Licht wie möglich und so kurz wie nötig.

Wie schnell sich die Sterne über deinen Sensor bewegen, hängt von drei Dingen ab:

  1. Brennweite: Je länger die Brennweite, desto stärker wird die Bewegung vergrößert.
  2. Pixelgröße: Je kleiner die Pixel, desto früher „springt“ der Stern ins Nachbarpixel.
  3. Himmelsrichtung: Sterne am Himmelsäquator bewegen sich am schnellsten, rund um den Polarstern kaum.

Die 500er-Regel: schnell, aber ungenau

Die bekannteste Faustregel lautet:

Maximale Belichtungszeit = 500 ÷ (Cropfaktor × Brennweite)

  • Beispiel: Du fotografierst mit einem 20-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera. 500 ÷ 20 = 25 Sekunden.
  • An einer APS-C-Kamera von Canon (Cropfaktor 1,6) mit einem 16-mm-Objektiv sieht das so aus: 500 ÷ (1,6 × 16) = ca. 19,5 Sekunden.

Die 500er-Regel stammt noch aus der Zeit des Kleinbildfilms. Damals hat man Abzüge in Postkartengröße angeschaut und da fielen kleine Sternspuren nicht auf. Für dein Handy-Display oder Instagram reicht die 500er-Regel oft noch aus. Sobald du aber in die 100-%-Ansicht zoomst oder ein Poster drucken willst, siehst du mit modernen Kameras deutliche Striche. [Eigene Erfahrung ergänzen, z. B.: „Das habe ich bei meinen ersten Milchstraßenfotos mit der … selbst erlebt.“]

Die 300er-Regel: der sichere Kompromiss

Weil heutige Sensoren viel feiner auflösen als Film, nutzen viele Astrofotografen die strengere Variante:

Maximale Belichtungszeit = 300 ÷ (Cropfaktor × Brennweite)

  • Mit 20 mm an Vollformat sind das 300 ÷ 20 = 15 Sekunden.

Die 300er-Regel ist mein Tipp für unterwegs, wenn du ohne App oder Rechner schnell einen Wert brauchst. Sie liegt bei den meisten Kameras mit 20–30 Megapixeln schon recht nah an der Realität. Bei hochauflösenden Kameras mit 45 Megapixeln und mehr reicht aber auch sie nicht mehr ganz.

Die NPF-Regel: die genaueste Methode

Die NPF-Regel hat Frédéric Michaud von der Société Astronomique du Havre entwickelt. Sie ist die einzige der drei Regeln, die deine Kamera wirklich berücksichtigt. Der Name steht für ihre drei Zutaten:

  • N – die Blendenzahl
  • P – der Pixelabstand (Pixel Pitch) in Mikrometern
  • F – die Brennweite in Millimetern

Die vereinfachte Formel lautet:

Maximale Belichtungszeit = (35 × Blende + 30 × Pixelabstand in µm) ÷ Brennweite

  • Wichtig: Bei der NPF-Regel setzt du die echte Brennweite ein, ohne Cropfaktor. Die Sensorgröße steckt schon im Pixelabstand drin.

So berechnest du den Pixelabstand deiner Kamera

Den Pixelabstand findest du nicht immer im Datenblatt, du kannst ihn aber leicht selbst ausrechnen:

Pixelabstand (µm) = Sensorbreite in mm ÷ Pixel in der Breite × 1000

  • Beispiel Canon EOS R6 Mark II: 35,9 mm ÷ 6000 Pixel × 1000 = ca. 6,0 µm

Damit du nicht suchen musst, hier die gerundeten Werte für beliebte Kameras:

KameraSensorAuflösungPixelabstand (ca.)
Sony A7S IIIVollformat12 MP8,4 µm
Canon EOS R6Vollformat20 MP6,6 µm
Canon EOS R6 Mark IIVollformat24 MP6,0 µm
Nikon Z6IIIVollformat24 MP5,9 µm
Sony A7 IVVollformat33 MP5,1 µm
Canon EOS R5 (R5 Mark II)Vollformat45 MP4,4 µm
Nikon Z8 / Z9Vollformat45 MP4,3 µm
Sony A7R VVollformat61 MP3,8 µm
Sony A6700APS-C26 MP3,8 µm
Micro Four ThirdsMFT20 MP3,3 µm
Canon EOS R7APS-C32 MP3,2 µm
Fujifilm X-T5APS-C40 MP3,0 µm

Rechenbeispiele mit der NPF-Regel

  • Canon EOS R6 + 20 mm f/1.4: (35 × 1,4 + 30 × 6,6) ÷ 20 = (49 + 198) ÷ 20 ≈ 12 Sekunden
  • Sony A7R V + 20 mm f/1.4: (35 × 1,4 + 30 × 3,8) ÷ 20 = (49 + 114) ÷ 20 ≈ 8 Sekunden
  • Sony A6700 + Sigma 16 mm f/1.4 (APS-C): (35 × 1,4 + 30 × 3,8) ÷ 16 = (49 + 114) ÷ 16 ≈ 10 Sekunden

Zum Vergleich: Die 500er-Regel hätte dir beim letzten Beispiel 500 ÷ (1,5 × 16) ≈ 21 Sekunden erlaubt, also mehr als doppelt so lang. Genau deshalb wundern sich so viele Einsteiger über Sternspuren, obwohl sie sich „an die Regel gehalten“ haben.

