In diesem Fototutorial lernst du das Fotografieren! Ich nehme dich an die Hand und gemeinsam schauen wir uns die Grundlagen der Fotografie ganz genau an. Damit dich die Fülle an Informationen nicht erschlägt, habe ich den Beitrag „Fotografieren lernen“ in mehrere Themenkomplexe unterteilt:
Das erwartet dich im Beitrag
Wie funktionieren ISO, Blende, Belichtungszeit? Wie verhält sich das Licht? Worauf musst du beim Kameraequipment achten und wie kannst du das fotografieren üben? Mein Ziel ist, dir die Grundlagen der Fotografie einfach und anschaulich zu erklären. Ich werde hier auch viele Tipps geben, die dir als Anfänger dabei helfen, dich als Fotograf (weiter) zu entwickeln. Los geht’s!
Fotografieren ist erst einmal gar nicht kompliziert: Du drückst auf den Auslöser und schon hast du dein Bild festgehalten! Mit modernen digitalen Kameras wie der Canon EOS R100* oder der Nikon Z 50* wird der Einstieg in die faszinierende Welt der Fotografie zum Kinderspiel. Je länger du dann dem Fotografieren nachgehst und richtig Fotografieren lernen möchtest, desto eher wirst du vielleicht erkennen, dass das ganze dann doch nicht so leicht ist und viel mehr möglich ist, als du anfangs dachtest.
Fotografieren lernen: technische Grundlagen
Im ersten Abschnitt geht es auf einfache und verständliche Weise um die grundlegenden Fotografie-Begriffe: Belichtung, ISO, Blende, Verschlusszeit, Schärfentiefe, Weißabgleich und Licht. Denn mit diesen Grundelementen arbeitet jeder Fotograf.
Sobald du verstanden hast, wie diese Parameter funktionieren und zusammenwirken, wirst du in der Lage sein, deine Fotos ganz gezielt umzusetzen. Lass uns zuerst die wichtigen Begriffe genauer betrachten.
Was ist eigentlich die Belichtung?
Ganz knapp gesagt: Die Belichtung bezieht sich auf die Menge an Licht, die auf in deiner Kamera landet – also den Kamerasensor erreicht. Die Belichtung bestimmt, ob ein Foto eher dunkel, hell oder ausgewogen ist.
Ist zu viel Licht in einem Foto, dann wird es sehr hell oder sogar komplett weiß und ist überbelichtet. Man sagt auch, dass das Foto „ausgebrannt ist“. Sammelst du zu wenig Licht, ist es zu dunkel und man spricht von einem unterbelichtetem Foto. In den meisten Fällen wollen wir Fotografen ein ausgewogenes Foto, ein „korrekt belichtetes“ Bild. Die folgenden Bilder zeigen dir das selbe Motiv einmal unterbelichtet, ausgewogen belichtet und überbelichtet.
Die Belichtung – also die Menge an Licht, die wir bei einem Foto sammeln, bestimmt man immer über drei Werte in der Fotografie, die du in der Kamera einstellen kannst. Zumindest, wenn du nicht in der Vollautomatik fotografierst. Diese drei Werte bezeichnet man auch als Belichtungsdreieck:
- ISO
- Verschlusszeit
- Blende
Durch gezieltes Einstellen dieser drei Werte kannst du die Lichtmenge erhöhen oder verringern und so ganz gezielt steuern.
Was ist ISO?
Ursprünglich definiert von der International Organization for Standardization (daher der Name ISO), gab der ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit eines Films an. In der heutigen digitalen Fotografie wird dasselbe Nummerierungssystem weiterhin verwendet, um die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors anzugeben.
Der ISO-Wert ist zusammen mit der Verschlusszeit und der Blendenöffnung eine der drei wesentlichen Einstellungen des Belichtungsdreiecks, die du beim Fotografieren anpassen kannst. Er bestimmt nicht nur die Lichtempfindlichkeit die Kamerasensors sondern hat auch einen starken Einfluss auf die Bildqualität und den Dynamikumfang deiner Bilder.
Denn niedrige ISO Werte haben immer eine bessere Farb- und Bildqualität, als hohe ISO Werte. Das liegt daran, dass der Sensor bei höheren Werten nicht wirklich „empfindlicher“ für Licht gemacht wird. Stattdessen werden die Signale einfach verstärkt. Leider verstärkt man damit auch Fehler und Störsignale, die dann die Bildqualität mindern.
In den meisten Fällen ist der kleinste ISO Wert bei den meisten Kameras 100. Das ist die Standardempfindlichkeit, die beispielsweise bei viel Licht tagsüber genutzt wird.
