Test: Canon EOS R – Review / Testbericht auf deutsch

Willkommen beim Test zur Canon EOS R – Review / Testbericht auf deutsch:
Liest man sich durch die ganzen Internetrezensionen und Tests, wird wohl derzeit kaum eine Kamera mehr in der Luft zerrissen, als die Canon EOS R – die erste Vollformat-Systemkamera von Canon.

Laut Datenblättern und den ganzen „Kritikern“ im Netz, ist die Canon EOS R also ein Schuss in den Ofen, wenn man Kommentare wie „Das ist Technik von 2015!“, oder „LOL, die kann nur 8 Bilder die Sekunde!“ in Foren oder auf Youtube so sieht…

Die Canon EOS R ist wohl also eine Kamera, die auf den ersten Blick den Modellen von Sony und Nikon gnadenlos unterlegen ist… Oder etwa doch nicht?

Die Canon EOS R mit einem 35mm 1.4 II L USM am EF-RF-Adapter
#Transparenz

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Gehen wir in diesem etwas anderem Review zur Canon EOS R auf die ganzen Aussagen ein. Ich habe nun den mutigen Schritt gewagt und unsere wirklich in die Jahre gekommene 5D Mark II gegen die EOS R getauscht. Und ich kann schon mal so viel verraten: Selbst meine bisherige Hauptkamera, die Canon 5D Mark IV* wird von der Canon EOS R* gnadenlos in den Schatten gestellt! Und das heißt nicht, dass die 5D Mark IV eine schlechte Kamera ist. Ganz im Gegenteil!

Wer mir/bzw. uns (@tinaundmaxim) schon länger folgt, der weiß ja, dass wir schon immer mit Equipment von Canon fotografieren. Meine beiden Hauptobjektive sind das Canon 35mm 1.4 II L USM* und das Canon 135mm 2.0 L USM* , aber auch das Tamron 85mm 1.8 SP VC, Sigma 50mm 1.4 Art* und ein Sigma 20mm 1.4 Art* nutzen wir regelmäßig. Und das machen wir nicht ohne Grund. Wenn das Equipment abliefert, gut in der Hand liegt und du es im Schlaf bedienen kannst, dann gibt es keinen Grund über einen Systemwechsel nachzudenken.

Der ganze Datenblatt-Bullshit

Machen wir kurz noch einmal einen Ausflug zum Datenblatt-Hating. Die wohl meisten Kritikpunkte aus den ersten Tests der Canon EOS R sind die Folgenden:

• Angeblich ist in der EOS R ein alter, schlechter Sensor verbaut
• Die EOS R hat keinen IBIS (In Body Image Stabilization – also Bildstabilisierung auf dem Sensor)
• Die EOS R hat hur einen Kartenslot, das geht gar ja nicht!
• 4K mit krassem Crop disqualifiziert die EOS R angeblich für Video

Schütteln wir mal diesen ganzen Datenblatt-Mist ab und beschäftigen uns ernsthaft mit den Features der EOS R!

Der verbaute Sensor

Der Sensor der EOS R ist wirklich gar nicht so schlecht!

Der Sensor der EOS R wurde ja ebenfalls im Netz schlechtgeredet. In etwa handelt es sich um den Sensor der 5D Mark IV. Sicher, er kommt nicht an den Dynamikumfang der BSI-Sensoren von Sony (und Nikon) ran. Das stimmt. In der Realität muss ich aber kein Foto in der Nachbearbeitung um 5 Blenden raufziehen – erst recht nicht, wenn ich mit einer spiegellosen Kamera fotografiere und im Sucher sehe, wie das Foto bereits aussieht. Klar gibt es Lichtsituationen, in denen man mal nachträglich selektiv Bereiche stark aufhellen muss. Aber mehr als 2-3 Blenden musste ich da noch nie aufhellen. Und das ging selbst mit der alten Canon 5D Mark II. Übrigens: wer die Tiefen mit Werten um bis zu 100 raufzieht, der hat Fotografie dann nicht ganz verstanden. Die bessere Lösung für so etwas ist eh immer „fix it while shooting!“.

Das Rauschverhalten ist wie an der 5D Mark IV auf einem wirklich sehr guten Level, höher als ISO 6400 gehe ich sowieso nie. Im Grunde sind alle modernen Vollformat-Sensoren so weit entwickelt, dass es fast keinen Unterschied macht. Die wohl größte Stärke des Sensors liegt ganz klar auf der Hand: Das Arbeiten mit dem grandiosen Dual Pixel AF und einer atemberaubenden Fokusgeschwindigkeit.

So und jetzt kommt´s: vergleicht man die A7III mit der EOS R, muss man bedenken, dass hier 24 gegen 30 Megapixel stehen. Logisch, dass ein Sensor mit 6 Megapixeln mehr durchaus nicht den gleichen Dynamikumfang hat.

Kein IBIS

Ja, hier hat Canon leider nicht geliefert. Einen kamerainternen Bildstabilisator zu haben ist ein dickes Plus in verschiedenen Situationen. Das ist für mich der wohl stärkste Punkt, der gegen die EOS R spricht. Betrachte ich aber meine Arbeitsweise der letzten Jahre sehe ich eines: Ich habe jahrelang ohne Bildstabilisator fotografiert und bin damit auch sehr gut klargekommen. Für mich ist das also nicht wirklich kaufentscheidend – noch bin ich jung und kann die Kamera ruhig halten. Hält man die Belichtungszeiten in etwa bei 3 x Brennweite, kommen auch ohne Stabi eigentlich immer scharfe Fotos bei rum.

Auch beim Filmen ist ein interner Stabilisator sehr wertvoll. Canon nutzt beim Aufzeichnen von Videomaterial einen softwarebasierten Stabilisator, der zumindest in zwei Achsen stabilisieren kann. Wer viel filmt, wird eh mit einem Gimbal unterwegs sein und der langt in der Regel auch. Ich mag Videomaterial mit dem IBIS der Sonys nicht gern anschauen. Es „wabbert“ mir zu sehr am Rand. Aber hey das ist auch Geschmackssache.

