In Zeiten von Lightroom und KI-Masken fragen sich viele Fotografen, ob Objektivfilter überhaupt noch nötig sind. Die Antwort ist eindeutig: Manche Filter ersetzt du problemlos in der Bearbeitung, andere erzielen Effekte, die keine Software nachträglich erzeugt. Ein Polfilter entfernt Spiegelungen, ein ND-Filter verlängert die Belichtungszeit am Tag. Beides passiert vor dem Sensor und lässt sich nicht nachbauen. In diesem Beitrag erkläre ich dir, welche Filter du wirklich brauchst, welche überflüssig sind und worauf du beim Kauf achtest.
Die Kurzfassung: Für die meisten Fotografen reichen zwei Filter: ein zirkularer Polfilter für Landschaft, Wasser und Himmel und ein ND-Filter für Langzeitbelichtungen am Tag. Ein Grauverlaufsfilter ist für Landschaftsfotografen sinnvoll, die viel bei Sonnenauf- und -untergang arbeiten. UV-Filter bringen an digitalen Kameras keinen Bildvorteil.
Das erwartet dich im Beitrag
Welche Filter gibt es?
Fotofilter sind Glas- oder Kunststoffscheiben, die vor das Objektiv kommen und das einfallende Licht verändern. Die wichtigsten Typen im Überblick:
| Filter | Wirkung | In Lightroom ersetzbar? | Für wen sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Zirkularer Polfilter | Entfernt Spiegelungen, sättigt Himmel und Laub | Nein | Landschaft, Wasser, Architektur, Reise |
| ND-Filter (Graufilter) | Dunkelt gleichmäßig ab, verlängert die Belichtungszeit | Nein | Langzeitbelichtung, Video, Offenblende bei Sonne |
| Grauverlaufsfilter | Dunkelt den Himmel ab, Vordergrund bleibt hell | Teilweise, über Belichtungsreihen oder Masken | Landschaft bei hohen Kontrasten |
| UV- oder Schutzfilter | Schützt die Frontlinse | Kein Bildeffekt | Strand, Wüste, Gischt |
| Weichzeichner und Black-Mist-Filter | Weiche Lichter, filmischer Look | Teilweise | Porträt, Video |
| Infrarotfilter | Lässt nur infrarotes Licht durch | Nein | Spezialanwendung |
Der Polfilter: der wichtigste Filter überhaupt
Licht, das von nicht-metallischen Oberflächen wie Wasser, Glas, nassem Asphalt oder Blättern reflektiert wird, schwingt bevorzugt in eine Richtung. Ein Polarisationsfilter blockiert dieses gerichtete Licht. Drehst du den Filter am Objektiv, siehst du live im Sucher, wie Spiegelungen auf einem See verschwinden und der Blick auf den Grund frei wird. Laub wirkt satter, weil der glänzende Schimmer auf den Blättern wegfällt. Der blaue Himmel wird dunkler und kräftiger, weiße Wolken heben sich deutlicher ab.
Am stärksten wirkt der Polfilter auf den Himmel, wenn die Sonne seitlich steht, also im 90-Grad-Winkel zu deiner Blickrichtung. Fotografierst du direkt zur Sonne oder mit der Sonne im Rücken, siehst du am Himmel kaum einen Effekt. Ein Polfilter schluckt außerdem ein bis zwei Blendenstufen Licht. Deine Belichtungszeit verlängert sich entsprechend, was bei fließendem Wasser sogar ein willkommener Nebeneffekt ist.
Achte darauf, einen zirkularen Polfilter zu kaufen. Lineare Polfilter stören Autofokus und Belichtungsmessung moderner Kameras. Alle aktuellen Polfilter für Fotografen sind zirkular, beim Kauf gebrauchter Filter lohnt sich aber ein Blick auf die Bezeichnung CPL oder Zirkular. Mehr Hintergrund findest du im Lexikon-Eintrag zum Zirkular-Polarisationsfilter.
Grenzen des Polfilters
An Ultraweitwinkeln unter etwa 20mm Kleinbild-Brennweite zeigt der Polfilter eine Schwäche. Weil der Bildwinkel so groß ist, liegt ein Teil des Himmels im Winkel der stärksten Polarisation, ein anderer nicht. Das Ergebnis ist ein ungleichmäßiger Himmel mit einem dunklen Band. Drehe den Filter in solchen Fällen nur leicht ein oder verzichte darauf.
Auch bei Regenbögen, Schaufenstern mit gewollten Spiegelungen oder Sonnenuntergängen bringt der Polfilter keinen Vorteil oder wirkt sogar störend. Nimm ihn deshalb immer bewusst und nicht als Dauerlösung aufs Objektiv. Dasselbe gilt für Aufnahmen bei wenig Licht, denn die verlorenen Blendenstufen fehlen dir dann.
