Einstieg in die Landschaftsfotografie – Anfängerkurs

Landschaft 14mm

Im heutigen Tutorial möchte ich die Grundlagen der Landschaftsfotografie etwas genauer vorstellen und insbesondere Einsteigern näher bringen.

Wenn du also planst, dich in der Landschaftsfotografie zu versuchen, dann ist dieser Beitrag genau richtig für dich.

Bevor wir mit den Basics anfangen, möchte ich mich erstmal den Grundvorraussetzungen für die Landschaftsfotografie widmen. Konkret geht es dabei erst einmal um das Kamera-Equipment.

Bitte beachte, dass ich hier keine extreme Profiausrüstung empfehlen werde. Mir geht es in diesem Beitrag eher darum, den Einstieg zu erleichtern.

Einstieg in die Landschaftsfotografie – nötiges Equipment

Kameras für die Landschaftsfotografie

Der wohl wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist, wer hätte es gedacht, die Kamera.
Ich gehe erst einmal davon aus, dass du bereits eine Kamera besitzt. Falls nicht, kommt die gute Nachricht zuerst: Das Kameramodell und die Marke ist eigentlich völlig egal.

Wichtig ist, dass du die Kamera gut bedienen kannst und sie schlüssig für dich ist und Wechselobjektive zulässt. In meinem Tutorial zum Einstieg in die Fotografie, empfehle ich bereits einige Kameras. Falls du also noch eine gute Kamera brauchst, kannst du dort gerne einmal nachschauen.

Ebenfalls egal ist erst einmal die Sensorgröße. Die meisten Einsteiger werden sicher mit einem Sensor in APS-C oder Micro-Four-Thirds-Größe einsteigen, aber es gibt inzwischen auch Vollformatkameras schon relativ günstig (Insbesondere bei Sony).

Gute Einsteigerkameras für die Landschaftsfotografie

Kamera Landschaftsfotografie
Vorab: wer sich heute eine digitale Kamera kauft, sollte sich meiner Meinung nach für ein spiegeloses Modell entscheiden. Spiegelose Kameras bieten erhebliche Vorteile: Sie sind leichter, das Fokussieren ist durch Dinge wie Focus Peaking wesentlich einfacher und man sieht direkt schon im Sucher, wie das Foto aussehen wird.  

Vollformat:

Sony A7R(II)& Sony A7 
Canon 5D Mark II (gebraucht erhältlich)
Canon 6D (gebraucht erhältlich)

APS-C:

Canon 750D
Sony Alpha 6000

FUJI XT 1

Ansonsten nehmen wir in unserem Tutorial hier an, dass wir uns eine gebrauchte Canon 5D Mark II für rund 450€ gekauft haben, mit der wir nun arbeiten werden. Falls du dich jetzt fragst, warum ausgerechnet eine Canon 5D Mark II – nun die Bildqualität und die Verfügbarkeit zum guten Preis auf dem Gebrauchtmarkt ist so ziemlich unschlagbar!
Eine Kamera für die Landschaftsfotografie sollte folgendes können:

  • ISO 100 oder ISO 50
  • Liveview-Fähigkeit
  • Lupe im Liveview
  • Evtl. Spritzwasser- und Staubschutz
  • Elektronische Wasserwage
  • Gitternetz im Liveview

Stabiles Stativ

Unser zweitwichtigstes Ausrüstungsteil: Neben einer guten Kamera empfehle ich immer ein ordentliches Stativ. Wir werden sehr sehr selten direkt aus der Hand fotografieren und arbeiten in der Landschaftsfotografie fast immer mit einem Stativ. Welches Stativ es wird, überlasse ich ganz dir.

Achte beim Stativkauf aber auf Folgendes:

  • Maximalbelastung überschreitet nicht das Gesamtgewicht von Kamera und Objektiv
  • Stabiler Stand
  • Stativkopf einfach einstellbar
  • Kamera kann schnell und sicher befestigt werden
  • Neigbare Gummifüße
  • Leicht und transportabel

Gute Stative kosten leider viel Geld, dass wissen auch Astrofotografen. Jedoch bietet ein hochwertiges Stativ erhebliche Vorteile. Neben besonders hoher Stabilität, ist hier erstmal das bessere Handling ein großer Pluspunkt. Das geringere Gewicht und eine weitaus bessere Haltbarkeit sollten aber auch erwähnt werden.

Besonders empfehlenswert sind Kugelkopfstative mit Pistolengriff, da diese sich präziser ausrichten lassen, als „normale“ Stativköpfe.

