Zeitraffer
Zeitraffer ist ein Verfahren, bei dem Vorgänge schneller wiedergegeben werden, als sie in Wirklichkeit ablaufen. Dafür werden Einzelbilder in größeren Abständen aufgenommen und anschließend mit normaler Bildrate als Film abgespielt. Was Stunden oder Tage dauert, läuft dann in Sekunden ab. Im Englischen heißt die Technik Timelapse. Wie du einen Zeitraffer praktisch aufnimmst, mit Intervallen, Einstellungen und Ausrüstung, erkläre ich ausführlich im Lexikoneintrag Timelapse. Hier geht es um das Prinzip, die Abgrenzung zu verwandten Techniken und die Einsatzgebiete.
Das erwartet dich im Beitrag
Das Prinzip
Der Raffungsfaktor ergibt sich aus dem Verhältnis von Aufnahmeintervall und Wiedergabe. Wird alle 10 Sekunden ein Bild aufgenommen und das Video mit 25 Bildern pro Sekunde abgespielt, läuft die Zeit 250-mal schneller ab. Eine Stunde schrumpft so auf knapp 15 Sekunden. Je größer das Intervall, desto stärker die Raffung.
Abgrenzung zu ähnlichen Techniken
| Technik | Prinzip | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zeitraffer | wenige Bilder über lange Zeit | beschleunigte Bewegung |
| Zeitlupe | sehr viele Bilder pro Sekunde, normal abgespielt | verlangsamte Bewegung |
| Hyperlapse | Zeitraffer, bei dem sich die Kamera zwischen den Bildern ein Stück fortbewegt | beschleunigte Kamerafahrt |
| Langzeitbelichtung | ein einziges Bild mit langer Belichtung | Bewegung als Wischer in einem Foto |
Gerade der Unterschied zur Langzeitbelichtung wird oft verwechselt. Bei der Langzeitbelichtung entsteht ein Foto, beim Zeitraffer ein Film aus vielen Fotos. Beide lassen sich allerdings kombinieren, etwa wenn jedes Einzelbild eines Zeitraffers mit einer Sekunde Belichtung aufgenommen wird, damit Bewegungen weich verwischen.
Geschichte
Zeitraffer wurde schon in der Frühzeit des Films eingesetzt. Der britische Naturfilmer Percy Smith zeigte 1910 in „The Birth of a Flower“ das Aufblühen von Pflanzen im Zeitraffer. Die Technik wurde bald zum festen Werkzeug in Wissenschafts- und Naturfilmen. Mit Digitalkameras, eingebauten Intervallauslösern und Smartphones ist sie heute für jeden zugänglich.
Einsatzgebiete
- Natur: ziehende Wolken, Sonnenauf- und -untergänge, Sterne, Gezeiten
- Wissenschaft: Pflanzenwachstum, Zellteilung, Wetterbeobachtung
- Bauwesen: Dokumentation von Baustellen über Monate
- Städte: Verkehr, Menschenströme, Lichterwechsel in der Nacht
- Veranstaltungen: Aufbau einer Bühne oder einer Hochzeitsdekoration
Zeitraffer in der Kamera
Viele Kameras und Smartphones haben einen eigenen Zeitraffermodus, der direkt eine Videodatei erzeugt. Das ist bequem, lässt aber wenig Spielraum für die Nachbearbeitung. Wer Einzelbilder im RAW-Format aufnimmt, kann Belichtung und Farben später anpassen und das Video in höherer Auflösung zusammensetzen.
Verwandte Begriffe
- Timelapse
- Stativ
- ND-Filter
- Astrofotografie
- Verschlusszeit
Fazit
Zeitraffer macht langsame Vorgänge sichtbar, indem Einzelbilder in großen Abständen aufgenommen und als Film abgespielt werden. Er ist das Gegenstück zur Zeitlupe und darf nicht mit der Langzeitbelichtung verwechselt werden, bei der ein einzelnes Foto entsteht.
« Zum Fotografie LexikonDer Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
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