Der Nachthimmel gehört zu den lohnendsten Motiven der Fotografie. Ein Band der Milchstraße über einer dunklen Landschaft, kreisende Sternspuren über einer Ruine oder der volle Mond in seinen Kratern entstehen alle mit derselben Grundtechnik. Astrofotografie wirkt auf Einsteiger kompliziert, verlangt aber weniger Spezialwissen als gedacht. Mit einer lichtstarken Optik, einem stabilen Stativ und den richtigen Einstellungen holst du schon in der ersten Nacht beeindruckende Bilder vom Himmel. Dieser Beitrag ist dein Einstieg: Er erklärt die Ausrüstung, die Einstellungen und den Weg zum dunklen Himmel und führt dich von hier aus zu allen Spezialthemen.
Die Kurzfassung: Du brauchst ein lichtstarkes Weitwinkel, ein stabiles Stativ und eine Kamera mit gutem Rauschverhalten. Fahre an einen dunklen Ort fernab der Städte, stelle manuell auf einen Stern scharf und fotografiere in RAW mit offener Blende, hoher ISO und einer Belichtungszeit nach der 500er-Regel. Den Rest erledigt die Bearbeitung.
Das erwartet dich im Beitrag
Was die Astrofotografie umfasst
Astrofotografie ist ein Sammelbegriff für mehrere Disziplinen, die sich in Technik und Ausrüstung unterscheiden. Am bekanntesten ist die Milchstraße, das leuchtende Band unserer Galaxie. Daneben stehen der klare Sternenhimmel, kreisende Sternspuren, der Mond, Sternschnuppen, Polarlichter und die Deep-Sky-Fotografie von Nebeln und fernen Galaxien. Die ersten Schritte sind in allen Bereichen gleich, erst danach trennen sich die Wege. Die Grundlagen aus diesem Beitrag gelten deshalb für jede dieser Richtungen.
Die Ausrüstung für den Einstieg
Drei Dinge bilden das Fundament jeder Astroaufnahme: ein lichtstarkes Weitwinkel, ein stabiles Stativ und eine Kamera, die bei hoher ISO wenig rauscht. Dazu kommen ein Fernauslöser oder der Selbstauslöser, eine Rotlichtlampe für die Orientierung und voll geladene Akkus.
Das Objektiv entscheidet am stärksten über das Ergebnis. Ein weiter Bildwinkel fängt viel Himmel ein, eine hohe Lichtstärke sammelt in kurzer Zeit das schwache Sternenlicht. Brennweiten zwischen 14 und 24 Millimetern an Vollformat mit einer Anfangsblende von f/1.4 bis f/2.8 sind ideal. Das Canon RF 14mm f/1.4 L habe ich ausführlich getestet, es zeichnet bis in die Ecken sauber. Welche Optik sonst noch taugt, zeigt der Ratgeber Objektiv für die Milchstraße.
Kompaktes und leichtes Weitwinkelobjektiv mit f/2.8-Blende, perfekt für Reise-, Landschafts- und Architekturaufnahmen.
Durch die Lichtstärke von 2.8 auch für die Astrofotografie perfekt geeignet.
- Klein
- Leicht
- Viel Weitwinkel
- günstig
- schöne Blendensterne bei f/11
- leiser, schneller Fokus
- Randunschärfen
- Vignettierung
- Gehäuse aus Kunststoff
- Nicht witterungsbeständig
- 16mm Ultraweitwinkelobjektiv für Vollformatsensor
- 165g leicht
- 43mm Filterdurchmesser
- Nur 69,2mm x 40,2mm groß
- nutzbar für: Astrofotografie, Landschaft
- bildstabilisiert: Nein
- Objektivart: Festbrennweite
Das Stativ trägt die Kamera über die gesamte Belichtung ruhig. Ein steifes Carbonstativ mit Kugelkopf wackelt nicht und bleibt leicht genug für den Transport zum dunklen Standort. Ich nutze selbst das Rollei C6i. Weitere Modelle vergleiche ich im Beitrag Stativ für die Kamera.
Bei der Kamera zählt das Rauschverhalten bei hoher ISO. Vollformatsensoren sammeln mehr Licht als kleinere Sensoren und bleiben bei ISO 3200 oder 6400 sauberer. Ich fotografiere den Nachthimmel mit der Canon EOS R6 Mark II. Welche Kameras sich eignen, vergleiche ich im Ratgeber Kamera für Milchstraße und Sterne.
Blitzschnelle Vollformat-Systemkamera - ein echter Allrounder für Reportage, Hochzeiten, Sport, Tiere und die Alltagsfotografie.