Ich tippe sehr stark darauf, dass Canons nächste Pro-Mirrorless definitv einen IBIS haben wird.

Nur ein Kartenslot

Wer von einer Kamera mit zwei Kartenslots kommt, wird den einzelnen Kartenslot der EOS R sehr kritisch betrachten. Zugegeben, das habe ich anfangs auch. Aber, ich und alle anderen Fotografen in meinem Bekanntenkreis haben jahrelang mit nur einem Slot in einer 6D oder 5D Mark II fotografiert.

Ja, ein Datenverlust ist auf einer Hochzeit der Horror. Wenn man jedoch mit seinen Speicherkarten entsprechend sorgsam umgeht, ist das Risiko wirklich sehr sehr gering. Ich empfehle eh immer nur kleine Marken-SD-Karten mit 16 oder 32 GB zu nutzen und regelmäßig zu wechseln und ggf. jährlich auszutauschen.

Datenverlust kann auch auf anderen Wegen auftreten. Schon einmal daran gedacht, dass jemand die Fototasche mit allen Karten des Hochzeitstages auf einer Hochzeit klauen kann? Das passiert wesentlich häufiger, als dass eine SD-Karte den Geist aufgibt.

Die EOS R kann übrigens in Echtzeit aufgenommene Fotos via WIFI direkt auf ein gekoppeltes Smartphone senden. Das ist zwar keine extrem sichere Backupvariante, aber es ist zumindest eine.

4K mit krassem Crop

Für mich als Hochzeitsfotograf ist das auf Deutsch gesagt total Latte. Ja, ich filme auch während einer Hochzeit vereinzelt Sequenzen mit. Da langt mir aber Full HD dicke. Übrigens skaliere ich die mit 1080p gefilmten Videos einfach auf 4K hoch. Beschwert hat sich bisher noch keiner darüber.

Für Youtuber und Instagramer, die unbedingt 4K brauchen: Holt euch eine EF-S Linse für die EOS R. Dann ist der Crop egal. Ein Geheimtipp soll ja das Sigma Art 18-35mm 2.0 oder das Sigma Art 30mm 1.4 sein…

Was keiner auch nur im Ansatz erwähnt: Die EOS R bietet euch im 4K eine Bitrate von 480Mbps, Sony gerade mal 100. Canon schenkt euch also die vierfache Menge an Informationen ggü. Sony – Das ist nicht unerheblich!

Die guten Dinge an der Canon EOS R, die keiner erwähnt

So, nachdem ich mich erstmal über die stark kritisierten Punkte vom Datenblatt geäußert habe, möchte ich erstmal die wirklich gelungenen Features der EOS R vorstellen, die fast nirgends erwähnt werden:

Sensor wird vor Staub geschützt, wenn die Kamera ausgeschaltet wird

Ein tolles Feature! Wenn ich die EOS R ausschalte wird der Sensor geschützt, so dass nicht sofort sämtlicher Staub drauffliegt, wenn man ein Objektiv wechselt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man optional einstellen kann, dass der Sensor automatisch verschlossen wird, wenn man das Objektiv vom Bajonett trennt. Vielleicht kommt das ja noch mit einem Firmwareupdate.

Touch and Drag Fokuswahl

Ich dachte, ich wäre schnell, was die Wahl des Fokusfeldes angeht. Ich stelle mit der 5D Mark IV auf Hochzeiten mittels Joystick bzw. wenn es noch schneller gehen muss mittels Einstellräder blind den Fokuspunkt ein, ohne die Kamera vor dem Gesicht zu haben. Andere Fotografen behaupten da bis heute, dass das extrem umständlich wäre und gar nicht geht.

Der Touch and Drag Fokus der EOS R ist für mich ein Game-Changer. Kein Joystick kommt an die Geschwindigkeit bei der Fokusfeld-Wahl ran. Ich kann den Fokuspunkt in Sekundenbruchteilen über den Touchscreen wählen, wenn ich durch den Sucher schaue. Damit die Nase nix versehentlich fokussiert, kann der hierfür nutzbare Bereich auf dem Display eingeschränkt werden, was extrem nützlich ist!

Zwei Modi stehen zur Verfügung: Absolut und relativ. Der absolute Modus ist schneller, erfordert aber etwas mehr Übung. Der relative Modus eignet sich für feine Justierungen. Seit Firmware-Version 1.4.0 arbeite bevorzugt mit dem relativen Modus, da hier die Geschwindigkeit extrem verbessert wurde – auf Hochzeiten muss es schließlich schnell gehen.

Kurzer Hinweis an die „kein Joystick-Fraktion“: Glaubt mir – Mit dem Joystick seid ihr nicht schneller. Blättert mal 2500 Fokuspunkte durch – das dauert deutlich länger. Ich habe jahrelang mit dem Joystick gearbeitet – ich vermisse ihn überhaupt nicht und erwische mich regelmäßig dabei, wie ich versuche ganz schnell an meiner 5D Mark IV auf dem Display via Touch and Drag den Fokuspunkt zu verschieben – was ja leider nicht geht 😉

Den Fokuspunkt vorm eigentlichen Fotografieren vorauszuwählen geht auch super: man kann bevor man die Kamera vor die Nase nimmt den Fokuspunkt nämlich mit einer Berührung in die richtige Ecke setzen.

Manual-Focus-Aid

Wird leider fast nirgends erwähnt, aber die Art und Weise, wie Canon die Unterstützung für manuelles Fokussieren umgesetzt hat, ist perfekt und macht die Arbeit mit manuellen Objektiven noch leichter und mein Samyang XP 85mm 1.2 kommt auch mal wieder zum Einsatz.

Meine Erfahrungen mit der Canon EOS R

Ergonomie

Chapeau Canon! Ihr habt eine Kamera gebaut, die für mich perfekt in der Hand liegt. Ich möchte Sie nicht mehr aus der Hand legen und an die neuen Button-Plätze der EOS R gewöhnt man sich schnell. Die Kamera lässt sich mit beiden Händen sehr stabil halten und ich finde sie „bequemer“ als meine 5D Mark IV. Canon, bitte nehmt für eure zukünftigen Kameras genau das Material, das ihr bei der EOS R am Griff für die Gummierung genutzt habt. Es fühlt sich einfach fantastisch an.