Der ND-Filter: lange Belichtungszeiten am Tag
Ein ND-Filter, auch Neutraldichte- oder Graufilter, dunkelt das gesamte Bild gleichmäßig ab, ohne die Farben zu verändern. Er ermöglicht dir lange Belichtungszeiten bei hellem Licht, etwa für seidiges Wasser, ziehende Wolken oder menschenleere Plätze. Videografen nutzen ND-Filter, um bei Sonne mit offener Blende und der richtigen Verschlusszeit zu drehen.

Welche Filterstärke du für welches Motiv brauchst und wie du die Belichtungszeit berechnest, erkläre ich ausführlich im Tutorial Langzeitbelichtung am Tag mit ND-Filter.
Der Grauverlaufsfilter: Himmel und Vordergrund ausgleichen
Bei Sonnenauf- und -untergang ist der Himmel oft viel heller als die Landschaft. Belichtest du für den Vordergrund, frisst der Himmel aus. Belichtest du für den Himmel, versinkt der Vordergrund im Schwarz. Ein Grauverlaufsfilter, kurz GND, ist oben dunkel und wird nach unten hin klar. Schiebst du die Übergangslinie auf den Horizont, dunkelt er nur den Himmel ab.
Es gibt Verlaufsfilter mit hartem Übergang für flache Horizonte wie am Meer und mit weichem Übergang für Landschaften mit Bergen oder Bäumen, die über den Horizont ragen. Ihre Stärke wird meist in Blendenstufen oder als Dichtewert angegeben: 0,3 entspricht einer Stufe, 0,6 zwei Stufen, 0,9 drei Stufen. Grauverlaufsfilter gibt es fast nur als Stecksystem, weil du die Position des Übergangs verschieben musst.

Moderne Kameras haben einen großen Dynamikumfang, und Lightroom bietet Verlaufsmasken und KI-Himmelmasken. Viele Fotografen ersetzen den Verlaufsfilter deshalb durch eine Belichtungsreihe oder bearbeiten Himmel und Vordergrund getrennt. Das funktioniert gut, solange sich nichts bewegt. Bei Wellen, Wolken und Bäumen im Wind hat der Filter den Vorteil, dass alles in einer einzigen Aufnahme entsteht. Mehr Tipps für diese Lichtsituation findest du in meinem Beitrag Sonnenuntergang fotografieren.
UV- und Schutzfilter: nötig oder überflüssig?
UV-Filter stammen aus der analogen Zeit, als Filme empfindlich auf ultraviolettes Licht reagierten und Fotos am Meer oder in den Bergen bläulich wurden. Digitale Sensoren besitzen bereits einen eingebauten UV- und Infrarot-Sperrfilter. Ein zusätzlicher UV-Filter verbessert die Bildqualität deshalb nicht. Und ich würde mir gut überlegen, ob es sinnvoll ist, ein „billiges Stück Glas“ vor ein hochspezialisiertes Objektiv zu schrauben. Ich persönlich rate von UV-Filtern ab.
Im Alltag schützt die Gegenlichtblende die Frontlinse genauso gut. Ein billiger Schutzfilter verschlechtert das Gegenlichtverhalten, weil er zwei weitere reflektierende Glasflächen vor die Linse bringt. Wenn Schutzfilter, dann ein hochwertig vergüteter. Warum zusätzliche Glasflächen zu Flares führen, erkläre ich im Beitrag über Objektivfehler.
Schraubfilter oder Stecksystem?
Schraubfilter drehst du direkt in das Filtergewinde deines Objektivs. Sie sind kompakt, günstig und lassen kaum Streulicht durch. Jedes Objektiv hat aber einen eigenen Gewindedurchmesser. Die Größe steht meist auf der Vorderseite des Objektivs oder auf dem Objektivdeckel, zum Beispiel 52mm beim SG-image 25mm f/1.8 oder 46mm beim 7Artisans 40mm f/2.5. Profi-Zooms haben häufig 77mm oder 82mm.
Stecksysteme bestehen aus einem Halter, der über einen Adapterring am Objektiv befestigt wird, und rechteckigen Filterscheiben. Sie sind teurer und größer, du nutzt dieselben Filter aber an allen Objektiven und kombinierst mehrere Filter übereinander. Für Grauverlaufsfilter sind sie die einzig praktikable Lösung.
Ein Filter für mehrere Objektive
Du musst nicht für jedes Objektiv einen eigenen Filtersatz kaufen. Kaufe die Filter in der Größe deines größten Objektivs und nutze für kleinere Objektive Step-up-Ringe. Diese Adapterringe kosten wenig und übersetzen zum Beispiel von 67mm auf 77mm. In umgekehrter Richtung, also mit einem kleineren Filter an einem größeren Gewinde, funktioniert das nicht, weil der Filter dann ins Bild ragt und die Ecken abschattet.
