Herbst fotografieren: 10 Ideen für stimmungsvolle Herbstfotos

Herbst fotografieren: 10 Motive von Nebel bis Pilze, mit konkreten Einstellungen, Tipps zu Licht und Timing und einer Checkliste für deine Tour.

Der Herbst ist für mich die ergiebigste Zeit zum Fotografieren. Die Sonne steht tief, das Licht ist den ganzen Tag über weich, und morgens liegt oft Nebel über den Feldern. Dazu kommen die Farben, die es nur ein paar Wochen im Jahr gibt. Gerade bei uns in den Weinbergen ist das sehr spektakulär. Heute zeige ich dir zehn Motive, die ich jeden Herbst wieder fotografiere, mit den Einstellungen, die bei mir funktionieren.

Laub (im Gegenlicht)

Herbstlaub sind schöne Fotomotive und steht jedes Jahr bei mir auf dem Programm. Wenn dazu noch die Sonne durch die Blätter scheint, leuchten sie regelrecht. Stell dich so, dass die Sonne hinter dem Laub steht, und belichte auf die Blätter, nicht auf den Himmel. Eine Blende von f/2,0 bis f/4 trennt ein einzelnes Blatt sauber vom Hintergrund. Die Sonne selbst am Bildrand oder halb verdeckt vom Stamm ergibt einen Blendenstern, dafür blendest du auf f/11 bis f/16 ab.

Nebel am frühen Morgen

Nebel entsteht nach klaren, windstillen Nächten, besonders in der Nähe von Flüssen, Seen und in Senken. Liegen Temperatur und Taupunkt in der Wettervorhersage nah beieinander, lohnt sich der Wecker. Sei vor Sonnenaufgang vor Ort, der Nebel löst sich oft innerhalb einer halben Stunde auf.

Die Kamera unterbelichtet Nebel gern, weil sie das helle Grau für zu hell hält. Korrigiere um +0,7 bis +1,3 EV. Ein einzelner Baum, ein Hochsitz oder ein Weg, der im Nebel verschwindet, gibt dem Bild Tiefe.

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Lichtstrahlen im Wald

Nach Regen oder bei Morgennebel werden Sonnenstrahlen im Wald sichtbar. Fotografiere gegen die Sonne und belichte auf die hellen Bereiche, damit die Strahlen nicht ausfressen. Mit einem Stativ und niedriger ISO bleiben die dunklen Partien sauber. Diese kannst du dann in Lightroom aufhellen.

Pilze aus der Froschperspektive

Pilze wirken auf Fotos am besten auf Augenhöhe. Das heißt: flach auf den Boden legen, eine Unterlage mitnehmen. Ein klappbares Display erspart dir nasse Knie. Mit Offenblende und etwas Abstand zum Hintergrund entsteht ein ruhiges Bokeh. Ein kleiner Faltreflektor oder die Handylampe hellt die Unterseite des Hutes auf.

Bitte nichts ausreißen oder „aufräumen“, was du nicht wieder zurücklegst.

Wassertropfen und Makro

Nach einem Regenschauer hängen Tropfen an Blättern, Spinnennetzen und Gräsern. Frühmorgens kommt der Tau dazu. Ein Makroobjektiv ist ideal, eine Nahlinse reicht für den Anfang aber auch. Achte auf die Schärfentiefe: Im Makrobereich ist sie selbst bei f/8 nur wenige Millimeter tief.

Spiegelungen in Pfützen

Eine Pfütze auf dem Waldweg reicht für ein Spiegelbild der bunten Baumkronen. Geh mit der Kamera so nah wie möglich an die Wasseroberfläche. Dreh das Bild später um 180 Grad, wenn es kopfüber interessanter wirkt.

Weinberge und Landschaft in Herbstfarben

Weinberge färben sich je nach Rebsorte gelb, orange bis tiefrot. Am schönsten wirken sie im seitlichen Licht am späten Nachmittag, wenn die Reihen Schatten werfen und Struktur bekommen. Ein Polfilter nimmt die Reflexe von den Blättern und macht die Farben kräftiger, ohne dass du nachträglich die Sättigung hochziehen musst.

