Noch vor wenigen Jahren galt: Wer Polarlichter sehen will, muss nach Norwegen, Island oder Finnland reisen. Seit dem Sonnenmaximum der letzten Jahre leuchtet der Himmel aber auch über Deutschland immer wieder in Grün und Rot. Mehrmals standen Menschen von der Küste bis nach Bayern unter einer tanzenden Aurora. Die gute Nachricht für Fotografen: Die Kamera zeigt Polarlichter deutlich kräftiger, als das Auge sie wahrnimmt. Oft erscheint am Himmel nur ein blasser grauer Schimmer, und erst das Foto macht die Farben sichtbar. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du vorhersagst, wann sich der Blick nach Norden lohnt, welchen Standort du wählst und mit welchen Einstellungen du die Polarlichter einfängst.
Die Kurzfassung: Du brauchst ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, ein stabiles Stativ und eine Kamera, die bei hoher ISO wenig rauscht. Stelle manuell auf unendlich scharf, öffne die Blende weit, wähle ISO 1600 bis 6400 und eine Belichtungszeit zwischen 2 und 10 Sekunden. Fotografiere in RAW, suche dir einen dunklen Standort mit freier Sicht nach Norden und behalte die Aurora-Vorhersage über den KP-Index im Blick.
Das erwartet dich im Beitrag
Was Polarlichter sind und wann sie über Deutschland erscheinen
Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen der Sonne auf die Atmosphäre treffen. Diese Teilchen regen Sauerstoff- und Stickstoffatome an, die daraufhin leuchten. Sauerstoff erzeugt das typische Grün und in großer Höhe ein tiefes Rot, Stickstoff steuert Violett- und Pinktöne bei. Je stärker der Sonnenwind, desto weiter nach Süden wandert das Leuchten. Bei schwachen Ereignissen bleibt die Aurora am Polarkreis, bei starken geomagnetischen Stürmen reicht sie bis Mitteleuropa und in Einzelfällen bis zu den Alpen.
Für Deutschland gilt: Die besten Chancen bestehen rund um das Maximum des elfjährigen Sonnenzyklus. In dieser Phase häufen sich die starken Sonnenstürme, und sichtbare Polarlichter über Mitteleuropa treten mehrmals pro Jahr auf. Die Monate von September bis März sind am ergiebigsten, weil die Nächte lang und dunkel sind. Im Sommer bleibt es in Deutschland nachts nie richtig finster, deshalb gehen schwache Polarlichter in der Dämmerung unter.
Die Vorhersage: der KP-Index und die richtigen Apps
Ob sich eine Nacht lohnt, verrät dir der KP-Index. Er beschreibt die Stärke der geomagnetischen Aktivität auf einer Skala von 0 bis 9. Für sichtbare Polarlichter in Deutschland brauchst du hohe Werte. Je weiter südlich du wohnst, desto höher muss der KP-Index sein:
- KP 5: An der deutschen Nord- und Ostseeküste stehen die Chancen gut, tiefer im Land bleibt es schwierig.
- KP 6 bis 7: Polarlichter werden bis in die Mitte Deutschlands sichtbar, oft als Leuchten am Nordhorizont.
- KP 8 bis 9: Ein schwerer geomagnetischer Sturm. Jetzt leuchtet der Himmel auch über Süddeutschland, teils bis hoch über den Horizont.
Verlasse dich nicht allein auf den KP-Wert, sondern beobachte zusätzlich zwei Messwerte des Sonnenwinds: die Dichte und die Geschwindigkeit der Teilchen sowie die Richtung des interplanetaren Magnetfelds, den sogenannten Bz-Wert. Zeigt der Bz-Wert deutlich ins Negative, koppelt der Sonnenwind besonders effektiv an das Erdmagnetfeld, und die Aurora wird stark. Spezialisierte Apps und Webseiten bündeln diese Daten und schicken dir eine Warnung aufs Handy, sobald die Aktivität steigt. Richte dir eine solche Benachrichtigung ein, denn starke Ausbrüche kommen oft kurzfristig.