Klar tut es am Anfang auch ein Stativ für 15€. Jedoch werdet ihr nicht lange Freude daran haben, denn erstens lassen sich solche Stative nur schwer auf das Motiv ausrichten und zweitens gehen Billigstative schnell kaputt. Ich habe schon zwei Billigstative erfolgreich auf Fototouren zerstört 😊

Objektive für die Landschaftsfotografie

Samyang 14mm 2.8
Samyang AF 2,8/14 mm EF für Canon
Ebenfalls einer der wichtigsten Punkte beim Equipment ist das Objektiv.

Mit unterschiedlichen Brennweiten lassen sich unterschiedliche Looks erzielen. In der Regel wird es in der Landschaftsfotografie aber fast immer ein Weitwinkelobjektiv bis 35mm sein, dass du nutzen wirst. Aber auch mit Teleobjektiven lassen sich wundervolle Landschaftsbilder kreieren. Doch dazu später mehr.

Für den Einstieg sind besonders weitwinklige Festbrennweiten mit manuellem Fokus dank exzellentem Preis-Leistungsverhältnis ideal:

Festbrennweiten für die Landschaftsfotografie

Vollformat:

Samyang 14mm 2.8 manueller Fokus

Samyang 14mm 2.8 mit Autofokus
Sigma Art 20mm 1.4
Samyang 24mm 2.8 für Sony
Sigma Art 35mm 1.4

APS-C:
Samyang 16mm 2.0
Canon 24mm EF-S

18-55mm Kitobjektiv

Zoomobjektive für die Landschaftsfotografie

Zoomobjektive bieten mehr Flexibilität, haben aber oft Unschärfen in den Bildrändern.

Vollformat

Weitwinklige Zoomobjektive sidn sehr teuer, daher bleibt die Liste bei Vollformat-Kameras leer 🙂

APS-C
Canon 10-18mm
Tamron 17-50 2.8

Nützliches Zubehör

Ich empfehle noch einen Fernauslöser und einen Blasebalg anzuschaffen.

Am Anfang würde ich auch die Finger von Filtern lassen. Diese sind sehr teuer und machen den Einstieg nicht gerade einfacher. Ist man etwas geübter, kommt man aber um Filter nicht herum, da sich damit noch spektakulärere Fotos machen lassen. Ein Tipp am Rande: Finger weg von billigen Filtern. Filter für 15€ sind rausgeworfenes Geld, da hier oft Farben so extrem verfälscht werden, dass jedes Bild einen grün- oder Blaustich hat, der jenseits aller Zumutungen ist.

Spart lieber etwas und holt euch einen hochwertigen ND- oder Polflter. Der ganze Billigschrott taugt nichts!

Die richtige Location finden

Eines der drei wichtigsten Elemente der Landschaftsfotografie ist die richtige Location. Denn mit der Landschaft, die du fotografieren willst steht oder fällt dein Foto.

Was macht eine interessante Landschaft aus? Nun das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn das liegt im Auge des Betrachters. Folgende Tipps kann ich aber geben: Achte bei der Suche nach einer Location besonders auf Linien, Symmetrie, besondere Farben, interessante, einzigartige Merkmale, Gegensätze, Spiegelungen oder episches Wetter.

Licht

Eines der wichtigsten Grundpfeiler ist das richtige Licht. Fotos von Landschaften, die zur Mittagszeit gemacht werden, sehen in den seltensten Fällen spannend oder schön aus.
Die Morgen- und Abenddämmerung, blaue Stunde oder ein Wetterwechsel bietet das wohl spannendste Licht für dein Landschaftsmotiv.

Es lohnt sich, spezielle Tageszeiten zum Fotografieren zu nutzen. Die meisten Landschaftsfotografen sind tatsächlich Frühaufsteher oder übernachten direkt vor Ort um Fotos von den ersten Sonnenstrahlen zu machen. Das lohnt sich, glaubt mir!

Besonderes Licht: Vollmond
Besonderes Licht, der Vollmond leuchtet hier alles gleichmäßig aus und erzeugt eine mystische Stimmung

Die richtigen Profis, die mit der Landschaftsfotografie ihren Lebensunterhalt verdienen, planen ein Bild über Monate hinweg und nutzen Tools wie „The Photographers Ephemeris“ um genau das Licht zu bekommen, dass sie in ihrem Foto haben möchten.