Der Kontrollring des Adapters (oder die Objektive mit RF-Mount) eröffnet noch leichtere Möglichkeiten der Fotografie: Ganz Konkret gesagt ist das die Nutzung der EOS R im AV Modus mit Auto-Iso in Kombination mit der Belichtungskorrektur auf dem Kontrollring – Fertig ist eine Kamera, die für schnelle Situationen perfekt taugt.

Das ganze wird noch gepaart mit zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten für einzelne Knöpfe. So kann man bei der EOS R beispielsweise mit einem Tastendruck zwischen den drei Custom-Modi wechseln. Dadurch kann man besonders in der Fotoreportage extrem schnell und flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren, ohne das Auge vom Sucher zu nehmen.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch: Ich hätte mir gewünscht, dass der AF-On Taste der EOS R Canon einen kleinen „Knubbel“ angebracht hätte, damit diese Taste besser zu erfühlen ist.

Die Touch-Bar der EOS R

Ein Satz mit X – das war wohl nix. Ja, die Touch-Bar der EOS R ist für viele ein Griff ins Klo. Sie ist zu Fehleranfällig, da man sie zu leicht und aus Versehen berühren kann und dann ggf. irgendwas wichtiges verstellt. Und ich finde dass das Durchschalten von Optionen mittels dieser Bar zu langsam ist. Die Bar ist bei meiner EOS R ausgeschaltet und hier hätte man lieber zwei Knöpfe mehr verbaut. Wahrscheinlich waren aber zwei konventionelle Knöpfe für Canon nicht „hip“ genug.

Die einzig sinnvolle Nutzung der Touch-Bar an der EOS R ist für mich beim Fotografieren das Einblenden des Histograms und der Wasserwaage und im Wiedergabemodus das Durchscrollen der Fotos, wie man es mittels Daumenrad an der 1er und 5er Serie bereits kennt.

Der Sucher der EOS R

Ein absoluter Traum. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so schnell an einen elektronischen Sucher gewöhne. Der Sucher der EOS R ist glasklar, kontrastreich, scharf und macht einfach Spaß!

Im Vergleich zu einer Sony Alpha 7 III ist der Sucher der EOS R überragend. Während der Sucher der Sony im Sonnenlicht permanent flimmert, so sieht man bei der EOS R immer ein glasklares Sucherbild, was mir die Umstellung auf ein spiegelloses System extrem erleichtert hat.

Was mich ebenfalls umgehauen hat: Beim Fotokurs: „Milchstraße fotografieren“ konnte ich die Milchstraße in Kombination mit dem Canon 35mm 1.4 L II durch den Sucher erkennen, was Komposition und Fokus extrem einfach gemacht hat!

Was mir jedoch nicht gefällt, ist die Polsterung ganz oben am Sucher. Ich finde, dass sie leider zu dünn ist. Nach vier Stunden Foto-Reportage hatte ich eine rote Stelle an meiner rechten Augenbraue – ein Indiz dafür, dass da ruhig mehr Polsterung verbaut sein könnte, denn an der 5D Mark IV merke ich das erst nach sechs bis acht Stunden.

Autofokus der EOS R mit dem EF auf RF Adapter

Extremes Gegenlicht – direkt in die Sonne – die Canon EOS R fokussiert trotzdem problemlos. EOS R mit Canon 135mm 2L USM bei Blende 2.0

Canon hat mit der EOS R nicht zuviel versprochen. Alle meine „alten“ EF Objektive funktionieren perfekt an dem Adapter – egal in welchem Modus. Ehrlicherweise funktionieren die Objektive noch besser als an der 5D Mark IV, da nun der Fokus immer perfekt sitzt!

Wie gut der Autofokus der EOS R ist, zeigt dieses Foto: Ich musste nicht mal die Sonne mit der Hand verdecken, um überhaupt zu fokussieren. Mühelos hat die EOS R ins direkte Gegenlicht der Sonne fokussiert (Fokuspunkt lag auf den Händen) – einfach grandios!

Das Face und Eye-Tracking der EOS R funktioniert unglaublich gut und präzise. Der Augen AF mit dem Sigma Art 50mm 1.4 macht einfach nur Spaß. Jedes Foto ist bei Blende 1.4 knackscharf – vorher war das ja immer ein bisschen wie Lotto spielen.

Wie gut ein Fremdhersteller-Objektiv am EF-RF-Adapter funktioniert, zeigen die Fotos, die ich mit dem Sigma Art 50mm 1.4 gemacht habe. Alle Fotos wurden mit Offenblende 1.4 an der Canon EOS R fotografiert.

Das gleiche Bild ergibt sich mit dem oft unterschätzten Canon 135mm 2.0 L an der Canon EOS R. Mit diesem Objektiv eignet sich die EOS R perfekt für die Hochzeitsreportage aus der Distanz. Ich bekomme die Gäste nun noch schneller unbemerkt in guten Momenten fotografiert und der Fokus sitzt auch schon beim ersten Foto perfekt.

Bereits nach den ersten 15 Minuten mit der Kamera hatte ich blindes Vertrauen in den Autofokus. Endlich kann ich bedenkenlos mit Offenblende fotografieren – so wie an der 5D Mark IV über das Display.

Die nachfolgenden Fotos entstanden alle mit dem Canon EF 135mm 2.0 USM und der Canon EOS R bei Blende 2.

Servomodus + Gesichts- & Augen-AF an der Canon EOS R

Eines vorweg: aktualisiert die Firmware der Kamera unbedingt mindestens auf Version 1.2.0 1.4.0! Durch die Aktualisierung ist der Augen-Autofokus auch im kontinuierlichem Servo-Modus verfügbar, was unfassbar gut funktioniert! Das Update auf Version 1.4 lohnt extrem, da zudem auch der Augen-AF noch schneller und zuverlässiger wurde als bei Version 1.2.0 (siehe weiter unten).