- 24.2 Megapixel Vollformat CMOS Sensor
- Serienbildrate:12 / 40 Bilder pro Sekunde (mechanisch / elektronisch)
- DIGIC X Bildprozessor
- 6K Videoaufnahme mit 60 fps (ProRes RAW extern)
- 4K 60 fps intern
- 1080p mit 180 fps
- Natives ISO von 100 bis 102,400
- 8 Stufen Bildstabilisator in 5 Achsen
- Zwei UHS-II SD Speicherkartenplätze
- Dual Pixel CMOS AF II
- 100% Fokusbereich auf Sensorfläche
- 588 Gramm leicht
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- Klapp- und schwenkbares Display
- Extrem schnelle Kamera
- Extrem guter, verlässlicher Autofokus
- Exzellente Ergonomie
- Sehr starke Videofunktionen
- Guter, klarer Sucher
- Sehr leise Kamera
- Gutes Rauschverhalten
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- Bildqualität: 9/10
- Handling: 9,5/10
- Geschwindigkeit: 10/10
- Ausstattung: 8/10
- Autofokus: 10/10
- Videofunktionen: 9/10
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Den dunklen Himmel finden
Der wichtigste Faktor für gute Astrofotos kostet nichts: Dunkelheit. Das Streulicht der Städte überstrahlt die feinen Strukturen der Milchstraße und schluckt die schwachen Sterne. Die Bortle-Skala teilt die Himmelsqualität in neun Stufen ein, von der leuchtenden Großstadt bis zum perfekt dunklen Himmel. Suche dir über eine Lichtverschmutzungskarte einen Ort mit möglichst niedriger Bortle-Stufe, fernab von Straßenlaternen und Ortschaften.
Plane außerdem um den Neumond herum. Der Vollmond erhellt den Himmel wie eine riesige Lampe und macht die Milchstraße unsichtbar. Die besten Nächte liegen in der Woche um den Neumond. Für die Milchstraße gilt zusätzlich die Saison: In Mitteleuropa steht das helle galaktische Zentrum von Februar bis Oktober über dem Horizont.
Die Kameraeinstellungen für den Nachthimmel
Stelle die Kamera auf den manuellen Modus und fotografiere in RAW. Diese Startwerte bringen dich schnell zu einem ersten Ergebnis, das du dann verfeinerst:
| Einstellung | Startwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Modus | Manuell (M) | Volle Kontrolle über alle Werte |
| Dateiformat | RAW | Maximaler Spielraum in der Bearbeitung |
| Blende | f/1.4 bis f/2.8 | So weit offen wie möglich |
| ISO | 1600 bis 6400 | Je dunkler der Himmel, desto höher |
| Belichtungszeit | nach 500er-Regel | Verhindert sichtbare Strichspuren |
| Fokus | Manuell auf einen Stern | Über die Lupe im Display einstellen |
| Weißabgleich | 3800 bis 4200 Kelvin | Hält den Himmel neutral |
Bei Nacht scharfstellen
Der Autofokus versagt am dunklen Himmel. Schalte in den manuellen Fokus, aktiviere die Lupenfunktion im Display und richte sie auf den hellsten Stern. Vergrößere maximal und drehe am Fokusring, bis der Stern zu einem winzigen, scharfen Punkt wird. Danach lässt du den Ring in Ruhe und sicherst ihn bei Wind mit einem Streifen Tape. Dieser eine Schritt entscheidet über scharfe oder verwaschene Sterne.
Die 500er-Regel für punktförmige Sterne
Die Erde dreht sich, und mit ihr scheinen die Sterne zu wandern. Belichtest du zu lange, werden aus Punkten kleine Striche. Die 500er-Regel gibt dir die längste Belichtungszeit ohne sichtbare Strichspuren: Du teilst 500 durch deine Brennweite. Bei 14 Millimetern ergibt das rund 35 Sekunden, bei 24 Millimetern etwa 21 Sekunden. An APS-C teilst du das Ergebnis zusätzlich durch den Cropfaktor. Noch genauer rechnet die NPF-Regel, die auch die Blende und die Pixelgröße berücksichtigt. Beide Rechenwege erkläre ich im Beitrag Belichtungszeit für die Milchstraße berechnen.
Die Disziplinen im Überblick
Sobald die Grundlagen sitzen, wählst du deine Richtung. Jede Disziplin hat ihren eigenen ausführlichen Ratgeber, der auf diesem Fundament aufbaut:
- Milchstraße fotografieren: Das galaktische Band über einer Landschaft, die Königsdisziplin für den Einstieg.