Den ISO Wert kann man in Drittelstufen erhöhen und nach drei Drittelstufen ist der Sensor dann doppelt so lichtempfindlich, wie vorher. Das Prinzip ist ganz einfach zu verstehen und zeige ich dir weiter unten genauer.
- Je niedriger die eingestellte ISO-Zahl ist, desto lichtunempfindlicher ist dein Kamerasensor und desto weniger Licht kann er aufnehmen. Bei niedrigen ISO Werten hast du die beste Bildqualität und das wenigste Rauschen.
- Je höher die eingestellte ISO-Zahl ist, desto lichtempfindlicher ist dein Kamerasensor und desto mehr Licht kann er aufnehmen. Bei hohen ISO Werten hast du schlechtere Bildqualität und mehr Rauschen.
Das ISO hoch einzustellen ist nützlich, wenn du Fotos in schwachen Lichtverhältnissen machen möchtest, aber es gibt auch einige Nachteile:
Zum einen wird ein höherer ISO-Wert zu Rauschen in deinen Fotos führen. Zum anderen kann es schwierig sein, die richtige Balance zwischen Schärfe, Farbwiedergabe und Rauschen zu finden, weil der Dynamikumfang ebenfalls reduziert wird.
Hier siehst du zwei Fotos, wovon ich eines mit geringem ISO – also ISO 100 und das andere mit hoher ISO (ISO 25600) fotografiert habe. Du siehst deutliche Unterschiede in der Bildqualität.
Mein Tipp an dich: Wenn du unsicher bist, welchen ISO-Wert du verwenden sollst, empfehle ich dir, immer mit einen niedrigen ISO-Wert zu starten und sich dann langsam nach oben zu arbeiten.
Das Prinzip der ISO-Werte ist ganz einfach: ISO 200 ist doppelt so empfindlich wie ISO 100. Bei ISO 800 ist der Sensor 8 mal lichtempfindlicher, als bei ISO 100. ISO 12800 sammelt 128 mal soviel Licht, wie ISO 100.
Gängige, ganze ISO Werte sind:
- 100
- 200
- 400
- 800
- 1600
- 3200
- 6400
- 12800
Hast du gesehen, dass ich bei den ISO Werten ein paar Zahlen fettgedruckt habe? Sie zeigen dir, um welchen Faktor sich die Lichtmenge im Vergleich zu ISO 100 verstärkt.
Was ist die Verschlusszeit (Belichtungszeit, Shutterspeed)?
Die Zeit, die das Licht auf den Sensor oder den analogen Film trifft, wird als Verschlusszeit, Belichtungszeit oder im Englischen als Shutterspeed bezeichnet.
Die Belichtungszeit ist einer der wichtigsten Faktoren, die die Qualität in deinen Fotos beeinflusst. Die richtige Belichtungszeit hängt von einigen Faktoren ab:
- Die gewünschte Helligkeit des Motivs
- und ob sich das Motiv bewegt
Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht kann auf den Sensor fallen und desto heller ist das Foto. Allerdings wird eine zu lange Belichtungszeit zu Unschärfen führen, insbesondere wenn das Motiv sich bewegt. Das bezeichnet man dann als Bewegungsunschärfe. Aber auch die Eigenbewegungen von dir, also während du fotografierst, kann bei langen Belichtungszeiten zu unscharfen Fotos führen. Das Bild ist dann „verwackelt“.
Das Prinzip der Verschlusszeit ist hierbei eigentlich ganz einfach zu verstehen:
- Die Verschlusszeiten werden der Einfachheit halber in Brüchen (Sekundenbruchteilen) dargestellt.
- Eine Belichtungszeit von 1/200 (also eine zweihundertstel Sekunde), bedeutet, dass 0,005 Sekunden lang Licht auf den Sensor fällt.
- Bei einer Belichtungszeit von 1/100, bekommt der Sensor doppelt so lange Licht ab, als bei 1/200. In diesem Fall 0,01 Sekunden.
- Bei einer Belichtungszeit von 1/400 sammeln wir nur die Hälfte an Licht, als bei 1/200 – also 0,0025 Sekunden.
Keine Angst: Du musst zum Fotografieren lernen nichts umrechnen oder einen Taschenrechner benutzen. Hat man das Prinzip verstanden, dann sind die richtigen Belichtungszeiten relativ einfach einzustellen.
Mit langen Belichtungszeiten kann man übrigens tolle Effekte erzielen und Bewegungen sichtbar machen, allerdings geht das nur, wenn die Kamera fest auf einem Stativ steht:
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen und Veranstaltungen zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen und erstelle Tutorials, in denen ich meine Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
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