Update: EOS R Firmware 1.4.0

Ende September hat Canon ein Firmware-Update veröffentlicht, dass sich merklich auf die Autofokus-Leistung der R ausgewirkt hat. Der Autofokus wurde noch weiter verbessert – insbesondere das Tracking mit dem Augenautofokus funktioniert nun noch besser und verfolgt Augen und andere Objekte nun auch auf weitaus größere Entfernungen extrem präzise, sowohl im Foto- als auch im Videomodus.  Dazu ist das Verschieben des Fokuspunktes via Touch-and-Drag noch „weicher“ geworden und ist nun deutlich schneller.

Die Arbeit mit der EOS R macht mir nun noch mehr Spaß als zuvor und ich verlasse nur noch selten den Servo-Modus.

Ich nutze den Augen AF oft bei Portraits und bei Familienshootings – ab und an sogar in etwas extremeren Situationen: Einmal beim herumhüpfen auf dem Trampolin in Verbindung mit einem 50mm 1.4 Art von Sigma und dann gegen direkt das Licht beim Kirschen pflücken.

Bildqualität der EOS R

Die Bildqualität der Canon EOS R entspricht in etwa der 5D Mark IV. Das kann ich bestätigen. Hier gibt es schon genug Material im Netz, das man sich herunterladen kann. Aber schaut selbst: Mangels Katze, entstanden diese Testfotos auf einem Feldweg und bei einem Dorfspaziergang.

High ISO

Die Milchstraße – fotografiert in Deutschland bei extremer Lichtverschmutzung mit der EOS R bei ISO 6400

Auf Hochzeiten erlebe ich eigentlich jedes Wochenende Situationen, bei denen das vorhandene Licht meine Kameras an die Grenzen bringt. Auch wenn ich selten ISO-Werte über 6400 nutze und spät am Abend dann bevorzugt blitze, bin ich mit der Leistung der R komplett zufrieden. Auch bei Fotos vom Nachthimmel mit sehr hohen ISO-Werten macht die R einen exzellenten Job.

Akkuleistung

Ja, die Akkuleistung der EOS R ist schlechter als an der 5D Mark IV, aber sie ist okay. Ich hatte bei rund 1000 geschossenen Fotos noch ca. 30% Akku. Wobei ich sagen muss, dass ich keine großen Optimierungen am Stromverbrauch vorgenommen habe, das Display auch selten ausgeschaltet hatte und da noch ein bisschen mit den Einstellungen spielen muss. Für mich bleibt die Canon 6D wohl auf ewig die Königin der Akkulebensdauer 🙂
Update Mitte Juli: Auf den letzten Hochzeiten hatte ich die EOS R sechs bzw. sieben Stunden im Einsatz. Der Akku hält bei mir auf Hochzeiten ca. 5 Stunden durch. Auf der letzten Hochzeit hätte ich auch wohl noch die letzte Stunde mit dem Akku geschafft, hatte ich ihn jedoch aus Gewohnheit vorher gewechselt.

Verdammt ist die EOS R leise!

Der Verschluss der EOS R ist angenehm leise und „kurz“ – klar es gibt ja auch keinen Spiegelschlag. Nach unserer ersten kirchlichen Trauung mit der EOS R bekam ich vom Pfarrer übrigens (ohne das ich gefragt hatte!) das Feedback, dass er kein einziges mal meine Kamera hat klicken hören. Ja, ich habe teils mal mit dem lautlosen, elektronischem Verschluss gearbeitet, aber der mechanische Verschluss ist auch so schon so leise, dass sich wohl niemand daran stören wird.

Die EOS R verändert verbessert meine Arbeitsweise

Die Kamera ist doch egal… jein – es gibt sie eben doch: die kleinen, aber feinen Dinge, die dafür sorgen, dass man mit einer neuen Kamera bessere Fotos macht: Mit der EOS R kann ich unkompliziert im AV-Modus mit Auto ISO arbeiten, da ich im Sucher das Endergebnis sehe. Ich brauche nur am Rad für die Belichtungskorrektur drehen und drücke ab. Ich muss nicht mehr ständig Belichtungszeiten umrechnen, ISO verstellen oder auf dem Display schauen, ob korrekt belichtet wurde. Das ist klasse. Dadurch habe ich mehr Zeit „zu sehen“ – also nach dem nächsten Foto Ausschau zu halten oder über die Komposition nachzudenken – wunderbar!

Und hier möchte ich euch noch ein paar Fotos zeigen, die mit der EOS R in der letzten Saison entstanden:

Und auch ein Video, dass ich mit der EOS R und unstabilisierten Objektiven gefilmt habe möchte ich auch noch zeigen:

Meine Erfahrungen mit der Canon EOS R

Ich habe eine neue Lieblingskamera – die Canon EOS R* liefert das ab, was sie verspricht. Ich bin froh darüber, dass ich sie gekauft habe und nutze Sie seit Herbst 2019 als Hauptbody. Meine 5D Mark IV wurde zum Second Body degradiert.

Die Canon EOS R ist auch heute noch eine unterschätzte Kamera, die mehr kann, als man auf den ersten Blick erahnt. Ich bin besonders gespannt, was Canon mit dem R-Lineup noch so vor hat und freue mich schon auf die neue R5 und R6, die ich sicher testen werde!!