Warum spielt bei NPF die Blende eine Rolle?

Das ist auf den ersten Blick verwirrend: Eine größere Blendenzahl (also kleinere Öffnung) erlaubt eine etwas längere Belichtungszeit. Der Grund: Abgeblendet wird ein Stern durch Beugung minimal größer abgebildet und eine leichte Bewegung fällt weniger auf. Praktisch hilft dir das aber kaum, denn für die Milchstraße willst du trotzdem so offenblendig wie möglich fotografieren. Ein paar Sekunden mehr Belichtung holen die verlorene Lichtmenge einer ganzen Blendenstufe nicht wieder rein.

500er vs. 300er vs. NPF: alle Werte im Vergleich

Damit du ein Gefühl für die Unterschiede bekommst, habe ich dir die Werte für eine typische 24-MP-Vollformatkamera (Pixelabstand ca. 5,9 µm) bei Blende f/2.0 zusammengestellt:

Brennweite500er-Regel300er-RegelNPF-Regel
14 mm36 s21 s18 s
16 mm31 s19 s15 s
20 mm25 s15 s12 s
24 mm21 s13 s10 s
35 mm14 s9 s7 s

Du siehst schön: Die 300er-Regel und NPF liegen bei 24-MP-Kameras recht nah beieinander. Die 500er-Regel liegt bei allen Brennweiten deutlich darüber.

Welche Regel solltest du nutzen?

Meine Empfehlung aus der Praxis:

  • Nur fürs Handy oder Social Media: Die 500er-Regel ist okay, du wirst die leichten Striche kaum sehen.
  • Für die meisten Milchstraßenfotos: Nimm die NPF-Regel oder meinen Rechner. Mit einer hochauflösenden Kamera ist das der einzige Weg zu wirklich punktförmigen Sternen.
  • Unterwegs ohne Handy: Die 300er-Regel im Kopf behalten, damit liegst du fast immer im sicheren Bereich.

Ich selbst fotografiere mit der Canon EOS R6 Mark II und dem RF 20mm 1.4 L VCM meist mit 60 Sekunden, weil ich eine Nachführung benutzte. Ohne Nachführung arbeite ich mit 15 Sekunden Belichtungszeit und bekomme damit noch sehr gute Ergebnisse.

Was die Formeln nicht verraten: Himmelsrichtung und Bildausgabe

Die vereinfachte NPF-Formel rechnet mit dem ungünstigsten Fall, nämlich mit Sternen direkt am Himmelsäquator. Dort bewegen sie sich am schnellsten. In der Praxis hast du deshalb etwas Puffer:

  • Richtung Polarstern (Norden): Die Sterne drehen sich nur in kleinen Kreisen, du kannst deutlich länger belichten.
  • Kern der Milchstraße (Süden): Das galaktische Zentrum liegt etwa 29° südlich des Himmelsäquators. Das bringt dir rund 10–15 % mehr Zeit, also nur einen kleinen Puffer.
  • Nach Osten oder Westen am Horizont: Hier sind die Sterne am schnellsten, bleib lieber etwas unter dem berechneten Wert.

Und dann ist da noch die Frage, wie du dein Foto später anschaust. Eine leichte Sternspur, die in der 100-%-Ansicht sichtbar ist, verschwindet bei einem Instagram-Post komplett. Für einen großen Druck an der Wand solltest du dagegen streng rechnen.

Schritt für Schritt: Belichtungszeit vor Ort ermitteln

  1. Wert berechnen: Nutze den Rechner oben oder die NPF-Formel für deine Kamera-Objektiv-Kombination.
  2. Kamera einstellen: Manueller Modus, Offenblende, ISO 1600–6400, manueller Fokus auf einen hellen Stern.
  3. Probeaufnahme machen: Belichte mit dem berechneten Wert.
  4. In die 100-%-Ansicht zoomen: Kontrolliere die Sterne im mittleren Bildbereich, nicht in den Ecken. Dort verfälschen Koma und Vignettierung das Ergebnis und Sterne sehen auch ohne Bewegung verzogen aus.
  5. Nachjustieren: Sind die Sterne leicht oval? Dann eine bis drei Sekunden kürzer. Sind sie perfekt rund, kannst du vorsichtig eine Sekunde länger testen.

Mein Tipp: Notiere dir für jede deiner Kamera-Objektiv-Kombinationen den Wert, der für dich funktioniert. Ein kleiner Zettel in der Kameratasche oder eine Notiz im Handy spart dir nachts im Dunkeln viel Zeit.