 

Einstellungen Landschaftsfotografie

Nein, hier werdet ihr keine magische Formel finden, die euch immer eine korrekte Belichtung gibt – mal ganz davon abgesehen, dass es die “korrekte Belichtung” gar nicht gibt.

Ich empfehle, viel mit dem Liveview zu arbeiten. Problematischer wird es mit dem Liveview aber erst bei Langzeitbelichtungen, da ihr hier schon etwas Kopfrechnen müsst, um die Belichtungszeit zu ermitteln.

ISO

Wählt euer ISO so niedrig wie möglich. Sony und Nikon sind hier im Vorteil, da Canon erst bei ISO 100 startet, während Nikon beipielsweise ISO 64 anbietet.

Ein niedriger ISO-Wert gibt euch zweifelsohne die beste Bildqualität, da hier die vom Sensor eingefangenen Photonen nicht verstärkt werden und somit kein Bildrauschen in euer Motiv hinzukommt.

Blende

In der Landschaftsfotografie arbeiten wir in der Regel mit einer kleinen Blende – das heißt das der Blendenwert groß ist. (Ein großer Wert ist beispielsweise f/11). Die kleine Blende garantiert eine besonders große Tiefenschärfe, sprich es ist sehr viel im Bild scharf. Zudembildet jedes Objektiv abgeblendet schärfer ab, als mit Offenblende.

Jedoch sollte man bedenken, dass bei einer sehr stark geschlossenen Blende (f/16 und f/22 beispielsweise) Beugungsunschärfen auftreten. Hierbei wird das Licht an den Blendenlammelen gebeugt und verursacht dadurch Unschärfen.

Belichtungszeiten

Eure Belichtungszeiten richten sich nach Blende, Menge des Lichteinfalls und dem gewünschten Motiv. Hier müsst ihr euch einfach ausprobieren.

Gestaltungsregeln der Landschaftsfotografie

Unser Gehirn hat in vielen Millionen Jahren gelernt, Bilder in einer enormen Geschwindigkeit zu verarbeiten, Inhalte zu erkennen und zu bewerten. Das passiert in Bruchteilen einer Sekunde.

Dabei arbeitet unser Gehirn viel mit Bilderfahrungen, sprich es greift auf zu erwartende Situationen zurück: Es erwartet zum Beispiel, dass tagsüber Licht von einer Lichtquelle (Sonne) kommt, dass es einen Horizont gibt, oder das Dinge von oben und nicht von unten angeleuchtet werden.

Dieses Wissen kann man ausnutzen, um dem Gehirn über gewisse Gestaltungsregeln ein harmonisch wirkendes Bild zu präsentieren, oder genau das Gegenteil zu erzeugen, in dem man beispielsweise mit düster wirkenden Landschaften im Gehirn Angst triggert.

Horizont gerade ausrichten

Herbstlandschaft hier in den Weinbergen
Herbstlandschaft hier in den Weinbergen – der Horizont ist gerade ausgerichtet.

Achte gleich beim Fotografieren darauf, dass die Horizontlinie möglichst gerade ist. Ein wegkippender Horizont ist nicht nur unrealistisch und unharmonisch, sondern verwirrt auch das Gehirn des Betrachters. Warum das so ist? Nun, unser Gehirn erwartet einen geraden Horizont, da die Horizontlinie im Alltag auch immer gerade ist – selbst wenn wir unseren Kopf neigen oder einen Handstand machen (Echt verblüffend, wie unser Gehirn das macht, oder?).

Selbstverständlich kann man auch in der Nachbearbeitung einen schiefen Horizont gerade ausrichten, allerdings wird das Foto dadurch beschnitten und verliert die Bildwirkung.

Horizont nicht mittig setzen

Der wohl häufigste Fehler – besonders oft gesehen bei Urlaubsschnappschüssen am Strand. Ein mittig platzierter Horizont macht ein Bild sehr schnell langweilig. Besser ist es, wenn man die Horizontlinie im unteren oder oberen Drittel hat.

Aber: Bei Spiegelungen ist es jedoch wiederum sehr sinnvoll den Horizont mittig zu platzieren, da hier ein Maximum an Symmetrie herausgeholt werden kann. Und unser Gehirn liebt Symmetrie!

Horizontlinie im goldenen Schnitt anordnen

Wie vorher erwähnt eignet sich diese Regel besonders gut, um ein Bild interessanter zu gestalten. Diese Regel wird in eigentlich in so ziemlich jeder Filmproduktion umgesetzt. Achte mal beim nächsten Kinobesuch oder beim Netflixen auf der Couch darauf, wie beispielsweise in Szenen am Strand der Hintergrund und der Horizont angeordnet sind.