Meine Erfahrungen: Was mir an der Canon EOS R nach einem Jahr immer noch gefällt:

  • Die Kamera liegt exzellent in der Hand und die Bedienung macht Spaß
  • Der Autofokus der EOS R ist der absolute Wahnsinn
  • Servo-Modus für kontinuierliches Nachführen ist extrem gut – sowohl im Foto- als auch im Videobetrieb
  • Einfache, für Canon typische, intuitive Bedienung
  • Sehr leise Kamera, im Vergleich zur 5D Mark IV
  • Präzises Face-Tracking & extrem verlässlicher Augenautofokus! Ein Gamechanger für die Arbeit mit offenblendigen Objektiven wie dem Sigma 105mm 1.4 Art
  • Objektive von Drittanbietern fokussieren exakt und sicher. Besonders die Sigma Art und Tamron SP Serien
  • Wählen des Fokuspunktes via Touch and Drag ist extrem schnell und präzise.
  • Geringes Gewicht
  • EF-RF-Adapter funktioniert perfekt
  • Sucher so scharf, dass ich sogar beim 80mm 2.8 Tilt-Shift die Schärfeebene sehe
  • Hohe Konfigurierbarkeit
  • Video mit 60fps im Full HD-Modus und Autofokus läuft extrem gut

Neutral:

  • Nur ein Kartenslot
  • Kein Fullframe 4k Video

Negativ:

  • Kein IBIS
  • 120fps Video nur mit 720p
  • Touchbar leider nicht vernünftig nutzbar – nutze ich derzeit zum Ein- und Ausschalten der Wasserwaage und des Histograms

 

Nun interessiert mich eure Meinung! Habt ihr Erfahrungen mit der Canon EOS R gemacht? Was findet ihr an der EOS R gelungen? Was nicht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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28 Kommentare zu Test: Canon EOS R – Review / Testbericht auf deutsch

  1. Basti Juli 15, 2019 at 8:36 pm

    Hey, danke für den eos r Beitrag. Hast du zufällig einen Beitrag zu den Settings die du in der Kamera nutzt?

    1. Walter Juli 18, 2019 at 9:01 am

      Danke, für Dein Beitrag, die EOS R hab ich auch, bin von 1DX II „herabgestiegen“ auf die „R“ und bin dennoch zufrieden!
      Den mechanischen Verschluß finde ich noch zu laut, deutlich hörbar in leisen Räumen, und Augen AF so wie Gesichtserkennung geht bei Querformat- Ganzkörper Porträts oft „verloren“, kann mir vorstellen das es besser werden kann…
      Und offenblendig fotografieren macht mit „R“ echt Spaß!

      1. Maxim Juli 18, 2019 at 9:23 am

        Hallo Walter, danke für deinen Kommentar!
        Nun der mechanische Verschluss ist im Vergleich zur 5D Mark IV doch deutlich leiser. Ich durfte jetzt schon drei kirchliche Trauungen mit der R fotografieren und habe jedes mal von den Pfarrern das Feedback bekommen, dass das Auslösegeräusch nicht wahrgenommen wurde.

        Was mir aufgefallen ist: Der Gesichts- & Augen-AF ist teils sehr abhängig von Brennweite und Abstand zum Motiv. Bei meinem EF 35mm 1.4 L II erkennt die R Gesichter ab ca. 4-5 Metern nicht mehr so sicher. Beim 50mm 1.4 Sigma Art ist das wiederum kein Problem und macht an der EOS R irre viel Freude. Und bei meinem 135mm 2.0 L ist der Gesichts- & Augen-AF wirklich ein Traum!

        Ich glaube auch, dass da noch sehr viel Verbesserungspotiential drin ist, gerade weil das ja alles auf Software basiert. Hier kann man also nach und nach Funktionen verbessern und aufrüsten.

        Man muss halt bedenken: Es ist Canons erste spiegellose Vollformat und es kam ja auch recht zügig ein Firmwareupdate mit neuen Funktionen nach. Ich denke, es wird mit der Firmaware 1.3.0 noch weitere Verbesserungen geben.

  2. t31 August 8, 2019 at 1:53 pm

    Schön zu lesender Bericht, frei von 4K die Welt geht unter. Das generelle Problem der heutigen Zeit sind Leute, die nicht wirklich arbeiten, die nicht wirklich kaufen, die nur leihen oder sich kostenlose Testexemplare zuschicken lassen und dann „drück den Abo-Knopf und Like“-süchtig praxisfremde Szenarien ausdenken und irgendwie mindesten auf 10min kommen müssen, nicht wirklich die Kamera im Sinn haben, noch brauchen.
    Was nutzt einem ein Dynamikwunder, wenn man es nicht gescheit bedienen kann.
    Seit wenigen Tagen besitze ich nun auch die schlechteste Kamera aller Zeiten und kann sagen, bis ISO 1600 wunderbar, ISO 3200 mit Nachbearbeitung, ISO 6400 verwend- aber nicht wirklich nachschärfbar, da Artefakte sichtbar werden.
    Die Laustärke beim Auslösen empfinde ich eher laut und trocken, sehr auffallend – lautlos habe ich noch nicht benutzt. Was mir klar auffällt – ich besitze auch die 6DII – der AF ist mir zu langsam. Ich weiß das der AF vom Objektiv abhängt (16-35 und 24-70), eine RF-Linse kommt demnächst, mal schauen. Der Vorteil der R ist, das sie praktisch fast überall fokusiert, während die 6DII z.B. mehr oder minder nur zentral fokusieren kann.
    Die Touchbar empfinde ich auch als unbrauchbar, zum einem muss sie aktiviert werden (kostet Zeit), zum anderem habe ich da nur die ISO rauf bekommen (wozu?, entweder ich gebe sie vor oder verwende AutoISO).
    Die AF-ON-Taste finde ich auch suboptimal, auch das das Display oft ausgeht, wenn man den Sucher ein wenig verdeckt – intelligenter wäre es, wenn das Menü aktiv ist, bleibt es an, denn warum soll ich das Menü im Sucher anschauen?
    Eine weitere Sache ist einzoomen beim FocusPeaking mit zwei Tasten recht umständlich und schwer erreichbar, und leider auch ohne Fokusassistent, der ansonsten genial ist.
    Fast vergessen, ich habe die WiFi-Bildübertragung nicht verstanden. Bilder werden nicht auf den PC geschickt. Man sieht nur „Warten“. Schalten man die R aus, passiert auch nichts, obgleich einige meinen, sie würde auch dann Bilder übertragen können. Schalte ich die R dann wieder ein, dauert es etwas und die Bilder kommen an.

