Die meisten kaufen die Canon EOS R50, R100 oder R10 mit dem Kit-Objektiv RF-S 18-45 mm. Für den Anfang ist das in Ordnung. Irgendwann merkst du aber, dass der Hintergrund bei Portraits nicht unscharf wird, Fotos bei wenig Licht verrauschen oder das Zoom für Tiere nicht reicht. Dann ist ein zweites Objektiv die beste Investition, deutlich sinnvoller als eine neue Kamera.
Ich habe alle drei Kameras getestet und zeige dir, welche Objektive sich wirklich lohnen, von günstig bis maximal 700€.
Meine Kurzempfehlung:
- Erste Festbrennweite: Canon RF 50 mm f/1.8 STM, günstig und ideal für Portraits
- Bestes Standardzoom: Sigma 18-50 mm f/2.8 DC DN Contemporary
- Ein Objektiv für alles: Canon RF-S 18-150 mm f/3.5-6.3 IS STM
- Für Tiere und Vögel: Canon RF 100-400 mm f/5.6-8 IS USM
- Besonders günstig: Vistilen Autofokus Objektive aus China
Alle Kameras habe ich mit einfachen, günstigen RF Objektiven und teureren Profilinsen getestet.
Das erwartet dich im Beitrag
Was du vor dem Objektivkauf wissen musst
RF-S und RF: beide passen
Die R50 und R10 haben einen APS-C-Sensor und das RF-Bajonett. Du kannst zwei Arten von Objektiven nutzen:
- RF-S-Objektive sind für APS-C gebaut. Sie sind kleiner, leichter und meist günstiger.
- RF-Objektive sind eigentlich für Vollformatkameras gedacht, passen aber ohne Einschränkung. Wenn du später auf eine Vollformatkamera wie die R8 oder R6 Mark III umsteigst, nimmst du sie mit.
Der Cropfaktor verändert die Brennweite
Der APS-C-Sensor ist kleiner als ein Vollformatsensor. Dadurch wirkt jedes Objektiv so, als hätte es die 1,6-fache Brennweite. Ein 50-mm-Objektiv zeigt an der R50 den gleichen Bildausschnitt wie ein 80-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera. Für Portraits ist das ideal, für Weitwinkelaufnahmen brauchst du dagegen kürzere Brennweiten. Mehr dazu in Sensorgrößen: Vor- und Nachteile.
Kein Bildstabilisator in der Kamera
Weder die R50 noch die R10 hat einen Stabilisator im Gehäuse. Achte deshalb auf das Kürzel „IS“ im Objektivnamen. Bei Festbrennweiten ohne IS solltest du als Faustregel nicht länger belichten als 1 geteilt durch die doppelte Brennweite, bei 50 mm also etwa 1/100 s. Warum das so ist, erkläre ich in Belichtungszeit verstehen.
Alte EF-Objektive mit Adapter
Objektive von Canon-Spiegelreflexkameras (EF und EF-S) funktionieren mit dem Adapter EF-EOS R ohne Einschränkungen beim Autofokus. Gerade gebraucht findest du so viele günstige Objektive.
Zoomobjektive
Bestes Standardzoom: Sigma 18-50 mm f/2.8 DC DN Contemporary
Seit 2024 dürfen Sigma und Tamron APS-C-Objektive für das RF-Bajonett bauen. Das 18-50 mm war das erste davon, und es ist für mich das beste Standardzoom für die R50 und R10. Es deckt den gleichen Bereich ab wie das Kit-Objektiv, hat aber durchgehend Blende f/2.8. Am langen Ende fällt damit rund fünfmal so viel Licht auf den Sensor wie beim Kit-Objektiv mit f/6.3. Trotzdem ist es kaum größer.
Vorteile: durchgehend f/2.8, kompakt, sehr scharf, schneller Autofokus
Nachteile: kein Bildstabilisator, teurer als das Kit-Objektiv
Das SIGMA 18-50mm F2.8 DC DN verfügt über ein außergewöhnlich leichtes sowie kompaktes Design und überzeugt mit seiner brillanten Optik.
- Chromatische Aberrationen präsent
- Zoom
- Normalbrennweite
- Geeignet für: Alltag, Reisen
- Bildstabilisiert: nein
- Autofokus: Ja
Ein Objektiv für alles: Canon RF-S 18-150 mm f/3.5-6.3 IS STM
Wer nicht wechseln möchte, nimmt dieses Reisezoom. Es reicht vom Weitwinkel bis zum Tele und hat einen Stabilisator. Für Urlaub, Familienausflüge und den Alltag ist es die bequemste Lösung. Bei wenig Licht stößt es allerdings an seine Grenzen. Weitere Ideen findest du in meinen Empfehlungen für Reisekameras.
Vorteile: großer Zoombereich, Stabilisator, kompakt
Nachteile: lichtschwach, kein unscharfer Hintergrund
Kompaktes Reiszoomobjektiv, das eine große Brennweite abdeckt und ideal für unterschiedliche Fotografie-Stile ist.