Horizont am äußeren unteren oder oberen Rand platzieren

Horizontlinie sehr weit unten platziert
Horizontlinie sehr weit unten platziert

Noch extremer wird es, wenn man den Horizont noch weiter nach oben oder unten versetzt.
Sind am Himmel interessante Wolkenformationen oder Farbverläufe zu sehen, kann man den Horizont entsprechend nach unten schieben, um dem Bild mehr Wirkung zu geben. Befinden sich im Vordergrund interessante Details und der Himmel ist eher langweilig, so kann man den Horizont weiter nach oben schieben.

Vordergrund macht Bild gesund

Vordergrund macht das Foto interessanter
Die Steine im Vordergrund machen das Foto interessanter

Diese Regel ist eine der wichtigsten in der Landschaftsfotografie. Sorge dafür, dass dein Bild einen Vorder- einen Mittel- und einen Hintergrund hat.
Idealerweise suchst du dir für den Vordergrund ein interessantes Objekt, einen großen Stein, ein Blatt oder eine Pflanze. Dadurch bekommt der Betrachter das Gefühl der Räumlichkeit und kann das Foto besser und intuitiver „lesen“. Zudem hilft ein interessanter Vordergrund dabei, den Blick zu führen.

Blickführung durch Wege und Linien

Landschaft 14mm
Der Trampelpfad führt den Blick in Richtung Horizont.

Straßen, Pfade und Wege, Bergmassive – alles besteht im Grunde aus Linien. Linien können wir ideal dazu nutzen, den Blick durch das Bild zu führen. Haben wir eine Straße im Bild, die in Richtung Horizont verläuft, so folgen wir automatisch der Straße mit unseren Augen. Das ist eine Möglichkeit, den Betrachter eines Fotos in das Foto „hineinzuziehen“ und sein Auge zu lenken. Je besser wir das in einem Foto schaffen, desto interessanter wirkt das Foto letztendlich.

POI in den goldenen Schnitt setzen

Hat eure Landschaft ein herausragendes Subjekt, so setzt es doch einmal in den goldenen Schnitt. Dadurch wird das Subjekt noch interessanter und kann ein Foto noch spannender machen. Das kann beispielsweise ein alter Baum, oder ein Fels sein.

Dramatik durch Bewegungsunschärfe erzeugen

Bewegungsunschärfe lässt sich leicht durch lange Belichtungszeiten realisieren. Besonders zur blauen Stunde sind je nach Blende Belichtungszeiten von einer Minute locker ohne Filter machbar.

Dadurch kann man beispielsweise vorüberziehende Wolken verwaschen und dem Himmel eine besondere Dramatik geben. Auch im Wind wehende Baumkronen werden durch Bewegungsunschärfe die Dramatik im Bild verstärken.

Auch mal Hochkant fotografieren

Das Samyang 14mm 2.8 AF für CanonLandschaften werden sehr oft im Querformat fotografiert. Ab und an lohnt es sich jedoch, eine Landschaft hochkant zu fotografieren, da diese dadurch noch interessanter wirken kann. Das Format würde ich jedoch immer dem Motiv anpassen.

Lernaufgaben für deinen Einstieg in die Landschaftsfotografie

Landschaftsfotografie kann man lernen – und es hilft dabei, so viele Fotos wie möglich zu betrachten, zu analysieren und auch selbst zu schießen. Der eigene, fotografische Blick wird dadurch geschult und möglicherweise entwickelt man sogar ein Gespür für gute Motive.

Für den Anfang habe ich ein paar Aufgaben, die man nutzen kann, um den Einstieg in die Landschaftsfotografie zu wagen:

  • Fotografiere die schönsten Landschaften in der Umgebung (10 Kilometer) deines Wohnortes
  • Fotografiere die Landschaften aus 1. zu unterschiedlichen Tageszeiten
  • Fotografiere die Landschaften aus 1. in allen vier Jahreszeiten
  • Erstelle fünf Landschaftsfotos mit einer Spiegelung / mit Symmetrie
  • Fotografiere fünf Landschaften aus einer ungewöhnlichen Perspektive
  • Fotografiere fünf Landschaften in Schwarz-Weiss
  • Erstelle Landschaftsfotografien für einen eigenen Kalender

Tutorial für Unterwegs als PDF herunterladen

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