    1. Maxim August 9, 2019 at 6:41 am

      Danke für deinen Kommentar,

      ja so ist es, Dynamik ist nicht alles. Ich nehme lieber eine Blende weniger Dynamikumfang, als mir die Fingerknöchel zwischen Objektiv und Griff bei einer anderen Kameramarke einzuquetschen.

      4K filmen funktioniert mit dem 18-35mm 1.8 von Sigma ebenfalls extrem gut – das Netz schaut halt oft nur auf das Datenblatt, sieht den Crop und kommt dann mit der Keule um die Ecke.

      Das der AF aber langsam sei soll, kann ich so nicht bestätigen. Welchen AF-Modus nutzt du denn? Einzelfeld (klein) sowohl im Servo, als auch Oneshot sind bei mir verdammt schnell.
      Ist denn eventuell noch bei deiner EOS R eingestellt, dass sie permanent fokussieren will ( die Option heißt kontinuierl. Fokus)? Dann kann es sein, dass die Kamera vielleicht die komplette Fokusrange im Objektiv ständig hoch und runter dreht. Der Dual Pixel Phasen-Autofokus ist an der R definitiv verdammt schnell – schneller als bei meiner 5D Mark IV. Besonders mit dem 135mm 2.0L ein Traum!

      Einzoomen beim Focus-Peaking: Hier hoffe ich auch, dass da noch softwareseitig was ergänzt wird. So wie bei Olympus, wo automatisch 10x reingezoomt wird, sobald man manuell fokussiert.

      Zur WLAN-Funktion kann ich leider nix sagen, da ich sie wirklich gar nicht nutze.

      1. t31 August 9, 2019 at 7:48 pm

        Vielleicht täusche ich mich auch beim AF, ich empfinde da doch ein gewisses Delay bis zum Klack, kann auch sein das der Spiegelschlag der 6DII bei der R fehlt. Ich habe allerdings in Tat den kontinuierlichen Fokus eingeschalten. Das Zoomen beim Focus Peaking habe mir jetzt auf eine Taste gelegt, ist jetzt deutlich konfortabler. Was schon etwas Hammer ist, ich habe einfach aus Interesse mal das Sigma 150-600 rangeschnallt, selbst bei schlechten Licht sitzt der Fokus. Zu guter Letzt dann bei Dämmerung mit dem 2x Extender dann noch einem draufgesetzt, freihändig am Langen Ende 1200mm bei Blende 13 und 1/200s mit ISO 6400, weil es ging, ich muss ja wissen was geht. Gut war schon leidlich.

        1. Maxim August 9, 2019 at 8:30 pm

          Ja, die Sigma-Linsen funktionieren wirklich weltklasse an der R. Mein 50er Art ist an der EOS R ein Traum.

          Ich habe eben noch einmal an der 5D Mark IV und der EOS R mit dem gleichen Objektiv (35mm 1.4 II L) von unendlich richtung Nahdistanz fokussiert: gefühlt kein Unterschied in der Geschwindigkeit 🙂

          Auch wenn das 35er jetzt nicht das schnellste Objektiv ist.

    2. Andre Kersten Dezember 26, 2019 at 3:28 pm

      Die Touchbar muss nicht aktiviert werden, sie steht immer sofort zur Verfügung, einfach die Sperre ausschalten. Die Sperre befindet sich im Menü zur Belegung der Touchbar. Ich habe da auch die ISO drauf und finde die Touchbar, nach großer Skepsis, jetzt schon deutlich besser. Auch ich hatte die Sperre anfangs drin.

  3. Ingo Krehl September 26, 2019 at 9:42 pm

    Das die Kamera keine Sensor-Stabilisierung hat, ist aus meiner Sicht die schlechte Kühlung des Sensors, weil er ja dafür frei beweglich aufgehängt sein muss.
    Für eine bestmögliche Bildqualität sollte der Sensor möglicht kühl sein, weil mit steigender Sensortemperatur auch das Sensorrauschen steigt.
    Da bei spiegelosen Kameras sich der Sensor eh stärker erwärmt als bei einer DSLR, weil der Sensor ja Bilder für den Sucher liefern muss.
    Lange Videoaufnahmen von einer Stunde oder mehr an einem Stück wären mit einer Sensor-Stabilisierung so nicht möglich – was meine 70D problemlos macht.

    1. Maxim September 30, 2019 at 1:21 pm

      Hallo Ingo,

      danke für deinen Kommentar. Canon wird den Stabi spätestens 2020 liefern. Im Netz ist ja schon ein Patent von Canon dafür geleakt.

      Canon will es halt richtig machen und baut die Komponenten erst ein, wenn sie sicherstellen können, dass es 100%ig funktioniert.

      Die 70D ist eine tolle Kamera, die ich auch hatte. Allerdings musst du auch bedenken, dass die 70D einen kleineren Sensor hat, der dementsprechend leichter auszulesen ist und daher auch weniger Wärme erzeugt wird.

      Zudem glaube ich, dass alles unterhalb von 8K oder 4K- Auflösung und bis 60fps alles nicht wirklich eine nennenswerte, thermische Belastung für den Sensor darstellt.

      Ich fotografiere mit der R auch Hochzeiten und ich konnte bisher keine krasse Erwärmung feststellen – auch nicht an den heißen Tagen. Auf so einer Hochzeit „läuft“ der Sensor gerne mal 10-12 Stunden ohne Pause.

  4. Matthias Oktober 5, 2019 at 11:33 am

    Danke für den sachlichen Bericht. Kann ich in fast allen Bereichen so unterschreiben.
    Ich habe am Feiertag das Firmware Update auf die Version 1.4.0 gemacht, was soll ich sagen, der Augenautofokus ist nun ein super Tool, funktioniert auch bei meinem Enkel sehr gut und der ist wirklich schnell unterwegs, das sind Welten und macht die Kamera noch mal besser.
    Ich bin dabei meine Sony A7ii zu verkaufen, die ganze Bedinung und der Fokus sind eine Pein. Auch wenn die BQ auch sehr gut ist.

    Matthias

    1. Maxim Oktober 7, 2019 at 8:45 am

      Danke für deinen Kommentar. Mit dem Update auf 1.4. hat sich die R nochmal merklich verbessert!

  5. Heinz Jaskolka Oktober 27, 2019 at 12:03 pm

    Meine Güte, endlich einmal ein review, die sich nicht mit Pixel-Peeping und theoretischen Sensor-Vergleichen wie DMXO befasst, sondern mit der Realität des Fotografierens. Ich habe schon sehr lange den Eindruck, dass die „digitalen Jünger“ die Basis des Fotografierens nicht mehr beherrschen. Die Masse läuft mit DSLR und nun mit DSLM mit superteuren Bodies, aber Kit-Linsen, und meist dann die Sonnenblende in der Transportstellung. Fragen sie die einmal was Schärfentiefe oder diverse Objektiv-Abberationen bedeuten.
    Ich: 66 Jahre, 1972 die erste Pentax-SLR, 6×6 mit Bronica, ab 1987 mit Contax und etlichen Zeiss-Objektiven, ab 2004 mit DSLR, Canon 10D mit 6 MP, habe ich heute noch und demonstriere Unwissenden, dass man tat-sächlich scharfe Aufnahmen hinbekommt, von 30D, 50D über 5DII zu 5DIV, kann also nachvollziehen, was sie schreiben. Werde mir eine R kaufen, warte aber auf die Pro-Version.
    Gruß Jaskolka

    1. Maxim Oktober 30, 2019 at 9:14 am

      Hallo Heinz,
      danke für deinen Kommentar!
      Ja, die ganzen Vergleiche mit Dynamikumfang halte ich auch für übertrieben. Eine Kamera muss sich im Einsatz bewähren und gut zu bedienen sein.

  6. Thomas Oktober 29, 2019 at 2:19 am

    Über einen Umweg via Fuji bin ich von der EOS77D dann doch bei der RP gelandet. Und auch für diese Consumervariante der R gilt im Wesentlichen das hier Beschriebene. Dummerweise dringen erst jetzt nach und nach die deutlich realisterischen Einschätzungen der R-Serie durch. Allerdings gibt es ja auch die erheblichen Verbesserungen durch die neue Firmware auch erst seit kurzem.
    Was für mich eindeutig für Canon spricht, sind der Bildlook (die Farben wirken bei Fuji in jeder Filmsimulation auf mich immer künstlich, ich verstehe auch den Sinn dieses Overloads der Kamera nicht), die intuitive Bedienung (dort hat mich die Fuji am meisten enttäuscht, ich dachte die vielen gut sichtbaren Einstellrädchen sind nützlich, in der Praxis ist die Userführung aber völlig überladen, langsam und teilweise unlogisch), der sehr schnelle und auch unter schwierigen Lichtbedingungen sichere Autofokus und mit der Erweiterung liegt auch die RP gut in der Hand und vermittelt die typische Canonhaptik mit einer moderneren Bedienung. Die Nutzung des Touchscreen für das Setzen des Fokuspunktes ist für mich auch wesentlich effektiver als ein Joystick (die Fuji hat so einen). Selbst an den Verlust des Schulterdisplays habe ich mich sehr schnell gewöhnt.
    Kurz: für meine Zwecke bin ich endlich bei der richtigen Kamera gelandet und sozusagen wieder daheim. Unter schlechteren Lichtbedingungen liegen Welten zwischen der Fuji und selbst der RP. Erst die aktuelle X-Pro 3 scheint da aufschließen zu können.
    Ich könnte mir zwar vorstellen, dass ich auch mit der Nikon Z glücklich geworden wäre. Allerdings hätte ich dann wirklich wieder bei Null angefangen. Ich hatte mir für die 77D nämlich auch schon fast ausschließlich nur Vollformatobjektive gekauft und stehe daher nun gut gerüstet da. Und dieses Gefühl von langer Bekanntschaft, das auch die RP ausstrahlt, hätte mir eine Nikon auch kaum vermitteln können. Die 77D war nicht meine erste Canon.
    Was mir an Fuji gefallen hat, ist die Konsequenz in Bezug auf APS-C.
    Die RP ist für Makros für mich perfekt gerüstet. Das Focus-Stacking funktioniert sehr gut. Somit war daher auch sie und nicht die richtige R für mich der perfekte Einstieg in der R-Welt. Mal schauen, was in den nächsten Jahren noch so kommt.

    1. Maxim Oktober 30, 2019 at 9:17 am

      Hallo Thomas,

      super, dass du mit der RP happy bist! Mich stört an der RP nur, dass sie nur die „kleinen“ Akkus nimmt. Die LP-E6(N) wären deutlich komfortabler gewesen.

  7. Max Alperth Januar 7, 2020 at 4:04 pm

    Schöner Bericht. Wie sieht es mit der Treffsicherheit des AF bei LowLight oder höherer ISO aus?
    Kann das Touch AF in jedem AF Modi eingesetzt werden?

  8. Maxim (Stephan Forstmann) Januar 9, 2020 at 7:08 am

    Hi Max,

    klar, braucht die Canon EOS R, wie jede andere Kamera im Dunkeln etwas länger zum fokussieren. Ich hatte aber bisher nie Probleme und wenn der Servo-AF mal sitzt, springt er nicht mehr vom Objekt.

    Der Touch AF kann sowohl im Servo, als auch Oneshot-Modi genutzt werden.

  9. Lydia Januar 23, 2020 at 7:08 am

    Hallo Stephan,

    schöner Bericht – vorallem weil du auch mit Sigma fotografierst. Gestern hatte ich den ersten Kundentermin mit der Canon EOS R und habe in leichtes Gegenlicht fotografiert, auf fast jedem Bild zeichnen sich links oben am Bildrand waagerechte Streifen ab. Es sieht aus wie als würde ein Druckkopf beim Drucker schleifen. Aufgenommen wurde das Bild mit den Einstellungen ISO200, 85mm (Sigma 1.4 Art welches erfolgreich an der 7D Mark II und 1D funktioniert), f4,0 und 1/125. Hattest du dieses Problem schon einmal, oder hast du davon schon einmal etwas gelesen?

