Anfängerfehler in der Fotografie und wie du daraus lernst

Als Fotograf habe ich in den Jahren meiner Tätigkeit viele Anfängerfehler gemacht und auch in meinen Anfängerkursen immer die gleichen Fehler beobachtet. Daher möchte ich im heutigen Beitrag über die typischen Anfängerfehler in der Fotografie reden.

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Hier geht es nicht darum, einfach Fehler aufzulisten, sondern ich möchte dir zeigen, dass Fehler nicht nur Teil des Lernprozesses in der Fotografie sind, sondern auch dazu beitragen können, dass wir uns als Fotografen weiterentwickeln und verbessern. In diesem Beitrag möchte ich jedoch einige der häufigsten Anfängerfehler in der Fotografie besprechen, die Anfänger in der Fotografie machen und ich hoffe, dass du ein paar wertvolle Erkenntnisse für dich mitnimmst.

Die häufigsten Fehler

Uns allen ging es mal so, das wir mit der Fotografie angefangen und Fehler gemacht haben. Die häufigsten sind diese hier:

Fehlende Bildgestaltung

Der wohl häufigste Fehler bei Fotografie-Anfängern ist, dass sie sich nicht genügend Gedanken über die Bildkomposition machen und einfach drauf los fotografieren.

Daher empfehle ich immer, sich mit den fotografischen Kompositionsregeln auseinanderzusetzen und dadurch seine Bildkompositionen stark zu verbessern.

Eine „schlechte“ Komposition ist meist der Grund dafür, dass wichtige Elemente im Bild nicht zur Geltung kommen oder das Bild insgesamt unharmonisch wirkt, weil zu viel abgebildet ist. Du solltest dich daher unbedingt mit den Grundlagen der Bildgestaltung vertraut machen.

Tipps zur Bildgestaltung

Um in der Bildgestaltung besser zu werden, solltest du als erstes verstehen, was damit gemeint ist:

Die Bildgestaltung ist ein zentraler Aspekt in der Fotografie und umfasst alle Techniken und Prinzipien, die dazu beitragen, ein ansprechendes und ausdrucksstarkes Bild zu schaffen. Die Grundlagen der Bildgestaltung sollte jeder Fotograf kennen und ganz gezielt anwenden.

  1. Bildausschnitt: Der Bildausschnitt legt fest, welche Teile des Motivs auf dem Bild zu sehen sind und wie groß das Motiv dargestellt wird. Ein guter Bildausschnitt wird das Interesse des Betrachters wecken und das Motiv effektiv in Szene setzen. Eine wichtige Regel ist beispielsweise alles was die Kernaussage des Fotos nicht unterstützt, wegzulassen. Weniger ist hier mehr.
  2. Komposition: Die Komposition bezieht sich auf die Anordnung der verschiedenen Elemente im Bild. Eine gute Komposition kann die Stimmung und Wirkung des Bildes verstärken und dem Betrachter ein harmonisches Gesamtbild bieten. Hierzu gehört beispielsweise die Verwendung von Linien, Flächen und Farben, um eine ausgewogene Bildstruktur zu schaffen.
  3. Perspektive: Die Perspektive beschreibt die Position des Fotografen in Bezug auf das Motiv. Unterschiedliche Perspektiven werden immer eine andere Wirkung auf das Bild haben und es spannender, interessanter, oder auch langweilig machen. Zum Beispiel kann eine tiefe Kameraposition die Größe des Motivs betonen und es mächtiger erscheinen lassen.
  4. Licht: Gutes Licht wird die Wirkung eines Bildes verstärken und ihm Tiefe und Struktur verleihen. Gutes und schlechtes Licht zu „sehen“ ist etwas, das man lernen kann – aber es dauert.
  5. Goldener Schnitt: Der Goldene Schnitt ist eine Regel, die oft bei der Bildgestaltung eingesetzt wird. Dabei wird das Bild in Drittel unterteilt und wichtige Elemente des Motivs auf den Schnittpunkten platziert. Diese Regel hilft dabei, das Bild harmonisch und ausgewogen zu gestalten.

Generell solltest du ein oder zweimal deine Fotos anschauen und kuratieren. Nimm dir Zeit dafür und betrachte deine Fotos genau – ganz besonders im Hinblick auf die Bildkomposition. Was ist gut, was gefällt dir nicht, was hättest du anders machen können? Mit diesen Fragen und einem bewussten Blick auf deine Arbeit wirst du schnell besser werden und die selben Fehler nicht mehr machen.

Planlos in Shootings gehen

Viele Anfänger gehen ohne ausreichende Vorbereitung in ein Fotoshooting, oder haben sogar gar keine Idee, was sie fotografieren wollen und fotografieren dann wild drauf los. Die Wahrscheinlichkeit, dann gute Fotos zu kache, fällt dadurch eher gering aus. Du machst dir das Leben also deutlich leichter, wenn du dich gründlich auf ein Shooting vorbereitest, indem du den Shootingspot erkundest und vor allem einen Plan im Kopf hat, was du fotografieren möchtest.

Tipp: Erstelle dir für jedes Shooting ein Moodboard. Egal ob Landschaftsfotografie oder Familienfotos. Mache dir vorab immer Gedanken um Motiv, bei Portraits zusätzlich um die Kommunikation mit dem Model. Am besten kaufst du dir dafür ein Notizbuch und schreibst Motivideen und Projekte einmal auf. Das ist übrigens sehr gut, um später einen Blick auf deine Entwicklung als Fotograf zu bekommen und deinen Fortschritt zu nicht nur auf Fotos zu sehen.

Verwendung des falschen Kameramodus

Ein häufiger Fehler bei Anfängern ist, dass sie den falschen Kameramodus verwenden. Jeder Modus hat seine eigenen Vor- und Nachteile und sollte je nach der jeweiligen Situation ausgewählt werden. Hast du konstante Lichtverhältnisse, dann kannst du beispielsweise komplett manuell fotografieren und hast die totale Kontrolle über dein Foto und dadurch Fotos, die den gleichen Look haben. Meide die komplette Automatik und nimm stattdessen Halbautomatik-Programme (A oder AV bzw. T oder TV). Mit diesen Modi hast du deutlich mehr Kontrolle über deine Kamera.

Falsche Verschlusszeiten

Sehe ich leider auch recht häufig. Viele Kursteilnehmer arbeiten mit zu langen Verschlusszeiten und verursachen dadurch Bewegungsunschärfen, die nicht nötig sind. Die Regel, „nimm die Brennweite als maximale Verschlusszeit“ (also bei 50mm 1/50 und bei 100 mm 1/100), ist nicht mehr zeitgemäß. Das liegt daran, da die Auflösung der digitalen Kameras inzwischen so stark gestiegen ist, dass die „alten“ Eselsbrücken nicht mehr ganz stimmen.

Ich empfehle unbedingt mindestens das doppelte oder gar dreifache an Verschlusszeiten zu nutzen. Also bei 50 mm mindestens 1/100 – besser 1/150 Sekunde. Mein Tipp an dich: Lieber ein verrauschtes Bild, als ein verwackeltes.

Falsche Belichtung

Im Grunde ist dieser Fehler schnell zu korrigieren und wenn du mit einer DSLM arbeitest, wirst du keine unter- oder überbelichteten Fotos mehr haben, da du ja im Sucher siehst, wie das Bild letztendlich belichtet ist. Aber fakt ist: Eine falsche Belichtung kann das Foto schnell ruinieren. Entweder gehen wichtige Details in den Tiefen verloren oder zu helle Bereiche brennen aus.

Als Fotograf solltest du daher einen Blick aus das Histogram legen und versuchen eine ausgewogene Aufnahme zu erstellen. Arbeitest du mit einer DSLR, dann schaue immer auf die Belichtungswaage und lies die Anleitung der Kamera! Dort wird dir ganz genau erklärt, warum du manchmal zu helle oder zu dunkle Fotos hast – Tipp: Es hat mit der Art der Belichtungsmessung zu tun.

Bei modernen Systemkameras siehst du im Sucher immer, wie die Belichtung deines Fotos sein wird, was dir die Sache deutlich erleichtert, daher mein Tipp: Benutze eine Systemkamera mit Belichtungssimulation.

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Links eine DSLR, rechts eine DSLM

Du kennst deine Kamera nicht gut genug

Ein weiterer häufiger Fehler ist es, dich nicht ausreichend mit der eigenen Kamera auseinander zu setzen. Auch wenn es schwer fällt: schau dir das dicke Handbuch zur Kamera an.

Lade es dir am besten als PDF auf dein Smartphone und blättere immer dann im Handbuch, wenn du gerade nichts zu tun hast, auf den Bus wartest oder sonst nur sinnlos auf dem Smartphone surfst.

Beschäftige dich außerdem mit Kameratechnik – du wirst in der Fotografie nicht weit kommen, wenn du dich mit der Technik dahinter nicht auseinander setzt. Du solltest auch lernen, wie das Belichtungsdreieck funktioniert. Lerne auch die Blendenwerte und die Grundlagen der Fotografie.

Unzureichende Schärfe / Probleme mit dem Autofokus

Ein typischer Fehler ist eine unzureichende Schärfe im Bild. Das bedeutet, dass du verstehen musst, wie Unschärfe entsteht und wie du gegensteuern kannst. Beispielsweise solltest du lernen, die Kamera richtig zu halten – nicht wie viele Influencer mit einer Hand vom Körper weg, sondern mit beiden Händen und stabilem Stand und Blick durch den Sucher. Auch wenn es Bildstabilisatoren gibt – sie sind kein Allheilmittel und Ausrede für absichtlich schlechtes Kamerahandling.

Dann solltest du dich auch mit den unterschiedlichen Autofokus-Modi auseinandersetzen. Es gibt nämlich viele unterschiedliche Modi, die sich für verschiedene Szenarien eignen. Für Sportfotografie musst du beispielsweise einen kontinuierlichen Autofokus nutzen, da sich dein Motiv weiterbewegt. Bei statischen Motiven, wie der Landschaftsfotografie, benötigst du so etwas nicht.