Worauf du beim Filterkauf achtest
- Optisches Glas statt Kunststoff: Billige Filter aus Kunststoff kosten Schärfe und erzeugen Farbstiche.
- Mehrschichtvergütung: Sie reduziert Reflexionen und schützt vor Streulicht und Flares.
- Schmale Fassung: An Weitwinkeln verhindert eine schlanke Fassung abgeschattete Bildecken.
- Farbneutralität: Gerade bei starken ND-Filtern lohnt sich ein Blick auf Testbilder, günstige Modelle erzeugen oft einen Blau- oder Braunstich.
- Richtige Größe: Prüfe den Gewindedurchmesser deines Objektivs vor dem Kauf.
Filter brauchen ein stabiles Fundament
Polfilter und ND-Filter verlängern die Belichtungszeit, Grauverlaufsfilter verlangen eine präzise Ausrichtung am Horizont. Ohne Stativ wird das schwierig. Ich nutze selbst regelmäßig das Rollei C6i, ein leichtes Carbonstativ mit Kugelkopf. Das Ulanzi TT09 VideoGo ist eine kompakte Alternative für Reisen. Weitere Empfehlungen findest du im Beitrag Stativ für die Kamera.
Carbon Video-Reisestativ mit kurzem Packmaß. Ideal für unterwegs und sehr stabil.
Das Ulanzi VideoGo ist stabil und kommt mit sehr viel Zubehör und kann mit einer. Die stabile Füße sind mit Schnellspann-Verschlüssen ausgestattet, die gutes Feedback geben wenn sie auf- oder zugeklappt werden.
- Tragfähigkeit des Kugelkopfes: 4.9kg
- Schnellmontage und -entriegelung: in Sekundenschnelle einsatzbereit
- 360° Panoramakugelkopf
- Integrierte Nivellierschüssel
- Eingebauter Schraubendreher-Multifunktionshandgriff
- Hebelverriegelung für die Beine
- Abnehmbare Mittelsäule
- Doppelte 1/4"-Gewindebohrungen auf beiden Seiten
- Kohlefaser-Konstruktion
- Extrem stabiles Stativ
- 1,5 kg leicht
- 15,3 cm minimale Höhe im Low Mode
- 142cm maximale Höhe
- zusammengeklappt nur 42,5cm hoch
- Spikes im Lieferumfang
- Tasche im Lieferumfang
- Leicht und klein
- sehr stabil
- sehr viel Zubehör
- Low Mode
- Für Astrofotografie mit Nachführung geeignet
*Affiliate-Links: Kaufst du über einen dieser Links, erhalte ich eine kleine Provision – für dich ohne Aufpreis.
Meine Empfehlung für den Einstieg
Fang mit einem guten zirkularen Polfilter in der Größe deines meistgenutzten Objektivs an. Er verändert deine Landschafts- und Reisefotos am sichtbarsten. Als zweiten Filter ergänzt du einen ND-Filter mit sechs bis zehn Blendenstufen, sobald du Wasser und Wolken mit langer Belichtung fotografieren willst. Ein Grauverlaufsfilter lohnt sich erst, wenn du regelmäßig bei Sonnenauf- und -untergang unterwegs bist und Belichtungsreihen vermeiden willst.
Häufige Fragen zu Filtern in der Fotografie
Welche Filter braucht man als Fotograf?
Für die meisten Fotografen reichen ein zirkularer Polfilter und ein ND-Filter. Landschaftsfotografen ergänzen einen Grauverlaufsfilter für Sonnenauf- und -untergänge.
Kann Lightroom einen Polfilter ersetzen?
Nein. Der Polfilter entfernt Spiegelungen auf Wasser und Glas vor dem Sensor. Diese Information fehlt in der Aufnahme und lässt sich in der Bearbeitung nicht wiederherstellen.
Brauche ich einen UV-Filter?
Für die Bildqualität nicht, weil digitale Sensoren bereits einen UV-Sperrfilter haben. Als Schutz der Frontlinse am Strand oder in staubiger Umgebung ist ein hochwertig vergüteter Schutzfilter sinnvoll.
Warum wird der Himmel mit Polfilter fleckig?
An Ultraweitwinkeln liegt nur ein Teil des Himmels im Winkel der stärksten Polarisation. Dadurch entsteht ein dunkles Band. Drehe den Filter nur leicht ein oder verzichte bei sehr kurzen Brennweiten darauf.
Welche Filtergröße brauche ich?
Die Größe steht als Durchmesser in Millimetern auf dem Objektiv oder dem Objektivdeckel. Kaufe Filter in der Größe deines größten Objektivs und nutze für kleinere Objektive Step-up-Ringe.
Mit welchen Filtern arbeitest du, und welcher hat deine Fotos am meisten verändert? Schreib es mir in die Kommentare.
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
Vielen Dank für deine Unterstützung!
Noch mehr von mir bzw. über mich findest du in den sozialen Medien:


