Objektivfehler verstehen: Vignettierung, Verzeichnung, chromatische Aberration und Koma

Vignettierung, Verzeichnung, Farbsäume, Koma und Flares einfach erklärt – mit Beispielen aus meinen Objektivtests und Tipps zur Korrektur in Lightroom.

In meinen Objektivtests findest du regelmäßig dieselben Abschnitte: Vignettierung, Verzeichnung, chromatische Aberrationen, Gegenlicht. Nach mehr als 40 getesteten Objektiven weiß ich, dass viele Leser genau an dieser Stelle aussteigen, weil die Begriffe nach Physikunterricht klingen. Dabei sind diese Bildfehler leicht zu verstehen, und wer sie kennt, kauft bessere Objektive und bearbeitet seine Fotos gezielter. In diesem Beitrag erkläre ich dir jeden Fehler einzeln, zeige ihn dir an Bildern aus meinen Tests und verrate dir, wie du ihn vermeidest oder später korrigierst.

Die Kurzfassung: Vignettierung, Verzeichnung und seitliche Farbsäume korrigierst du in Lightroom oder dem RAW Konverter deiner Wahl schnell mit einem Klick. Koma, Streulicht und Unschärfe am Bildrand lassen sich dagegen kaum nachträglich beheben. Darauf solltest du beim Objektivkauf achten.

Warum kein Objektiv fehlerfrei ist

Ein Objektiv besteht aus mehreren Glaslinsen, die das Licht bündeln und auf den Sensor lenken. Jede Linse bricht Licht unterschiedlicher Farben etwas anders, und das Licht am Bildrand trifft unter einem anderen Winkel auf als in der Mitte. Optikkonstrukteure gleichen diese Effekte mit zusätzlichen Linsen, Spezialglas und asphärischen Elementen aus. Jede Korrektur kostet aber Gewicht, Platz und Geld.

Deshalb ist jedes Objektiv ein Kompromiss. Ein günstiges, kleines Objektiv zeigt mehr Fehler als ein schweres Profiobjektiv. Seit einigen Jahren kommt ein weiterer Faktor hinzu: Viele Hersteller planen die digitale Korrektur in der Kamera direkt mit ein und verzichten dafür auf aufwendige Optik. Das erklärt, warum manche kompakte Weitwinkelobjektive in der RAW-Datei stark verzerrt aussehen, im fertigen JPG aber sauber wirken.

Vignettierung: dunkle Bildecken

Vignettierung bedeutet, dass die Ecken eines Fotos dunkler sind als die Bildmitte. Die Ursache ist einfach: Licht, das schräg auf den Sensor fällt, verteilt sich auf eine größere Fläche und kommt schwächer an. Zusätzlich verdecken die Linsenfassungen bei weit geöffneter Blende einen Teil der Lichtstrahlen am Rand.

Am stärksten tritt Vignettierung bei Offenblende auf. Blendest du zwei ganz Blendenstufen ab, verschwindet sie fast immer.

Beispielfoto mit sichtbarer Vignettierung in den Bildecken
Vignettierung: Die Ecken fallen gegenüber der Bildmitte sichtbar ab.

Eine zweite Form ist die mechanische Vignettierung. Sie entsteht, wenn eine falsche Gegenlichtblende oder ein zu dicker Filter am Weitwinkel ins Bild ragt. Die Ecken werden dann nicht nur dunkler, sondern komplett schwarz. Diese Form lässt sich nicht korrigieren, nur vermeiden, indem das passende Zubehör am Objektiv genutzt wird.

Leichte Vignettierung ist übrigens nicht immer ein Problem. Bei Porträts lenkt sie den Blick zur Bildmitte, viele Fotografen fügen sie in der Bearbeitung sogar absichtlich hinzu. Störend wird sie bei Landschaften mit blauem Himmel, bei Panoramen und bei Architekturfotos.

Verzeichnung: gebogene Linien

Verzeichnung zeigt sich daran, dass gerade Linien im Foto gebogen erscheinen. Sie hat nichts mit der Perspektive zu tun, sondern entsteht, weil das Objektiv die Bildmitte und den Rand unterschiedlich stark vergrößert. Das sind die Formen, die dir dabei am häufigsten begegnen:

  • Tonnenförmige Verzeichnung: Gerade Linien wölben sich nach außen, das Bild wirkt aufgebläht. Typisch für Weitwinkel und das kurze Ende von Zoomobjektiven.
  • Kissenförmige Verzeichnung: Linien biegen sich zur Bildmitte hin, die Ecken wirken herausgezogen. Typisch für Teleobjektive und das lange Ende von Zooms.

Die ersten Beiden Arten der Verzeichnung möchte ich dir hier zeigen:

Verzeichnung beim Fotografieren zu vermeiden, gelingt nur bedingt. Platzierst du wichtige gerade Linien wie den Horizont in der Bildmitte, fällt die Verzeichnung weniger auf als am Rand. Die eigentliche Lösung ist das Objektivprofil in der Bildbearbeitung.

Chromatische Aberration: Farbsäume an Kanten

Glas bricht blaues Licht stärker als rotes. Fällt weißes Licht durch eine Linse, landen die Farben deshalb nicht exakt an derselben Stelle auf dem Sensor. Das Ergebnis sind lila, grüne oder blaue Säume an kontrastreichen Kanten, etwa an dunklen Ästen vor hellem Himmel. Auch hier gibt es zwei Formen, und der Unterschied ist für die Korrektur entscheidend.

Die laterale chromatische Aberration tritt zum Bildrand hin auf. Die Farbsäume liegen auf entgegengesetzten Seiten einer Kante, oft rot auf der einen und cyan auf der anderen. Lightroom entfernt sie zuverlässig mit einem Häkchen. Die longitudinale chromatische Aberration entsteht vor und hinter der Schärfeebene, also auch in der Bildmitte. Sie zeigt sich als lila Saum vor dem Fokuspunkt und grüner Saum dahinter, besonders bei lichtstarken Objektiven mit Offenblende. Diese Form lässt sich nur teilweise entfernen. Abblenden hilft dagegen sofort.

Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass billige Objektive in der Regel immer ein Problem mit chromatischen Aberrationen haben.

Koma: Sterne mit Flügeln

Für die Astrofotografie ist Koma der wichtigste Bildfehler. Punktförmige Lichtquellen am Bildrand werden nicht als Punkt abgebildet, sondern verziehen sich zu kleinen Kometen oder Vogelflügeln. Bei Tagesaufnahmen bemerkst du das nie. Bei Sternenhimmel, Lichterketten und Stadtlichtern in der Nacht sticht Koma sofort ins Auge.

Koma tritt fast ausschließlich bei Offenblende auf und wird beim Abblenden schwächer. Genau das ist bei der Milchstraße aber keine Option, weil du jedes Licht brauchst. Deshalb prüfe ich in meinen Tests von Astro-Weitwinkeln die Koma an echten Sternen und schaue mir die Bildecken in der 100-Prozent-Ansicht an. Korrigieren lässt sich Koma in der Bearbeitung praktisch nicht. Hier entscheidet allein die Qualität des Objektivs.

Koma-Test an Sternen mit dem Sigma 14mm f/1.8 Art
Koma-Prüfung an Sternen in der Bildecke, aus meinem Test des Sigma 14mm f/1.8 Art.

Für die Milchstraße lohnen sich Objektive, die speziell auf geringe Koma ausgelegt sind. Zwei Beispiele, die ich ausführlich getestet habe:

Bestes Astro-Objektiv für Canon RF
Canon RF 14mm 1.4 L VCM
2499€

Das Canon RF 14mm F1.4L VCM ist eines der schärfsten Astro-Objektive, dass ich bisher nutzen durfte. Mit seiner enormen Abbildungsleistung eröffnet es neue kreative Möglichkeiten – besonders für die Astrofotografie.

Vorteile:
  • Extrem Scharf bis in die Ecken
  • Sehr lichtstark
  • Kaum Koma
  • Klein und kompakt
  • Lange Belichtungszeiten möglich
Nachteile:
  • Teuer
Details:
  • Ultraweitwinkel-Festbrennweite
  • Lichtstarke Blende f1.4
  • Präziser, leiser Autofokus
  • Blendenring, Steuerring und Funktionstaste
  • Staub- und Spritzwasserschutz
  • Kompakt und leicht (ca. 578 g)
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Bestes Astro-Objektiv derzeit
SIGMA 20mm f/1.4 DG DN Art für Sony
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Eines der Besten Objektive für die Milchstraßenfotografie. Es bildet auch an den Rändern scharf ab und verzerrt die Sterne an den Rändern nicht.


Meine absolute top Empfehlung für die Milchstraße, wenn du mit Sony oder dem L-Mount arbeitest.

Vorteile:
  • Scharf bis in die Ecken bei Blende 1.4
  • fast kein Coma
  • kleiner und leichter als das Vorgängermodell
  • 15 Sekunden Belichtungszeit ohne Sternwischer möglich
Nachteile:
  • leider teuer
Details:
  • Blende 1.4
  • schneller, geräuscharmer Autofokus
  • Ideales Objektiv für die Milchstraßen-Astrofotografie, Reisen & Landschaft
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Streulicht, Flares und Kontrastverlust

Fällt eine starke Lichtquelle wie die Sonne direkt oder seitlich ins Objektiv, wird ein Teil des Lichts an den Linsenoberflächen reflektiert. Daraus entstehen drei sichtbare Effekte: farbige Lichtflecken, auch Flares oder Blendenreflexe genannt, Geisterbilder in Form der Blendenöffnung und ein milchiger Schleier, der den Kontrast des ganzen Bildes senkt.

Wie gut ein Objektiv damit umgeht, hängt vor allem von der Vergütung der Linsen ab. Teure Objektive tragen mehrschichtige Beschichtungen, die Reflexionen stark unterdrücken. Bei günstigen Objektiven ist das Gegenlichtverhalten oft der größte Schwachpunkt.

Gegen Streulicht hilft dir vor allem die Gegenlichtblende. Sie gehört auf jedes Objektiv, nicht nur bei Sonnenschein. Außerdem verändern schon wenige Zentimeter Standortwechsel die Position der Flares im Bild. Billige Schutzfilter vor der Frontlinse verschlechtern das Gegenlichtverhalten zusätzlich, weil sie zwei weitere reflektierende Glasflächen ins Spiel bringen. Flares sind übrigens nicht immer ein Fehler. Gezielt eingesetzt, verleihen sie Porträts im Gegenlicht eine warme, weiche Stimmung.

Randunschärfe und Bildfeldwölbung

Fast jedes Objektiv ist in der Bildmitte schärfer als am Rand. Bei Offenblende ist dieser Abfall am größten.

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Eine Sonderform ist die Bildfeldwölbung. Hier liegt die Schärfeebene nicht flach, sondern gewölbt wie eine Schüssel. Fokussierst du auf die Bildmitte, liegen die Ecken knapp vor oder hinter der Schärfe. Bei Landschaften mit Motiven in unterschiedlicher Entfernung fällt das kaum auf. Bei flachen Motiven wie Hauswänden oder abfotografierten Dokumenten wird es sichtbar.

Beugungsunschärfe: kein Objektivfehler, aber oft verwechselt

Viele Anfänger blenden auf f/16 oder f/22 ab, weil sie maximale Schärfe erwarten. Das Gegenteil passiert. Je kleiner die Blendenöffnung, desto stärker wird das Licht an den Kanten der Blendenlamellen gebeugt. Dieses Phänomen nennt man Diffraktion. Das Foto wird dadurch weicher und verliert Schärfe. Das ist kein Fehler eines bestimmten Objektivs, sondern Physik, und sie betrifft jedes Objektiv gleichermaßen. Die beste Schärfe liefern die meisten Objektive zwischen f/5.6 und f/8. Je mehr Megapixel deine Kamera hat, bzw. je höher der Pixelpitch ist, desto eher tritt der Effekt sichtbar auf.

Alle Objektivfehler im Überblick

BildfehlerSo erkennst du ihnTypisch beiBeim FotografierenIn der Bearbeitung
VignettierungDunkle BildeckenLichtstarken Objektiven bei OffenblendeEin bis zwei Stufen abblendenMit Objektivprofil vollständig korrigierbar
VerzeichnungGebogene gerade LinienWeitwinkel (tonnenförmig), Tele (kissenförmig)Wichtige Linien in die Bildmitte legenMit Objektivprofil korrigierbar, kostet etwas Bildrand
Laterale CARote und cyanfarbene Säume am BildrandGünstigen Weitwinkeln und ZoomsKaum beeinflussbarPer Häkchen vollständig entfernbar
Longitudinale CALila und grüne Säume vor und hinter dem FokusLichtstarken FestbrennweitenAbblendenNur teilweise entfernbar
KomaSterne als Kometen in den EckenWeitwinkeln bei OffenblendeAbblenden, bei Astro kaum möglichPraktisch nicht korrigierbar
Streulicht und FlaresLichtflecken, milchiger KontrastverlustObjektiven mit einfacher VergütungGegenlichtblende, Position ändern, Filter abnehmenKontrast teilweise rettbar, Flares nur mit Retusche
RandunschärfeWeiche BildeckenOffenblende, günstigen ObjektivenAbblenden auf f/5.6 bis f/8Nicht korrigierbar
Übersicht der wichtigsten Objektivfehler und was du gegen sie tun kannst.

Objektivfehler in Lightroom korrigieren

Die meisten Fehler, die sich überhaupt korrigieren lassen, behebst du in Lightroom im Bereich Objektivkorrekturen. So gehst du Schritt für Schritt vor:

  1. Profilkorrekturen aktivieren: Lightroom erkennt das Objektiv anhand der Metadaten und lädt ein passendes Profil. Es korrigiert Verzeichnung und Vignettierung automatisch.
  2. Chromatische Aberration entfernen: Ein Häkchen beseitigt seitliche Farbsäume.
  3. Kein Profil vorhanden? Bei manuellen Objektiven von Drittherstellern fehlt das Profil oft. Dann stellst du Verzeichnung und Vignettierung über die manuellen Regler ein.
  4. Restliche Farbsäume: Unter „Rand entfernen“ wählst du mit der Pipette den lila oder grünen Saum aus und reduzierst ihn gezielt.
  5. Vignette bewusst gestalten: Nach der Korrektur fügst du bei Porträts unter Effekte gezielt eine leichte Vignette hinzu, wenn sie zur Bildwirkung passt.

Am besten speicherst du die Profilkorrektur als Importvorgabe. Dann ist sie bei jedem neuen Foto sofort aktiv. Wie du in Lightroom insgesamt schneller arbeitest, zeige ich dir im Beitrag Lightroom schneller machen.

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So prüfst du ein Objektiv selbst

Du willst ein neues Objektiv selbst auf die Probe stellen? Mit diesem Ablauf erkennst du in einem Nachmittag, wo seine Stärken und Schwächen liegen:

  • Eine Fläche mit geraden Linien formatfüllend und parallel zur Kamera fotografieren, um die Verzeichnung zu sehen.
  • Dasselbe Motiv bei Offenblende und in ganzen Blendenstufen bis f/8 vom Stativ und mit Timer aufnehmen, um Schärfe und Vignettierung zu vergleichen.
  • Dunkle Äste vor hellem Himmel fotografieren und in der 100-Prozent-Ansicht nach Farbsäumen suchen.
  • Gegen die Sonne und mit seitlichem Licht fotografieren, einmal mit und einmal ohne Gegenlichtblende.
  • Bei Weitwinkeln für die Astrofotografie den Sternenhimmel bei Offenblende aufnehmen und die Ecken auf Koma prüfen.

Wichtig ist, dass du die Ergebnisse in der RAW-Datei ohne automatische Korrekturen anschaust. Nur so siehst du, was das Objektiv optisch wirklich leistet.

Welche Fehler beim Kauf wirklich zählen

Ein Objektiv mit sichtbarer Vignettierung und Verzeichnung ist kein schlechtes Objektiv. Beides korrigierst du in Sekunden. Viel wichtiger sind die Fehler, die sich nicht beheben lassen. Fotografierst du nachts Sterne, achte auf geringe Koma. Fotografierst du viel im Gegenlicht, achte auf gute Vergütung. Brauchst du Schärfe bis in die Ecken, etwa für Landschaft und Architektur, schau dir Testbilder bei Offenblende genau an. Übrigens: Welche Brennweite zu dir passt, erfährst du in meinem Ratgeber Welches Objektiv für was?

Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Stephan Forstmann - Fotografie Experte

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.

Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.

In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.

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