- Sterne fotografieren: Der klare Sternenhimmel mit einzelnen Konstellationen, ohne aufwendiges Stacking.
- Polarlichter fotografieren: Die Aurora, die bei starken Sonnenstürmen auch über Deutschland leuchtet.
- Sternschnuppen fotografieren: Meteorströme wie die Perseiden mit langen Belichtungsreihen einfangen.
- Mond fotografieren: Der Mond mit seinen Kratern, aufgenommen mit einem Teleobjektiv.

Planeten fotografieren
Planeten sind ein eigenes Feld. Jupiter, Saturn und Mars leuchten hell, zeigen am Himmel aber nur ein winziges Scheibchen. Hier zählt nicht die Lichtstärke, sondern die Vergrößerung. Du brauchst eine lange Brennweite ab etwa 1000 Millimetern, erreicht über ein Teleskop oder ein starkes Teleobjektiv mit Telekonverter. Die Blende spielt kaum eine Rolle, weil die Planeten genug Licht liefern.

Die beste Technik heißt Lucky Imaging. Du filmst den Planeten einige Minuten als Video und überlässt der Software die Auswahl der schärfsten Einzelbilder. Programme wie AutoStakkert und RegiStax rechnen aus tausenden Frames die ruhigsten heraus und stapeln sie zu einem detailreichen Bild. So umgehst du das Luftflimmern, das jede Einzelaufnahme verwischt. Die Luftruhe, das sogenannte Seeing, entscheidet über das Ergebnis stärker als jede Ausrüstung.
Nebel mit dem Teleobjektiv fotografieren
Helle Nebel wie der Orionnebel, der Nordamerikanebel oder die Andromedagalaxie gelingen schon mit einem Teleobjektiv, ganz ohne Teleskop. Brennweiten zwischen 135 und 300 Millimetern rücken die Objekte heran und bilden sie flächig ab. Bei dieser Brennweite erlaubt die 500er-Regel aber nur Sekundenbruchteile, bevor die Sterne zu Strichen werden. Für die schwachen Nebel reicht dieses Licht nicht.

Die Lösung ist ein Star Tracker, eine kleine Nachführung, die die Kamera der Erddrehung nachführt. Nach dem Einnorden auf den Polarstern dreht sie die Kamera exakt mit dem Himmel mit. Dadurch belichtest du ein bis vier Minuten am Stück, senkst die ISO und sammelst deutlich mehr Signal. Mehrere Aufnahmen stapelst du anschließend zu einem rauscharmen Bild. Ich nutze dafür den Vixen Polarie.
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Ein Schmalband- oder Nebelfilter hebt die Emissionsnebel zusätzlich vom aufgehellten Himmel ab und rettet selbst in Stadtnähe brauchbare Aufnahmen.
Deep Sky mit Teleskop, Nachführung und Guiding
Für ferne Galaxien und lichtschwache Nebel in voller Auflösung führt der Weg zum Teleskop. Es ersetzt das Objektiv und bringt die nötige Brennweite und Öffnung mit. Refraktoren mit Linsen liefern farbreine, kontrastreiche Bilder und gelten als einsteigerfreundlich. Spiegelteleskope wie der Newton sammeln bei gleichem Preis mehr Licht, verlangen dafür mehr Pflege und Justage.
Das Teleskop sitzt auf einer parallaktischen Montierung, die zur Erdachse ausgerichtet wird und den Himmel per Motor nachführt. Bei langen Brennweiten reicht die reine Nachführung nicht mehr aus, weil kleinste Fehler die Sterne verziehen. Hier kommt das Guiding ins Spiel: Ein zweites kleines Fernrohr mit Guidingkamera beobachtet einen Leitstern, und eine Software wie PHD2 korrigiert die Montierung mehrmals pro Sekunde. So bleiben die Sterne auch über viele Minuten punktförmig.

Den größten Qualitätssprung bringt eine dedizierte Astrokamera. Ihr gekühlter Sensor senkt das thermische Rauschen deutlich, was bei Belichtungen über viele Minuten den Unterschied macht. Monochrome Modelle nehmen durch einzelne Farb- und Schmalbandfilter auf und holen bei Emissionsnebeln das Maximum heraus, Farbkameras vereinfachen dafür den Ablauf. Das fertige Bild entsteht aus dutzenden Einzelaufnahmen, die zu einem tiefen Gesamtbild verrechnet werden. In diesen Bildern stecken viele Stunden Belichtungszeit.