Daher nochmal der Tipp: Dein Kamerahandbuch ist Gold wert!

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RTFM -„read the f*cking manual“ – Das steht in so einigen Fotografie-Foren und das solltest du auch tun!

Fehlende Nachbearbeitung

Viele Anfänger vernachlässigen die Entwicklung und Nachbearbeitung ihrer Bilder oder fotografieren ausschließlich JPG. Die Nachbearbeitung ist jedoch ein wichtiger Teil des Fotografieprozesses, der dazu beitragen kann, das Bild zu verbessern und zu perfektionieren. Denn in der Bildbearbeitung setzt du dich auch noch einmal mit der Komposition auseinander.

Die grundlegenden Nachbearbeitungstechniken können helfen, leichte Fehler zu korrigieren, die Belichtung zu optimieren, den Bildbeschnitt zu ändern und das Bild in seiner Gesamtheit zu verbessern.

Fotografiere unbedingt in RAW. Dadurch erhältst du deutlich mehr Details als mit JPG Dateien und die Zeit mit der Entwicklung der RAWs lohnt sich immer.

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Bildbearbeitung und -entwicklung und -gehören zur Fotografie dazu.

Übertriebene Bildbearbeitung

Ein weiterer Fehler ist die Verwendung von zu vielen Effekten oder Filtern. Achte darauf, die Effekte gezielt einzusetzen und bei der Bearbeitung nicht zu übertreiben.

Nicht fotografieren gehen

Ein weitere Fehler, den Anfänger machen, ist nur Youtube Videos zu schauen oder über die Fotografie zu lesen, aber zu selten zu fotografieren. Unser Gehirn lernt durch Wiederholungen. Je mehr du fotografierst, desto besser wirst du, desto leichter wird es und desto mehr Freude wirst du an deinem Hobby haben.

Daher nimm deine Kamera ab heute überall hin mit und fotografiere viel!

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Egal ob DSLR, DSLM oder analog: Nimm deine Kamera überall hin mit und mache Fotos!

Nur auf die Ausrüstung schauen

Leider sehe ich das sehr oft, dass gerade Anfänger und fortgeschrittene Fotografen immer die beste Kameratechnik haben wollen. Du brauchst aber nie die teuerste und neueste Technik um gute Fotos zu machen. Hast du zu viele Objektive und befasst dich nur mit dem Kauf oder dem Wünschen nach mehr Equipment, dann gehst du die Fotografie leider falsch an. Dieses Phänomen nennt man GAS – Gear Acquisition Syndrome – und viele Einsteiger versuchen durch den Kauf von teurem Equipment besser zu werden. Das funktioniert aber nicht – denn Fotografie ist Handwerk was gelernt werden muss. Beschränke dich doch einmal auf eine einfache Kamera mit einem Objektiv und fotografiere damit.

Investiere dein Geld lieber in gute Fotobücher oder Fotokurse!

Hausaufgabe für dich: Licht sehen Üben

Als Fotograf kannst du durch verschiedene Übungen lernen, Licht zu lesen und zu verstehen, wie es das Bild beeinflusst. Hier sind einige Übungen, die du ausprobieren kannst:

  1. Beobachte das Licht: Nimm dir Zeit, um das Licht in deiner Umgebung zu beobachten und zu analysieren. Achte darauf, wie es fällt und welche Schatten es erzeugt. Versuche, verschiedene Arten von Licht zu identifizieren und zu verstehen, wie sie ein Motiv beeinflussen.
  2. Experimentiere mit verschiedenen Belichtungseinstellungen: Nutze die verschiedenen Einstellungen deiner Kamera, um das Licht zu kontrollieren. Verändere die Belichtungszeit und die Blende und beobachte, wie sich da Bild verändert.
  3. Beobachte das Licht in Filmen und Fotos: Analysiere Filme und Fotos und versuche, das Licht zu lesen und zu verstehen. Achte darauf, wie das Licht das Motiv beeinflusst und welche Atmosphäre es erzeugt.
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Lerne, Licht zu lesen!

Du kannst dir folgende Fragen stellen, um herauszufinden, ob das vorhandene, natürliche Licht für dein Motiv geeignet ist:

  1. Woher kommt das Licht? Ist es direktes Sonnenlicht, das hart und kontrastreich ist, oder diffuses Licht, das weich und gleichmäßig ist?
  2. Welche Farbtemperatur hat das Licht? Ist es warm oder kalt? Wie wirkt es auf die Farben im Motiv?
  3. Wie stark ist das Licht? Ist es hell genug, um das Motiv ausreichend zu beleuchten oder ist es zu dunkel und erfordert zusätzliche Beleuchtung?
  4. Welche Schatten wirft das Licht? Sind die Schatten hart und kontrastreich oder weich und gleichmäßig? Wie beeinflussen sie das Motiv?
  5. Welche Atmosphäre erzeugt das Licht? Wirkt das Motiv durch das Licht eher dramatisch oder romantisch?

Ich hoffe dieser Beitrag war für dich hilfreich und du hast etwas mitgenommen.

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