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Die berechnete Zeit reicht nicht? Das kannst du tun

Gerade bei hochauflösenden Kameras kommst du mit NPF schnell auf 8 oder 10 Sekunden. Das ist wenig Licht für die Milchstraße. Du hast aber mehrere Möglichkeiten:

  • ISO erhöhen: Lieber ein etwas verrauschtes Foto als ein zu dunkles. Rauschen kannst du reduzieren, fehlendes Licht nicht zurückholen.
  • Lichtstärkeres Objektiv: Ein f/1.4 statt f/2.8 bringt dir die vierfache Lichtmenge. Die passenden Modelle findest du in meinem Beitrag zu den besten Objektiven für die Milchstraße.
  • Kürzere Brennweite: Ein 14-mm-Objektiv erlaubt deutlich längere Zeiten als 24 mm.
  • Stacking: Mach 10 bis 20 Aufnahmen mit der kurzen Belichtungszeit und kombiniere sie per Software. Wie das geht, zeige ich dir in meiner Sequator-Anleitung.
  • Astro-Nachführung: Sie gleicht die Erdrotation aus und du kannst minutenlang belichten. Ich nutze selbst oft die Star Adventurer Montierung* oder die Omegon LX Mini Track*.

Häufige Fragen zur Belichtungszeit bei der Milchstraße

Wie lange sollte ich die Milchstraße belichten?

Mit einem Weitwinkelobjektiv zwischen 14 und 24 mm an Vollformat liegst du meist bei 8 bis 20 Sekunden. Den genauen Wert für deine Kamera berechnest du am besten mit der NPF-Regel oder meinem Rechner.

Warum habe ich Sternspuren, obwohl ich die 500er-Regel genutzt habe?

Die 500er-Regel stammt aus der Analogzeit und berücksichtigt die feinen Pixel moderner Sensoren nicht. Bei Kameras ab etwa 24 Megapixeln siehst du in der 100-%-Ansicht fast immer leichte Striche. Nutze die 300er- oder die NPF-Regel.

Muss ich bei APS-C den Cropfaktor einrechnen?

Bei der 500er- und 300er-Regel ja. Bei der NPF-Regel nicht, dort setzt du die echte Brennweite ein, weil der Pixelabstand die Sensorgröße schon berücksichtigt.

Wo finde ich den Pixelabstand meiner Kamera?

Teile die Sensorbreite in Millimetern durch die Anzahl der Pixel in der Breite und multipliziere mit 1000. Die Werte für viele beliebte Kameras findest du in meiner Tabelle weiter oben.

Gilt die Berechnung auch für Smartphones?

Die Physik ist dieselbe, aber Smartphones rechnen im Nachtmodus mehrere kurze Aufnahmen intern zusammen. Die Regeln lassen sich deshalb nur im Pro- oder RAW-Modus sinnvoll anwenden.

Kann ich mit einer Nachführung länger belichten?

Ja. Eine gut eingenordete Astro-Nachführung gleicht die Erdrotation aus, sodass du mit Weitwinkelobjektiven mehrere Minuten belichten kannst. Der Vordergrund verwischt dabei allerdings, daher fotografierst du ihn separat ohne Nachführung.

Spielt die Blende bei der Belichtungszeit eine Rolle?

Für Sternspuren nur ein kleines bisschen, deshalb taucht sie in der NPF-Regel auf. Für die Lichtmenge dagegen enorm: Fotografiere die Milchstraße immer so offenblendig wie möglich.

Fazit: Rechnen lohnt sich

Die 500er-Regel ist ein netter Einstieg, mehr aber auch nicht. Wenn du punktförmige Sterne und eine detailreiche Milchstraße willst, führt mit modernen Kameras kein Weg an der NPF-Regel vorbei. Nutze den Rechner, mach eine Probeaufnahme und kontrolliere sie in der 100-%-Ansicht. Nach ein, zwei Nächten kennst du den Wert für deine Ausrüstung auswendig.

Alles Weitere zu Kameraeinstellungen, Fokus, Planung und Bearbeitung findest du in meinem großen Tutorial Milchstraße fotografieren: Anleitung, Einstellungen & Tipps. Und wenn du lieber direkt mit mir unter dem Sternenhimmel stehen willst: In meinem Fotokurs Milchstraßenfotografie üben wir das gemeinsam.

Welche Belichtungszeit nutzt du mit deiner Kamera? Schreib es mir in die Kommentare!

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Fotografiere mit mir gemeinsam den Sternenhimmel. Du lernst alles Schritt für Schritt. Dabei gehe ich auf deine individuellen Fragen und Bedürfnisse ein, helfe dir bei Problemen oder gebe Hilfestellung.

Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Stephan Forstmann - Fotografie Experte

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.

Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen und Veranstaltungen zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen und erstelle Tutorials, in denen ich meine Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.

In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.

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