Der richtige Standort: dunkel und freie Sicht nach Norden
Polarlichter erscheinen über Deutschland am Nordhimmel. Du brauchst deshalb einen Platz mit freiem Blick in diese Richtung, ohne Berge, Wald oder Gebäude davor. Ein See, eine Küste oder ein weites Feld sind ideal, weil der Horizont offen liegt. Das Wasser bietet zusätzlich eine Spiegelung, die das Bild verstärkt.
Noch wichtiger ist die Dunkelheit. Das Streulicht der Städte überstrahlt schwache Polarlichter genauso wie die Milchstraße. Fahre aus der Stadt heraus, weg von Straßenlaternen, Industrie und beleuchteten Ortschaften. Je dunkler der Himmel, desto mehr Farbe und Struktur holst du aus der Nacht. Eine Lichtverschmutzungskarte hilft dir, dunkle Flecken in deiner Umgebung zu finden. Dieselben Orte, die sich für die Milchstraßenfotografie eignen, funktionieren auch für die Aurora.

Die richtige Ausrüstung für Polarlichter
Polarlichter stellen dieselben Anforderungen an die Ausrüstung wie die Astrofotografie. Drei Dinge sind entscheidend: ein lichtstarkes Weitwinkel, ein stabiles Stativ und eine Kamera mit gutem Rauschverhalten.
Das Objektiv trägt am meisten zum Ergebnis bei. Ein weiter Bildwinkel fängt den ganzen Vorhang der Aurora und den Vordergrund ein, eine hohe Lichtstärke sammelt in kurzer Zeit viel Licht. Brennweiten zwischen 14 und 24 Millimetern an Vollformat mit einer Anfangsblende von f/1.4 bis f/2.8 sind die beste Wahl. Das Canon RF 14mm f/1.4 L habe ich ausführlich getestet, es zeichnet bis in die Ecken sauber und zeigt kaum Koma. An spiegellosen Sony-Kameras erfüllt das Sigma 20mm f/1.4 Art dieselbe Aufgabe.
Das Canon RF 14mm F1.4L VCM ist eines der schärfsten Astro-Objektive, dass ich bisher nutzen durfte. Mit seiner enormen Abbildungsleistung eröffnet es neue kreative Möglichkeiten – besonders für die Astrofotografie.
- Extrem Scharf bis in die Ecken
- Sehr lichtstark
- Kaum Koma
- Klein und kompakt
- Lange Belichtungszeiten möglich
- Teuer
- Ultraweitwinkel-Festbrennweite
- Lichtstarke Blende f1.4
- Präziser, leiser Autofokus
- Blendenring, Steuerring und Funktionstaste
- Staub- und Spritzwasserschutz
- Kompakt und leicht (ca. 578 g)
Eines der Besten Objektive für die Milchstraßenfotografie. Es bildet auch an den Rändern scharf ab und verzerrt die Sterne an den Rändern nicht.
Meine absolute top Empfehlung für die Milchstraße, wenn du mit Sony oder dem L-Mount arbeitest.
- Scharf bis in die Ecken bei Blende 1.4
- fast kein Coma
- kleiner und leichter als das Vorgängermodell
- 15 Sekunden Belichtungszeit ohne Sternwischer möglich
- leider teuer
- Blende 1.4
- schneller, geräuscharmer Autofokus
- Ideales Objektiv für die Milchstraßen-Astrofotografie, Reisen & Landschaft
- Clip in Filterhalter
- Spritzwassergeschützt
Das Stativ muss stabil stehen, weil du mehrere Sekunden belichtest. Ein leichtes, aber steifes Carbonstativ mit Kugelkopf hält die Kamera ruhig und passt trotzdem in den Rucksack. Ich nutze selbst regelmäßig das Rollei C6i. Welche Modelle sich sonst lohnen, findest du im Beitrag Stativ für die Kamera.