- Vielseitig
- leicht
- günstig
- guter Bildstabilisator
- schneller AF
- Durchschnittliche Bildqualität
- Brennweite: 18-150 mm
- Gewicht:300 g
- nutzbar für: Alltagsfotografie, Reisen
- bildstabilisiert: Ja
- Objektivart: Zoomobjektiv
Weitwinkel für Landschaft: Canon RF-S 10-18 mm f/4.5-6.3 IS STM
Das günstigste Weitwinkelzoom für die R50 und R10. Es ist sehr klein, leicht und hat einen Stabilisator. Für Landschaft, Architektur und Innenräume reicht es völlig. Mehr Licht, etwa für Sternenhimmel, bietet das deutlich teurere Sigma 10-18 mm f/2.8. Tipps zum Einstieg findest du in Landschaftsfotografie lernen.
Kompaktes Weitwinkel-Zoomobjektiv, ideal für Architektur- und Landschaftsaufnahmen.
- Günstig
- weitwinklig
- gute Abbildungsqualität
- lichtschwach
- Brennweite: 10-18 mm
- Gewicht:310 g
- nutzbar für: Landschaft, Architektur
- bildstabilisiert: Ja
- Objektivart: Zoomobjektiv
Günstiges Tele: Canon RF-S 55-210 mm f/5-7.1 IS STM
Im Doppel-Kit mit der R50 ist dieses Telezoom oft dabei. Es eignet sich für Kinder beim Sport, Tiere im Zoo und Portraits mit Abstand. Für Vögel ist es meist zu kurz.
Kompaktes Telezoomobjektiv mit optischem Bildstabilisator, perfekt für Alltagsfotografie und Reisefotografie.
- Leicht
- kompakt
- schneller Autofokus
- gute Bildqualität
- F5-7.1 in schwachem Licht problematisch
- Brennweite: 55-210 mm
- Gewicht:335g
- nutzbar für: Alltagsfotografie, Reisen, Tiere bildstabilisiert:Ja
- Objektivart: Zoomobjektiv
Für Tiere und Vögel: Canon RF 100-400 mm f/5.6-8 IS USM
Durch den Cropfaktor entspricht es an der R50 und R10 einem 160-640-mm-Objektiv. Damit kommst du auch an scheue Vögel heran. Es ist erstaunlich leicht und hat einen schnellen Autofokus. Zusammen mit der hohen Serienbildrate der R10 eine starke Kombination. Praxistipps gibt es in Vögel fotografieren.
Vorteile: viel Reichweite, leicht, schneller Autofokus, passt auch an Vollformat
Nachteile: lichtschwach, braucht gutes Licht oder höhere ISO
Kompaktes Supertelezoomobjektiv, das Flexibilität für verschiedenste Aufnahmesituationen bietet, ideal für Reise-, Natur- und Sportfotografie.
- Flexibel
- kompakt
- gute Bildqualität
- Bildstabilisiert
- F5.6-8 in schwachem Licht problematisch
- Brennweite: 100-400 mm
- Gewicht:1130 g
- nutzbar für: Wildlife, Sport, Reise
- bildstabilisiert: Ja
- Objektivart: Zoomobjektiv
Festbrennweiten
Mit einer lichtstarken Festbrennweite machst du den größten Sprung in der Bildqualität. Der Hintergrund wird unscharf, und du kannst auch bei wenig Licht ohne Blitz fotografieren.
Die erste Festbrennweite: Canon RF 50 mm f/1.8 STM
Das günstigste Objektiv mit großer Wirkung. An der R50 und R10 entspricht es 80 mm, eine klassische Portraitbrennweite. Für Ganzkörperfotos in kleinen Räumen ist es dagegen schon etwas eng. Ich habe es ausführlich mit dem RF 45 mm f/1.2 STM verglichen.
Vorteile: sehr günstig, klein, schöne Hintergrundunschärfe, passt auch an Vollformat
Nachteile: kein Stabilisator, Autofokus etwas lauter
Nachfolger des beliebten 50mm Objektivs aus der EF-Reihe. Die einfache Festbrennweite mit Lichtstärke von 1.8 ist für viele Fotografie-Bereiche sehr gut geeignet. Mit dem RF 50mm 1.8 kann man sehr einfach Fotos mit unscharfen Hintergrund erstellen. Es hat ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis, eine gute Schärfe und ein tolles Bokeh. Passt auf alle Kameras aus der Canon EOS R Serie.
- Klein
- Leicht
- Hervorragende Schärfe
- Lichtstark
- keine Innenfokussierung
- STM Motor in Video deutlich hörbar
- Festbrennweite für Vollformat
- Lichtstärke f/1.8
- 160 Gramm leicht
- Filtergewinde 43mm Durchmesser
- Metallbajonett
- Nur 4,1 cm lang
- Brennweite: 50 mm
- nutzbar für: Alltagsfotografie,Portraits
- bildstabilisiert: Nein
- Objektivart: Festbrennweite
Für mehr Look: Canon RF 45 mm f/1.2 STM
Mit Blende f/1.2 bekommst du noch mehr Hintergrundunschärfe und noch mehr Licht. An der R50 und R10 entspricht es etwa 72 mm. Meine Erfahrungen stehen in meinem Test des RF 45 mm f/1.2.