Bewegung: ICM und Langzeitbelichtung

Bei Intentional Camera Movement bewegst du die Kamera während der Belichtung bewusst, meist senkrecht entlang der Baumstämme. Starte mit 1/5 bis 1/2 Sekunde. Das Ergebnis ist schwer vorherzusagen, deshalb viele Versuche machen. Ein ND-Filter hilft, wenn es zu hell ist.

Auch ein Bach mit Laub auf dem Wasser eignet sich: Bei 1 bis 2 Sekunden zeichnen die treibenden Blätter Linien.

Wildtiere und Zugvögel

Im Herbst ist Hirschbrunft, und Kraniche, Gänse und andere Zugvögel sind unterwegs. Hier brauchst du eine lange Brennweite, Geduld und Rücksicht. Halte Abstand, bleib auf den Wegen und informiere dich vorher über Schutzgebiete.

Stillleben zu Hause

Wenn es draußen den ganzen Tag regnet: Kastanien, Äpfel, Kürbisse und ein paar Blätter vor ein Fenster legen. Seitliches Fensterlicht und ein dunkler Hintergrund reichen für ein stimmungsvolles Bild. Kein Studio nötig.

Einstellungen, die im Herbst helfen

  • Weißabgleich: Der automatische Weißabgleich neutralisiert die warmen Töne oft. Stell ihn auf „Schatten“ oder „Bewölkt“ für wärmere Farben, bei Nebel auf „Tageslicht“ oder kühler für eine ruhige Stimmung. Im RAW-Format kannst du es später korrigieren.
  • Belichtung: Das Histogramm im Auge behalten. Helle Blätter im Gegenlicht brennen schnell aus.
  • Polfilter: Nicht nur für den Himmel. Auf nassem Laub entfernt er die Spiegelungen und die eigentliche Farbe kommt zum Vorschein.

Die richtige Zeit

Die Laubfärbung erreicht in den meisten Regionen Deutschlands zwischen Mitte und Ende Oktober ihren Höhepunkt. Ein Sturm kann die Bäume aber innerhalb eines Tages kahl machen, also nicht zu lange warten. Der Vorteil im Herbst: Die Sonne geht später auf und früher unter. Für die goldene Stunde musst du nicht mitten in der Nacht aufstehen.

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Die langen Nächte eignen sich übrigens auch für Nachtaufnahmen. Wie du die Milchstraße fotografierst, erkläre ich in meinem Tutorial.

Bildbearbeitung: Farben ja, Übertreibung nein

Herbstbilder verführen dazu, die Sättigung hochzudrehen. Besser: im HSL-Bereich gezielt Orange und Gelb anpassen und die Luminanz dieser Farben leicht anheben. Das Laub leuchtet dann, ohne dass Hauttöne oder der Himmel unnatürlich werden. Den Regler „Dunst entfernen“ bei Nebelbildern nur vorsichtig oder gar nicht einsetzen, sonst geht genau das verloren, was das Bild ausmacht.

Checkliste für deine Herbsttour

  • Akkus geladen (Kälte leert sie schneller)
  • Regenschutz für Kamera und dich
  • Mikrofasertuch
  • Stativ und Polfilter
  • Unterlage für Bodenaufnahmen
  • Stirnlampe für den Weg im Dunkeln

Häufige Fragen

Welche Tageszeit ist im Herbst am besten?

Früher Morgen für Nebel und Tau, später Nachmittag für warmes Seitenlicht. Bei bedecktem Himmel funktioniert der Wald den ganzen Tag, weil es keine harten Schatten gibt.

Welche Brennweite eignet sich für Herbstlaub?

Für Details und Freistellung 85 bis 200 mm, für Landschaften 16 bis 35 mm. Ein Telezoom ist im Herbst oft vielseitiger, als man denkt.

Brauche ich ein Makroobjektiv?

Für den Einstieg nicht. Eine Nahlinse oder ein Objektiv mit kurzer Naheinstellgrenze reicht für Pilze und Blätter.

Und nun interessiert mich, welche Motive du im Herbst suchst. Sag es mir doch in einem Kommentar!

Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Stephan Forstmann - Fotografie Experte

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.

Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.

In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.

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