Bei der Kamera zählt vor allem das Verhalten bei hohen ISO-Werten. Vollformatsensoren sammeln mehr Licht als APS-C und rauschen bei ISO 3200 oder 6400 weniger. Ich fotografiere den Nachthimmel mit der Canon EOS R6 Mark II, deren Sensor bei wenig Licht sehr sauber bleibt. Welche Kameras sich für die Astrofotografie eignen, vergleiche ich im Ratgeber Kamera für Milchstraße und Sterne.
Blitzschnelle Vollformat-Systemkamera - ein echter Allrounder für Reportage, Hochzeiten, Sport, Tiere und die Alltagsfotografie.
- 24.2 Megapixel Vollformat CMOS Sensor
- Serienbildrate:12 / 40 Bilder pro Sekunde (mechanisch / elektronisch)
- DIGIC X Bildprozessor
- 6K Videoaufnahme mit 60 fps (ProRes RAW extern)
- 4K 60 fps intern
- 1080p mit 180 fps
- Natives ISO von 100 bis 102,400
- 8 Stufen Bildstabilisator in 5 Achsen
- Zwei UHS-II SD Speicherkartenplätze
- Dual Pixel CMOS AF II
- 100% Fokusbereich auf Sensorfläche
- 588 Gramm leicht
- Spritzwassergeschütztes Gehäuse
- Klapp- und schwenkbares Display
- Extrem schnelle Kamera
- Extrem guter, verlässlicher Autofokus
- Exzellente Ergonomie
- Sehr starke Videofunktionen
- Guter, klarer Sucher
- Sehr leise Kamera
- Gutes Rauschverhalten
- teuer
- Bildqualität: 9/10
- Handling: 9,5/10
- Geschwindigkeit: 10/10
- Ausstattung: 8/10
- Autofokus: 10/10
- Videofunktionen: 9/10
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Die richtigen Kameraeinstellungen
Stelle die Kamera auf den manuellen Modus und fotografiere in RAW. So behältst du die volle Kontrolle über Belichtung und Farben und holst später in der Bearbeitung das Maximum heraus. Die folgende Tabelle zeigt dir sinnvolle Startwerte, die du an die Helligkeit der Aurora anpasst:
| Einstellung | Startwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Modus | Manuell (M) | Volle Kontrolle über alle Werte |
| Dateiformat | RAW | Mehr Spielraum für Farben und Rauschen |
| Blende | f/1.4 bis f/2.8 | So weit offen wie möglich |
| ISO | 1600 bis 6400 | Je dunkler die Aurora, desto höher |
| Belichtungszeit | 2 bis 10 Sekunden | Kurz bei aktiver Aurora, länger bei schwachem Leuchten |
| Fokus | Manuell auf unendlich | An einem hellen Stern scharfstellen |
| Weißabgleich | 3800 bis 4500 Kelvin | Hält die Farben natürlich |
Die Belichtungszeit ist der entscheidende Regler. Eine ruhige, flächige Aurora verträgt lange Belichtungszeiten von 8 oder 10 Sekunden. Eine aktive Aurora dagegen bewegt sich schnell und bildet senkrechte Strahlen, sogenannte Beamer. Belichtest du zu lange, verwischen diese Strukturen zu einem grünen Brei. Verkürze dann auf 2 bis 4 Sekunden und drehe stattdessen die ISO hoch, damit die tanzenden Vorhänge scharf bleiben.
Bei Nacht scharfstellen
Der Autofokus findet in der Dunkelheit keinen Halt. Stelle deshalb manuell scharf. Schalte in den manuellen Fokus, aktiviere die Lupenfunktion im Display und suche dir einen hellen Stern oder ein fernes Licht am Horizont. Vergrößere die Ansicht maximal und drehe am Fokusring, bis der Lichtpunkt so klein und scharf wie möglich erscheint. Danach fasst du den Fokusring nicht mehr an. Klebe ihn bei Wind mit einem Streifen Tape fest, damit er nicht verrutscht. Wie du bei Nacht sicher fokussierst, erkläre ich ausführlich im Beitrag Sterne fotografieren.