Sehr gutes, vielseitiges Autfokus-Objektiv mit einer Lichtstärke von 1.2. Ideal für Portrait, Reportage, Alltag und Streetfotografie im Dunkeln.
- Extrem Lichtstark
- Extrem starkes "Charakterobjektiv"
- Gute Schärfe in der Bildmitte bei Offenblende
- Klein und leicht
- Vergleichsweise günstig
- Schönes Bokeh
- Randschärfe schwach bei Offenblende
- Starke chromatische Abberation bei Blende 1.2
- Geringe Naheinstellgrenze
- 45mm Festbrennweite für Vollformat
- Naheinstellgrenze: ca. 0,45 m
- Filtergewinde: 67 mm
- Abmessungen: ca. 78 × 75 mm
- Gewicht: ca. 346 g
- Minimale Blende: f/16
- Maximale Blende: f/1.2
Für den Alltag: Sigma 23 mm f/1.4 oder 30 mm f/1.4
Sigma bietet seine lichtstarken APS-C-Festbrennweiten seit Ende 2024 auch für Canon RF an. Das 23 mm entspricht etwa 37 mm, das 30 mm etwa 48 mm. Beide sind ideale Immer-drauf-Objektive für Familie, Street und Innenräume. Das 30 mm ist die günstigere Wahl.
Für Portraits: Sigma 56 mm f/1.4
Entspricht etwa 90 mm und ist mit f/1.4 lichtstärker als das RF 50 mm f/1.8. Wenn Portraits dein Hauptthema sind, lohnt sich der Aufpreis. Tipps für die Praxis findest du in Portrait fotografieren.
Der Pfannkuchen: Canon RF 28 mm f/2.8 STM
Nur gut zwei Zentimeter flach. An der R50 entspricht es etwa 45 mm. Damit passt die Kamera fast in die Jackentasche. Lichtstärker als das Kit-Objektiv, aber keine echte Low-Light-Linse.
Kompaktes Pancake Weitwinkelobjektiv mit einer Blende von f/2.8, ideal für Alltags-, Streetfotografie und Vlogging.
- Sehr leicht
- kompakt
- Mäßige Qualität
- Brennweite: 28 mm
- Gewicht:250 g
- nutzbar für: Alltagsfotografie, Vlogging
- bildstabilisiert: Nein
- Objektivart: Festbrennweite
Günstige Alternativen
Für das RF-Bajonett gibt es auch günstige Autofokus-Objektive von Vistilen:
| Objektiv | Brennweite | Blende | Typischer Einsatz | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| AF 25mm F1.7* | 25 mm | f/1.7 | Street, Allround | ca. 166 € |
| AF 33mm F1.4* | 33 mm | f/1.4 | Normalbrennweite, wenig Licht | ca. 202 € |
| AF 55mm F1.4* | 55 mm | f/1.4 | Porträt | ca. 202 € |
| AF 56mm F1.7* | 56 mm | f/1.7 | Porträt | ca. 166 € |
Meine Empfehlungen nach Einsatzzweck
| Du fotografierst vor allem … | Meine Empfehlung | Entspricht an R50/R10 |
|---|---|---|
| Portraits | RF 50 mm f/1.8 STM oder Sigma 56 mm f/1.4 | 80 mm / 90 mm |
| Familie und Alltag drinnen | Sigma 23 mm oder 30 mm f/1.4 | 37 mm / 48 mm |
| Alles mit einem Objektiv | Sigma 18-50 mm f/2.8 | 29–80 mm |
| Urlaub ohne Objektivwechsel | RF-S 18-150 mm | 29–240 mm |
| Landschaft und Architektur | RF-S 10-18 mm | 16–29 mm |
| Vögel und Wildtiere | RF 100-400 mm | 160–640 mm |
| So klein wie möglich | RF 28 mm f/2.8 STM | 45 mm |
Fazit
Wenn du nur ein zusätzliches Objektiv kaufst, nimm das RF 50 mm f/1.8 STM. Es kostet wenig und zeigt dir sofort, was mit Hintergrundunschärfe möglich ist. Willst du das Kit-Objektiv ganz ersetzen, ist das Sigma 18-50 mm f/2.8 die beste Wahl. Und wenn du irgendwann auf Vollformat umsteigen möchtest, kaufe bevorzugt RF-Objektive, die kannst du mitnehmen.
Du hast noch keine Kamera? Dann hilft dir mein Vergleich Canon EOS R10 vs. R50 und meine Empfehlung für die Canon-Kamera für Anfänger. Alle Canon-Objektive im Überblick findest du unter Canon RF Objektive: Beste Modelle. Und wenn du deine Kamera richtig kennenlernen willst: Im Fotokurs für das Canon EOS R System arbeitest du direkt an deiner R50 oder R10.
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
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