    Liebe Grüße,
    Lydia

    1. Maxim (Stephan Forstmann) Januar 23, 2020 at 7:57 am

      Hallo Lydia,

      gab es in deiner Umgebung Kunstlichtquellen und hast du mit dem lautlosen, elektronischem Verschluss gearbeitet? Dann ist das Artefakt, dass du auf den Fotos siehst sehr wahrscheinlich Banding. Mit der EOS R und anderen spiegellosen Kameras sollte man nicht bei Kunstlicht fotografieren, da die Lampen alle in bestimmten Frequenzen flackern und dadurch Hell-Dunkel-Streifen auf Fotos erzeugen. Je nach Qualität der Lampen ist dass dann entsprechend mehr oder weniger ausgeprägt.

      Müsste auch in der Bedienugsanleitung stehen 🙂

      Diese Problematik wird leider erst mit einem Global-Shutter gelöst werden können =(

  10. Barbara März 24, 2020 at 8:20 pm

    Es macht Spaß hier zu lesen! Bin zwar zufriedene Nikon-Userin, – durfte hier hoffentlich trotzdem stöbern ; – ). – Was mich tatsächlich von N zu C locken könnte, ist das neue, famose 2,0/28-70mm-Zoom von Canon. So etwas gibt’s bei Nikon nicht, und ehrlich gesagt: ich erwarte es auch nicht; bei Canon scheinen die besseren Optik-Designer zu sitzen. Die Cam. wird fast zweitranging, wenn das Objektiv super ist! Systemwechsel wegen der Linse – das gibt es.
    Barbara

    1. Maxim (Stephan Forstmann) März 26, 2020 at 1:54 pm

      Hi Barbara, ja das 28-70 2.0 ist ein klasse Objektiv und ich hätte es auch gern, müsste dafür aber viele Festbrennweiten verkaufen 🙂

      Nikon wird aber sicher auch ähnliche Objektive entwickeln. Es ist nur eine Frage der Zeit 🙂

  11. Angelika April 11, 2020 at 7:58 pm

    hallo! vielen vielen dank für deinen swhr hilfreichen und ausführlichen bericht…ich habe mir vor 2 monaten die 5d markiv gekauft, mag sie abe gar nicht 🤣 ich finde sie zu schwer, tu unhandlich und da ich ausschließlich mit sucher fotografiere, kann ich mich auf dieses system nicht gewöhnen…bin einfach zu langsam….also fiel jetzt meine enscheidung auf ein spiegelloses system umzusteigen…ich habe mich fast für diese kamera entschieden, jedoch ist noch eine frage ausständig, die mir bisher nicht beantwortet wurde im netz 😅 und zwar wie groß der bewegliche fokuspunkt im sucher und im lifeview ist … es wäre toll wenn du mir diese frage noch beantworten könntest…ich fotografiere ausschließlich menschen(neugeborene, familien) und bei der 5d mark iv muss ich sagen war mir der punkt im lifeview zu großdass ich bei einem gesicht aus entfernung nicht wusste, ob ich auf die augenbraue oder das auge fokusiere🙈 passiert selten da ich das lifeview so gut wie nie nutze aber wenn ich die kamera hochhalten muss zb dann komm ich nicht drum herum… da du ja auch die 5d mark iv benutzt kannst du mir vllt sagen ob die jeweiligen fokuspunkte gleich groß sind? danke inzwischen ! lg

    1. Maxim (Stephan Forstmann) April 11, 2020 at 9:55 pm

      Hallo Angelika,

      die 5D Mark IV ist eine unglaublich gute Kamera die alles perfekt meistert, wenn man sie entsprechend einstellt. Die 5D besitzt einen sehr treffsicheren Gesichtsautofokus im Live-View, der in der Regel auch den Fokus auf den Augen setzt.

      Und auch die Fokuspunktwahl im Sucher ist mittels Joystick und einigen Konfigurationen wirklich schnell genug, um beispielsweise bei Hochzeiten auf der Tanzfläche schnell den Fokuspunkt zu verschieben. Man muss einfach ein bisschen mit den Einstellungen herumprobieren. Die 5D ist definitiv ein echtes Arbeitstier – in jeder Situation.

      Aber zu deiner Frage: Ja, der Fokuspunkt ist bei der R kleiner. Die R hat zudem auch Augenautofokus der bei mir im Dauereinsatz ist und immer auf dem Punkt sitzt. Bei 1000 Fotos sind vielleicht Mal 5 dabei, wo der Fokus daneben gehauen hat.

      Ich habe mit der R auch schon Newbornfotos gemacht und sie macht auch da einen sehr guten Job.

      Derzeit würde ich an deiner Stelle aber noch etwas warten, da die R5 und R6 ja quasi schon bald ausgeliefert werden und die neuen R Modelle noch etwas besser sein werden.

      Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen 🙂

  12. Anne Mai 11, 2020 at 10:53 pm

    Ich hab mir neben 5 d lll die R geleistet und bin schwer beeindruckt. Sie macht unendlich Spass. Kinder, Hunde,Pferde,Landschaft,Doppelbelichtung,makro .. grossartig. Bei all meinen guten Objektiven sitzt der Focus präzise,, ich kann sie mit beginnender Altersweitsichtigkeit viel besser bedienen, muss nicht mehr bei hochzeiten auf dem boden liegen für spannende perspektiven, ich sehe genau,wo ich wieviel licht hab, außerdem ist sie so leicht, dass sich Schulter und Nacken langsam entspannen. Von deinen Einstellungen hab ich einiges übernommen. Vielen Dank.

    1. Maxim (Stephan Forstmann) Mai 12, 2020 at 2:48 pm

      Hallo Anne, danke für deinen Kommentar!

      Ja, auch heute ist die R eine unterschätzte Kamera, die den Fokus wirklich auf Leichtigkeit beim fotografieren gelegt hat.

      Ich fotografiere auch nach einem Jahr immer noch mit genau der gleichen Freude, wenn ich die R nutze und kann deine Euphorie absolut nachvollziehen!

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