Die Ausbaustufen bauen aufeinander auf. Die folgende Übersicht zeigt, welche Ausrüstung zu welchem Ziel passt:
| Ausbaustufe | Ausrüstung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Stativ | Kamera plus Weitwinkel | Milchstraße, Sternspuren, Mond |
| Star Tracker | Nachführung plus Teleobjektiv | Helle Nebel, Andromeda, weite Felder |
| Teleskop mit Guiding | Montierung, Guiding, Astrokamera | Galaxien, schwache Deep-Sky-Objekte |
Der Sprung zum Teleskop bedeutet mehr Aufwand, Kosten und Einarbeitung. Für den Anfang reichen Stativ und Star Tracker vollkommen, um den Himmel eindrucksvoll abzubilden.
Die Nachbearbeitung holt das Bild heraus
Die RAW-Datei wirkt direkt aus der Kamera flach und dunkel. Erst in der Bearbeitung entsteht das fertige Bild. Du setzt den Weißabgleich, hebst den Kontrast der Milchstraße an und entfernst das Rauschen mit der KI-Entrauschung. Wer das Rauschen weiter senken will, nimmt mehrere identische Aufnahmen auf und rechnet sie zu einem Bild zusammen, das sogenannte Stacking. Eine gespeicherte Vorgabe beschleunigt den Weg zum Ergebnis. Wie du eine solche Vorgabe anlegst, zeige ich dir im Beitrag Eigene Lightroom-Presets erstellen.
Häufige Fragen zur Astrofotografie
Welche Ausrüstung brauche ich für den Einstieg in die Astrofotografie?
Ein lichtstarkes Weitwinkel mit f/1.4 bis f/2.8, ein stabiles Stativ und eine Kamera mit gutem Rauschverhalten. Dazu ein Fernauslöser und eine Rotlichtlampe für die Orientierung im Dunkeln.
Was ist die 500er-Regel?
Die 500er-Regel gibt die längste Belichtungszeit ohne sichtbare Strichspuren. Du teilst 500 durch die Brennweite. Bei 14 Millimetern ergibt das rund 35 Sekunden. An APS-C teilst du zusätzlich durch den Cropfaktor.
Wann sieht man die Milchstraße in Deutschland?
Das helle galaktische Zentrum steht in Mitteleuropa von Februar bis Oktober über dem Horizont. Plane um den Neumond und fahre an einen dunklen Ort fernab der Städte.
Brauche ich eine Vollformatkamera?
Eine Vollformatkamera rauscht bei hoher ISO weniger und erleichtert den Einstieg. Gute Ergebnisse gelingen aber auch mit APS-C, wenn du an einem dunklen Standort fotografierst und die Bilder entrauschst.
Warum sind meine Sterne unscharf?
Meist stimmt der Fokus nicht. Stelle manuell über die Lupe auf einen hellen Stern scharf und sichere den Fokusring. Zu lange Belichtungszeiten erzeugen zusätzlich Strichspuren statt Punkte.
Mit welcher Disziplin willst du starten? Schreib es mir in die Kommentare, und stöbere in den verlinkten Ratgebern für die Details zu deinem Wunschmotiv.
Der Beitrag wurde verfasst von: Stephan Forstmann – Fotograf, Autor und Fotografie-Tutor

Ich bin Stephan Forstmann, Berufsfotograf aus Leidenschaft und seit über 30 Jahren mit der Kamera unterwegs. Die letzten 10 davon professionell.
Fotografisch bin ich vor allem bei Hochzeiten, Portraits, Paaren & Familien, Reportagen, Veranstaltungen und in der Milchstraßenfotografie zu Hause. Ich leite Fotokurse für Anfänger und fortgeschrittene Fotografen sowie Milchstraßenfotokurse. Ich erstelle Tutorials, in denen ich meine Foto-Erfahrungen aus der Praxis weitergebe. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, kam ich aus der IT und habe viele Jahre im Marketing gearbeitet. Eine Kombination, die mir heute bei Technik, Workflow und Kundenkommunikation enorm hilft.
In diesen Beitrag habe ich viel Rechercheaufwand, Zeit und Herzblut investiert und ich gebe gerne mein Fachwissen an andere Fotografiebegeisterte weiter. Das macht aber auch sehr viel Arbeit und braucht vor allem viel Zeit. Fandest du diesen Artikel hilfreich und hast ihn gerne gelesen? Dann spendiere mir doch einen Kaffee für meine Mühe! Damit hilfst du mir und meiner Familie, hier alles am Laufen zu halten.
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