Sucher
Der Sucher ist das Fenster einer Kamera, durch das der Fotograf das Motiv betrachtet, den Bildausschnitt festlegt und die Schärfe kontrolliert. Man hält ihn direkt ans Auge. Im Unterschied zum Display auf der Rückseite ist das Bild dadurch auch bei hellem Sonnenlicht gut zu erkennen, und die Kamera liegt am Kopf ruhiger in der Hand. Es gibt optische und elektronische Sucher sowie Mischformen.
Das erwartet dich im Beitrag
Sucherarten
Optischer Spiegelreflexsucher
In Spiegelreflexkameras lenkt ein Spiegel das Bild aus dem Objektiv über ein Pentaprisma oder einen Pentaspiegel ins Okular. Du siehst das Motiv direkt durch das Aufnahmeobjektiv, ohne Verzögerung. Belichtung und Weißabgleich zeigt dieser Sucher aber nicht an.
Elektronischer Sucher (EVF)
Spiegellose Systemkameras zeigen das Bild des Sensors auf einem kleinen Bildschirm im Sucher, meist einem OLED-Display. Belichtung, Weißabgleich, Bildstil und Schärfentiefe sind bereits vor der Aufnahme sichtbar. Zusätzlich lassen sich Hilfen wie Histogramm, Fokus-Peaking, Lupe oder Zebramuster einblenden. Die Auflösung wird in Bildpunkten angegeben. Gängige Werte liegen bei 2,36, 3,69 oder 5,76 Millionen, Spitzenmodelle wie die Sony Alpha 1 erreichen 9,44 Millionen.
Messsucher und Durchsichtsucher
Messsucherkameras wie die Leica M haben ein separates Sucherfenster neben dem Objektiv. Scharfgestellt wird, indem zwei Teilbilder im Sucher zur Deckung gebracht werden. Einfache Sucherkameras haben einen reinen Durchsichtsucher ohne Entfernungsmesser. Bei beiden kann es im Nahbereich zu Parallaxe kommen, weil Sucher und Objektiv das Motiv aus leicht unterschiedlichen Positionen sehen.
Hybridsucher
Einige Kameras, etwa die Fujifilm X100-Reihe, kombinieren einen optischen Durchsichtsucher mit eingeblendeten elektronischen Informationen und lassen sich auf einen rein elektronischen Sucher umschalten.

Optisch und elektronisch im Vergleich
| Merkmal | Optischer Sucher | Elektronischer Sucher |
|---|---|---|
| Verzögerung | keine | gering, bei guten Modellen kaum spürbar |
| Belichtungsvorschau | nein | ja |
| Stromverbrauch | keiner | ja |
| Bei wenig Licht | wird dunkel | wird aufgehellt, kann rauschen |
| Informationen | begrenzt | umfangreich einblendbar |
Wichtige Kenngrößen
- Bildfeldabdeckung: wie viel Prozent des späteren Bildes der Sucher zeigt. Elektronische Sucher zeigen immer 100 Prozent.
- Vergrößerung: wie groß das Sucherbild wirkt. Höhere Werte erleichtern das Beurteilen von Details.
- Augenabstand: wichtig für Brillenträger, die das ganze Bild überblicken möchten
- Dioptrienausgleich: passt den Sucher an die Sehstärke an
- Bildwiederholrate: beim EVF entscheidend für flüssige Darstellung bewegter Motive
Verwandte Begriffe
- Okular
- Augenmuschel
- Pentaprisma
- Mattscheibe
- Parallaxe
- Spiegelreflexkamera
- Systemkamera
- Zebrafunktion
Fazit
Der Sucher dient zum Betrachten und Gestalten des Motivs direkt am Auge. Optische Sucher zeigen das Motiv verzögerungsfrei, elektronische Sucher zeigen das fertige Bild samt Belichtung schon vor der Aufnahme. Bei der Wahl einer Kamera lohnt sich ein Blick auf Vergrößerung, Auflösung und Augenabstand.
« Zum Fotografie LexikonDer Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
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