Bildgestaltung: der Vordergrund macht das Foto
Ein Himmel voller Polarlichter ist beeindruckend, aber ein starkes Foto braucht einen Vordergrund. Ein einzelner Baum, eine Kirche, ein Leuchtturm, ein Boot am Seeufer oder eine Bergsilhouette geben dem Bild Tiefe und Maßstab. Baue das Motiv so auf, dass der Vordergrund in der unteren Bildhälfte liegt und die Aurora den oberen Teil füllt. Eine Wasserfläche verdoppelt das Schauspiel durch die Spiegelung.

Plane den Bildausschnitt schon vor der Dämmerung, solange du den Vordergrund noch erkennst. So weißt du im Dunkeln genau, wohin du die Kamera richtest. Ein weiter Bildwinkel hilft, weil die Aurora oft einen großen Teil des Himmels einnimmt. Mehr zur Bildwirkung findest du im Beitrag Komposition in der Fotografie.
Typische Fehler bei Polarlichtfotos
- Zu lange belichtet: Bei aktiver Aurora verwischen die Strahlen. Verkürze die Zeit und erhöhe die ISO.
- Autofokus genutzt: Der Himmel wird unscharf. Fokussiere manuell über die Lupe auf einen Stern.
- Zu viel Streulicht: Städte überstrahlen die Farben. Fahre an einen dunklen Ort mit freiem Nordhorizont.
- Leerer Vordergrund: Ein Foto nur mit Himmel wirkt beliebig. Nimm ein markantes Element mit ins Bild.
- Kalte Technik vergessen: Akkus entladen sich bei Kälte schnell, und die Frontlinse beschlägt. Pack Ersatzakkus und ein Tuch ein.
Polarlichter in Lightroom entwickeln
Die RAW-Datei zeigt die Aurora zunächst flach. In der Bearbeitung setzt du den Weißabgleich, hebst die Farben behutsam an und ziehst den Kontrast nach. Entferne das Rauschen in den dunklen Bereichen mit der KI-Entrauschung und schärfe die Sterne dezent nach. Übertreibe die Sättigung nicht, sonst wirkt das Grün künstlich. Eine natürliche Aurora überzeugt mehr als ein neongrüner Himmel. Wie du deine Nachtaufnahmen mit einer Vorgabe in einem Schritt entwickelst, zeige ich dir im Beitrag Eigene Lightroom-Presets erstellen.
Häufige Fragen zum Fotografieren von Polarlichtern
Welche Einstellungen brauche ich für Polarlichter?
Fotografiere im manuellen Modus in RAW, mit offener Blende zwischen f/1.4 und f/2.8, ISO 1600 bis 6400 und einer Belichtungszeit von 2 bis 10 Sekunden. Stelle manuell auf unendlich scharf.
Ab welchem KP-Wert sieht man Polarlichter in Deutschland?
An der Küste reicht oft KP 5. Für die Mitte Deutschlands brauchst du KP 6 bis 7, für Süddeutschland KP 8 bis 9. Achte zusätzlich auf einen stark negativen Bz-Wert des Sonnenwinds.
Wann ist die beste Zeit für Polarlichter?
Die Monate September bis März bieten die dunkelsten Nächte. Die besten Chancen bestehen rund um das Maximum des elfjährigen Sonnenzyklus, wenn sich starke Sonnenstürme häufen.
Kann ich Polarlichter mit dem Handy fotografieren?
Moderne Smartphones zeigen im Nachtmodus auf dem Stativ eine sichtbare Aurora. Für kräftige Farben, scharfe Strukturen und einen gestalteten Vordergrund liefert eine Kamera mit lichtstarkem Weitwinkel deutlich bessere Ergebnisse.
Warum sehe ich am Himmel kaum Farbe, auf dem Foto aber schon?
Das Auge nimmt bei wenig Licht kaum Farben wahr und zeigt die Aurora oft nur als grauen Schimmer. Der Kamerasensor sammelt über mehrere Sekunden Licht und macht die Farben dadurch sichtbar.
Hast du schon einmal Polarlichter in Deutschland gesehen, und hat es mit dem Foto geklappt? Schreib es mir in die Kommentare.
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
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