Stereoskopie

Stereoskopie, im Englischen auch 3D Photography genannt, ist ein Verfahren, mit dem Fotos räumlich wirken. Dafür werden zwei Aufnahmen desselben Motivs aus leicht versetzten Positionen gemacht, ähnlich wie unsere beiden Augen die Welt aus zwei Blickwinkeln sehen. Betrachtet jedes Auge nur sein eigenes Bild, setzt das Gehirn die beiden Ansichten zu einem dreidimensionalen Eindruck zusammen.

Funktionsweise

Unsere Augen liegen etwa 6 bis 7 Zentimeter auseinander. Nahe Gegenstände erscheinen deshalb in beiden Augen an etwas unterschiedlichen Stellen, weit entfernte fast gleich. Aus diesem Unterschied, der Querdisparation, berechnet das Gehirn die Entfernung. Die Stereofotografie ahmt das nach: Zwei Objektive oder zwei Aufnahmen mit seitlichem Versatz liefern ein Bildpaar mit genau diesen Abweichungen.

Geschichte

Charles Wheatstone beschrieb das Prinzip 1838 und baute ein Spiegelstereoskop, noch bevor die Fotografie offiziell vorgestellt war. David Brewster entwickelte wenig später ein handliches Linsenstereoskop. In den 1850er-Jahren wurden Stereofotos ein Massenmedium. Stereokarten mit Reisezielen, Ereignissen und Alltagsszenen waren in vielen Haushalten zu finden. Im 20. Jahrhundert machten der View-Master und Stereokameras wie die Stereo Realist das Verfahren erneut populär.

Aufnahmemethoden

  • Stereokamera: zwei Objektive nebeneinander, beide Bilder entstehen gleichzeitig. Ein digitales Beispiel ist die Fujifilm FinePix Real 3D W1.
  • Zwei Kameras: nebeneinander montiert und synchron ausgelöst, gut für bewegte Motive.
  • Eine Kamera, zwei Aufnahmen: nach dem ersten Bild wird die Kamera seitlich verschoben, etwa mit einem Einstellschlitten. Das funktioniert nur bei unbewegten Motiven.
  • Strahlenteiler-Vorsatz: ein Spiegelvorsatz teilt das Bild eines Objektivs in zwei Halbbilder auf.

Der Abstand zwischen den beiden Aufnahmepositionen heißt Stereobasis. Für normale Motive entspricht er ungefähr dem Augenabstand. Bei Landschaften kann er größer, bei Makroaufnahmen muss er viel kleiner sein. Eine oft genannte Faustregel setzt die Stereobasis auf etwa 1/30 der Entfernung zum nächsten Objekt im Bild.

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Betrachtungsmethoden

MethodePrinzipHilfsmittel
Stereoskopjedes Auge sieht durch eine Linse sein BildBetrachter
AnaglyphenBilder in Rot und Cyan übereinander gedrucktRot-Cyan-Brille
PolarisationBilder mit unterschiedlich polarisiertem Licht projiziertPolfilterbrille, wie im 3D-Kino
Parallel- und KreuzblickBildpaar nebeneinander, Augen schielen gezieltkeine, braucht Übung
VR-Brillegetrennte Displays für jedes AugeHeadset

Typische Fehler

  • zu große Stereobasis, die Bilder lassen sich nicht mehr verschmelzen
  • Höhenversatz oder Verdrehung zwischen den Bildern
  • Motivbewegung zwischen zwei nacheinander gemachten Aufnahmen
  • unterschiedliche Belichtung oder Schärfe der beiden Teilbilder

Verwandte Begriffe

Fazit

Stereoskopie erzeugt räumliche Bilder aus zwei leicht versetzten Aufnahmen. Entscheidend sind eine passende Stereobasis und deckungsgleiche Teilbilder. Betrachtet werden die Bildpaare mit Stereoskop, Brille, VR-Headset oder geübtem Blick.

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Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Stephan Forstmann - Fotografie Experte

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.

Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.

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